
Caledonian Canal
Es war als eines der Highlights unserer Reise im ersten Jahr geplant, eine Fahrt durch Schottland hindurch, mitten durch die Highlands von der Nordsee in den Atlantik. Und es hat gehalten was wir uns davon versprochen haben. Der Kaledonische Kanal wurde zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts in fast 20 Jahren Bauzeit erstellt. Nur ein Drittel ist auch wirklich künstliche Wasserstraße, der Rest besteht aus Seen wie dem Loch Ness die durch die Kanäle miteinander verbunden wurden. Zum Ausgleich der Höhenunterschiede gibt es 29 Schleusen die durchfahren werden müssen und jede Menge Drehbrücken. Im Gegensatz zu den Niederlanden zum Beispiel, gibt es kaum kommerzielle Schifffahrt auf dem Kanal (außer Tourismus natürlich), sondern hauptsächlich Wassersportboote die vor Ort gemietet werden können oder eben Segelboote wie in unserem Fall.
Zurück nach Inverness, wegen Dauerregens und sehr windigem Wetter (da macht Schleusen, wie wir aus Holland noch wissen, keinen Spaß) verzögert sich die Weiterfahrt um einen Tag. Um den zu nutzen wird im Boot rumgebastelt und es werden einige Investitionen getätigt. Wir hängen im Gästebad eine lange geplante Stange für die nassen Sachen auf. Die Schuhe werden durch eine einfache Konstruktion in der Bugkabine an die Wand gehängt, und die Skipperin kauft eine Nähmaschine um für unseren Durchgang nach hinten ein paar Gardinen zu nähen. Da es in Schottland nur Weißbrot zu kaufen gibt, wird noch ein Brot gebacken. Hat sich doch gelohnt der Tag.



Wir starten am nächsten Morgen direkt mit einer Viererschleuse. D.h. man wird in 4 hintereinandergeschaltete Schleusenkammern gebracht bis man gute 10m Höhenunterschied geschafft hat. Wir sind etwas aufgeregt, aber die Unterstützung der Schleusenwärterinnen, was das Annehmen der Leinen angeht, ist super. Wir werden gebeten, dass eines der beiden Crewmitglieder an Land geht, und die Leinen von dort aus durch alle Kammern führt. Das macht die Sache für die Beteiligten etwas einfacher. Nach ein paar weiteren Schleusen kommen wir am Nachmittag in einem ziemlich kleinen Örtchen direkt vor dem Loch Ness an, wo wir noch einen schönen Spaziergang machen.






Dann kommt die Fahrt durch das Loch Ness. Dieser langestreckte See ist der zweitgrößte in Schottland und insgesamt 37km lang. Wir lernen nur den Ort wo wir losfahren, und den Ort wo wir ankommen kennen, aber die Art des Nessitourismus ist schon ziemlich abgefahren. Überall Souveniershops mit echt schlechten Nessifiguren. Aber der See selber ist großartig. Wir haben leichten Rückenwind und können sogar über ein Viertel der Strecke segeln. Am Ufer entdecken wir alte Ruinen wie das Urquhart Castle. Leider gibt es keine Anlegemöglichkeit daher bleibt es beim Anschauen vom Boot aus. Das Ziel am Ende des Sees ist Fort Augustus. Dort geht vom See aus der Kanal weiter und es kommt ein Fünferpack an Schleusen. Da heute keine Aufwärtsschleusung mehr stattfinden, legen wir davor an einem der Stege an.






Spannend wird es am nächsten Morgen, wann wir denn die 5 Schleusenstufen hinauf dürfen. Der Schleusenwärter kommt zum Steg, fragt nach der Länge des Bootes und wir haben Glück. In 10 Minuten geht es los. Die 5 Stufen dauern insgesamt gut 1,5h und wir bekommen diesmal Unterstützung von einer Engländerin vom Boot vor uns, für das Führen der Leinen. Segeln kann man wegen dem leichten Wind genau von vorne vergessen, und so müssen wir leider den ganzen Tag Diesel verbrennen. Wir kämpfen uns durch insgesamt 9 Schleusen und machen an einem etwas einsam gelegenen Ort namens Lock Legann fest. Der gesamte Kanal kann übrigens beidseitig bewandert werden, es sind überall sehr gute Wege am Ufer. Alternativ geht natürlich auch Fahrradfahren. Einen davon nutzen wir noch für einen Marsch um die steif gewordenen Seglerbeine etwas zu vertreten.






Die letzte Etappe führt uns durch den Loch Lochy und wieder haben wir kein Glück mit dem Wind. Er kommt von vorne und ist zum aufkreuzen zu schwach. Weiter geht es noch durch den letzten Kanal bis zum berühmten Neptuns Staircase. Das sind 8 Schleusen hintereinander für die man über 2 Stunden braucht um da durch zu kommen. Leider sind wir etwas zu spät dran und können heute nicht mehr runter. Morgen früh um 8.30 soll es losgehen, wir stehen auf der Liste. Danach ist es nur noch ein kleines Stück und 3 Schleusen, dann sind wir im Atlantik. Am Strand entdecken wir sehr merkwürdige Schiffswracks, wahrscheinlich in einem Sturm hinaufgespült.






Pünktlich fahren wir in die Schleusen und sind um 10.30 unten. Dann noch 3 zum Abschluss und wir sind im Atlantik. Wir würden ja gerne mal wissen auf wie vielen Urlaubsfotos wir und unser Boot sind. An allen Schleusen waren Urlauber die das anscheinend sehr spannend finden, und ohne Ende Videos und Fotos der Schleusungen gemacht haben.
Spontan entscheiden wir uns bis Oban direkt weiterzufahren weil Wind und Wetter vielversprechend sind.