Da wir ein Stück außerhalb liegen, geht es mit dem Bus nach Belfast. Wir nehmen uns zuerst die Innenstadt vor, und schlendern durch das Cathedral Quarter. Hier gibt es ohne Ende Graphity Highlights und tolle Pubs mit nett gestalteten Innenhöfen. Man hat den Eindruck durch eine Kunstgalerie zu laufen und kann sich nicht satt sehen. Zwischen den modernen Einkaufsstraßen und Arkaden sind immer wieder kleine Gassen mit Wandmalereien und kleinen Läden. Man kann tagelang herumschlendern und wird immer wieder neues entdecken.

Am Nachmittag machen wir uns auf in den Osten der Stadt in die protestantischen Viertel. Durch den Bürgerkrieg der im Land bis in die 90er Jahre herrschte, wollen wir auch mal die Kehrseite von Belfast kennenlernen. Wir laufen die Newtownards Rd ein ganzes Stück entlang und kommen alle paar Meter an Gedenkstätten vorbei, wo jungen Leuten gedacht wird, die dem Krieg zum Opfer fielen. Die Stätten sind oft mit langen Texten versehen, welche die Anschläge und das Märtyrertum der Opfer beschreiben. Es hängen in den Wohnvierteln an jedem Gebäude Fahnen die eindeutig die Zugehörigkeit zu England und Großbritannien zeigen. Am nächsten Tag nehmen wir uns vor, auch in den Westen der Stadt zu fahren, wo die katholischen Bevölkerung in der Mehrheit ist.

Wir treffen uns danach noch mit Bernd, den wir auf den Shettlandinseln kennengelernt haben. Wir trinken im Titanic Viertel ein Bier und schauen uns das Museum und die ehemalige Werft von außen an.

Die wichtigste Straße die in das katholische Viertel führt ist die Falls Rd. Insgesamt ist der Wohnstandard wie auch auf der anderen Seite relativ bescheiden, es sind reine Arbeiterviertel. Auch hier begegnen uns die Gedenkstätten und Altare auf denen den gefallenen jungen (hauptsächlich) Männern gedacht wird. Die Sprüche sind vergleichbar mit der protestantischen Seite, nur eben logischerweise aus der anderen Sichtweise. Es wird viel mit der Freundschaft zu Palästina und dem aktuellen Krieg gezeigt und insgesamt ziemlich radikal dargestellt. Es ist keine einzige britische Fahne zu sehen, aber umso mehr irische. Viele Straßen und Beschriftungen sind in englisch und in gälisch geschrieben, als ob man in einer anderen Stadt in einem anderen Land wäre. Nur zwei Straßen weiter südlich wo eine neue Gegend anfängt, ist es wieder komplett anders. Hier wieder alles sehr britisch und es hängen sogar viele proisraelische Fahnen herum. Das deprimiert uns am Ende, dass so ein aktueller schrecklicher Krieg von beiden Seiten instrumentalisiert wird, obwohl es im Land um etwas völlig anderes geht. Vielleicht haben wir es auch nicht richtig verstanden….?

Um die Stimmung aufzuhellen, gehen wir am Abend in ein nettes Pub mit Live Musik. Unser Fazit zu Belfast, eine völlig faszinierende Stadt mit einem tollen Zentrum, und natürlich den sehr kontroversen Vierteln der Protestanten und Katholiken. Man sollte sich mit dem Thema des Bürgerkrieges auseinandersetzen bevor man die Stadt besucht, um die Problematik zu verstehen mit der die Generation aufgewachsen ist.

2 Antworten zu “Belfast”

  1. Hallo Jan Paul,

    Sehr schöne Bilder + Kommentare die Ihr hier hinterlegt. Ich hoffe Ihr habt noch eine lange tolle Reise.

    Lg Veit

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