
Erholsame Tage in Morgat
Nach der ganzen Arbeit letzte Woche dachten wir an etwas Ausspannung in der Nähe. Allzu weit wollten wir nicht wegfahren, da wir am kommenden Wochenende sehr wichtigen Besuch in Brest erwarten. Da es in der Woche relativ konstanten Wind aus westlichen Richtungen gab, viel die Wahl auf die Bucht vor dem kleinen Örtchen Morgat. Andere illustre Orte wie die Ile de Seine oder etwas weiter auf die Glenan Inseln mussten wir aus Wind- und Zeitgründen leider ausfallen lassen. Die Fahrt zur Bucht von Morgat mit dem Hauptort Crozon war zwar nur 25sm lang aber der Skipper hat es verschlafen sich etwas mehr mit der Strömung an dem Tag zu beschäftigen. Er war wohl noch zu sehr mit den neuen Geräten beschäftigt, die wir auf der Tour ausprobieren wollten. Und so trinken wir mit ein paar Stegnachbarn noch einen Kaffee bei uns und fahren erst gegen Mittag (wenn die Strömung anfängt entgegen zu laufen) los.
Im wesentlichen ging es darum, während der Fahrt die neue Windsteuerungsanlage und den Hydrogenerator zu testen. Der Generator macht bei 5kn Fahrt so etwa 4 Ampere pro Stunde was ungefähr der Verbrauch des Kühlschranks und der Navigation ist. Dadurch sollten wir egal ob Tag oder Nacht während der Fahrt keine Stromprobleme mehr haben. Auch wenn wir die 5kn Geschwindigkeit meistens nicht erreicht haben, zeigte die App wunderbar den Strom den wir produzierten an….das funktioniert schon mal. Dann die Windfahnensteuerung. Trotz relativ schwachem Wind, klappte es eigentlich auf anhieb. Die beiden Seile die von der Anlage an das Steuerrad angreifen haben gearbeitet, und man konnte auf dem Windmesser gut erkennen, dass wir immer den gleichen Winkel zum Wind beibehalten haben…funktioniert auch, der Skipper ist stolz. Was noch etwas fehlt ist die Feinjustierung der Kurses, aber nach Rücksprache mit dem Hersteller wissen wir inzwischen auch, wie man sich da behilft.
Die Fahrt selber war etwas zäh, wir mussten immer wieder die Maschine anwerfen, damit wir nicht in der Dunkelheit ankommen. Zwischendurch kam plötzlich dichter Nebel auf der nach einer Stunde ebenso plötzlich wieder verschwunden war. In der Bucht fällt der Anker auf 6m, ein Traum. Ein Problem was die Windfahne mit sich bringt, ist unser Beiboot was normalerweise hinten unter dem Heckaufbau (Davit) an 2 Seilwinden hochgezogen hängt. Das passt nämlich jetzt nicht mehr dahin und muss vorne auf das Deck gelegt werden. Eigentlich nicht schlimm, das machen viele so. Nur ist unser Beiboot knapp 3 Meter groß mit festem Boden und daher sehr schwer. Wir werden versuchen es zu verkaufen und ein leichteres anschaffen. Das Boot jedes Mal mit einem Seil vom Mast dort hochzubugsieren ist auf Dauer zu anstrengend.




Die paar Tage in der Bucht verbringen wir ganz entspannt. Am ersten Tag schauen wir uns den Ort Morgat an, der ein kleines Feriendorf mit einem großen Hafen und einigen Wassersportmöglichkeiten ist. Es gibt eine nette Promenade mit Restaurants und Boutiquen, das Übliche halt. Wir gehen ein paar km weiter in den größeren Hauptort dieser Gegend, nach Crozon. Ein altes Innenstädtchen mit Souvenirläden wo wir eine typisch bretonisch Karamellsoße kaufen, die wir am nächsten Morgen mit selbstgemachten Crêpes ausprobieren. Der Tourismus findet hier nur am Rande statt, und das macht es hier eigentlich sehr charmant. Auf dem Rückweg gehen wir noch einen Umweg zum Strand in der Nähe der wie so oft in der Bretagne wild und sehr natürlich schön ist. Bei Ebbe hat man riesige Sandflächen die bei der Flut meist komplett verschwinden.






Am nächsten Tag machen wir eine Wanderung die Küste runter und man muss sagen, es ist ein wirkliches Highlight. Im Landesinneren sind es grüne dichte Pinienwälder und die Küste ist sehr spektakulär. Es gibt karibisch blaue Buchten mit steilen felsigen Abhängen, Heideflächen die durch den vielen Regen diesen Sommer immer noch sehr bunt sind. Ich verstehe nicht warum wir in unserem Leben noch nie Urlaub in der Bretagne gemacht haben.






Wir überlegen uns spontan noch bis Freitag zu bleiben, weil dann der Wind für die Rückfahrt nach Brest etwas besser ist. Daher haben wir den Donnerstag Zeit das Boot mal richtig auf- und umzuräumen. Irgendwo müssen unsere Kinder wenn sie am Wochenende kommen schließlich schlafen. Marlene wird etwas länger bleiben und dafür brauchen wir die Kabine vorne freigeräumt. Einigen Stauraum finden wir in der Durchgangskabine die mal wieder richtig aufgeräumt und ausgemistet wird. Dann werden alle Matratzen und Decken zum Auslüften an Deck in die Sonne gelegt. Der Skipper optimiert noch das Leinenhandling der Windfahne ins Cockpit auf Hinweis des Herstellers ein wenig. Am Nachmittag fahren wir mit dem Beiboot etwas ins Örtchen, schlendern rum und gehen ordentlich Einkaufen. Damit hätten wir eigentlich alles erledigt und die Kinder können kommen. Wir sind einigermaßen aufgeregt, Marlene kommt am Abend in Brest mit dem Zug an und Niklas mit dem Flieger am Samstag.


