
Bretonische Impressionen
Vor Nachtfahrten versuchen wir morgens immer möglichst lange zu schlafen um etwas besser über die Runden zu kommen. Da gerade vor so langen Törns eine leichte Anspannung herrscht, klappt das nicht immer so gut. Diesmal ging es aber und wir fuhren gemütlich nach dem Frühstück um 12.00 Uhr los. Kurs südlich bei achterlichem Wind und passabler Welle passierte nicht viel aufregendes bis in die Nacht. Dann mussten ein paar Verkehrstrennungsgebiete durchquert werden, die des Skippers Müdigkeit weggeblasen haben. Das sind im Prinzip Autobahnen für den Frachtverkehr die 5-10km breit sind und wo entsprechender Frachtverkehr herrscht. Querende Segler müssen entsprechend schauen, dass man durchschlüpft wenn man nicht von einem 300m langem Tanker pulverisiert werden möchte. Auch das hat mit einigen Manövern ganz gut geklappt, und wir beiden konnten uns am Ende noch jeweils abwechseln und haben etwas geschlafen. Wir landen am Vormittag in der langen Bucht der Ile D’Quessant, dem westlichsten Ort Frankreichs (außer Überseegebiete). Dort liegen neben dem Hafen des Städtchens Lampaul Bojen aus, die kostenlos von Gastseglern belegt werden dürfen, toller Service.




Wir entschließen uns nicht zu schlafen, sondern frühstücken ausgiebig. Neugierig fahren wir rüber in den Hafen und erkunden den Ort. Es ist sonntäglich alles etwas verschlafen und die Leute sitzen entspannt vor den Kaffees und quatschen gemütlich. Der Ort an sich ist nicht wirklich besonders, aber er hat halt diesen französischen Charme. Zum ersten Mal auf der Reise müssen wir uns anders als auf englisch verständigen. Wir finden ein Kaffee mit Sonnenterrasse und möchten uns Kaltgetränke zur Feier des Tages gönnen. Selbstbewusst geht der Skipper in die Bar und wünscht auf französisch einen Guten Tag. Antwort: Good afternoon, what would you like….! OK, dann lassen wir das mit französischen Phrasen halt. Irgendwann können wir dann aber doch nicht mehr und legen noch ein kleines Schläfchen im Cockpit in der Sonne ein.




Nach 10h Schlaf der Gerechten gehen wir gut gestärkt auf eine Inselwanderung. Die Ile D’Quessant hat einiges zu bieten und wir entscheiden uns für eine Wanderung erst quer durch die Insel, und dann die Küste entlang bis zum westlichsten Punkt Frankreichs. Es geht durch Wiesen und Felder und immer wieder vereinzelt an Bauernhöfen vorbei. Die Küste ist sehr wild und die Brandung knallt immer wieder vor die Felsen. Wir hatten in Berichten über die Insel gelesen, dass die Bewohner den Touristen gegenüber reserviert oder sogar abweisend wären. Das können wir überhaupt nicht bestätigen. Alle Leute grüßen freundlich und wenn wir französisch könnten, würden wir vielleicht auch mal auf einen Schnack stehenbleiben. Da die Tide hier 6 Meter hoch ist, war es beim Anlanden mit dem Beiboot schwierig einen Platz zum anbinden zu finden. Es war gerade Ebbe und für das Festbinden an der Hafenmauer war unser Seil nicht lang genug. Wir haben es an einer Rampe so hoch es ging an einen Ring geknotet, aber da hatten wir die Rechnung ohne die Geschwindigkeit der Tide gemacht. Der Ring war als wir zurückkamen unter Wasser verschwunden, aber ein paar Kinder haben das Boot mittlerweile höher angebunden. Glück gehabt, sonst hätten wir tauchen gehen müssen. Wir wären gerne noch 1-2 Tage länger geblieben aber der Wind zur Küste rüber funktioniert nur morgen oder erst in einigen Tagen wieder. Dazu kommt noch, dass der Schwell in die Bucht unser Boot extrem ins Rollen brachte, was uns zusätzlich in die Flucht, trieb und wir deshalb am nächsten Tag weiterfuhren.






Los geht es zum bretonischen Festland rüber, das Ziel ist die Stadt Camaret sur Mer. Wieder ist die Fahrt zweigeteilt. Der Anfang bestand aus zu wenig Wind und viel zu viel Welle und hat die Geschichte sehr ungemütlich gemacht. Die letzten Stunden lief es dann aber wie auf Schienen und wir kamen zügig an unser Ziel. Zum ersten Mal sehen wir nur einige Hundert Meter neben uns ein U-Boot vorbeifahren, etwas beängstigend ehrlich gesagt. Da der Wind ordentlich in die Bucht blies, haben wir an einer der Bojen des Hafens festgemacht. Am nächsten Tag sind wir dann in den Hafen rüber und haben erstmal die Wassertanks aufgefüllt. Die Bojen hier sind nicht kostenlos und so haben wir beschlossen für die nächsten Tage wieder vor Anker zu gehen. Das Städtchen Camaret sur Mer hat eine lange Promenade die eigentlich nur aus Restaurants besteht, in denen es irgendwie überall das gleiche zu geben scheint. Es gibt viele Touristen, vor allem Familien die mit den Kindern den Tag am Strand sind und dann was Essen gehen. In den Gassen dahinter aber wirkt es plötzlich ganz anders. Es gibt sehr viele Kunstgalerien und kleine schicke Läden. Wirklich hübsch der Ort plötzlich, wir schlendern den ganzen Nachmittag herum und schauen einige Galerien an. Wir wollen noch ein paar Tage hier bleiben und am Samstag rüber nach Brest weiterfahren. Dort bekommen wir Besuch von Haui und Adelheid die in Frankreich Urlaub machen, wir freuen uns schon sehr. Wir bekommen auch noch ein paar Ausrüstungsteile für Auryn mitgebracht, die wir dann in der nächsten Woche in Brest anbauen wollen. Daher werden wir dort mindestens eine Woche bleiben.





