
Die spanische Küste runter bis zur Islas Cíes
Nach der Verabschiedung von Marlene in A Coruna am Flughafen kehrt bei uns wieder der Alltag zu zweit ein. Daran müssen wir uns erstmal wieder gewöhnen, dass z.B. nicht morgens schon jemand auf ist, Kaffee macht und das Frühstück auf dem Tisch steht. Bezüglich der Weiterfahrt Richtung Süden entscheiden wir uns für das kleinere Übel und fahren am nächsten Morgen los. Es ist zwar relative Flaute mit Wellen von 2m angesagt aber die Alternative wäre erst in einer Woche weiterzukommen, weil der Wind sich gegen uns dreht. Also tuckern wir los und das nicht alleine. Auf Marine Traffic sehen wir mindestens 10 andere Segelboote die den gleichen Gedanken haben und am Morgen die Leinen losmachen. Das Ziel ist Muxia eine kleine Stadt weiter südliche in Galizien. Die Etappe ist wirklich nicht schön, die Wellen schütteln uns hin und her und auch am Nachmittag ist entgegen der Hoffnung kein Segeln möglich. Wir legen uns in die örtliche Marina weil für die nächsten Tage ordentlich Wind vorhergesagt ist, und wir dann lieber nicht ankern. Als erstes werden wir vom Zoll begrüßt der alle Papiere sehen will und allerhand Dokumente ausfüllt. Erstaunlich, das hatten wir nicht mal in UK mit ihrem Brexit. Die Zöllner waren aber freundlich und haben halt nur ihren Job gemacht. Der Ort Muxia ist ganz nett. Wir machen eine schöne Wanderung die Küste rauf und durch die Wälder wieder in den Ort. Auch hier ist übrigens ein Teil des Jakobweges. Überall sieht man die Muschelsymbole. Es ist Sonntag, trotz des schlechten Wetters ist gut was los und alle Bars haben geöffnet. Günstigen Diesel gibt es hier auch, 1,43€ der bisher beste Preis auf der Tour. Da die Tanke oben an der Straße ist, bringen die einem den Diesel abgefüllt in einem großen Tank mit einem Moped an den Steg.





Weiter geht es relativ windarm nach Muros, dem nächsten kleinen Städtchen an der Küste. Auch diese Tour ist wirklich ätzend. Es ist nebelig, es regnet, Wellen zu hoch und wir sind froh als wir abends ankommen und neben dem Hafen den Anker werfen. Immerhin konnten wir dieses Mal für 1-2 Stunden die Segel hissen. In der Nacht und am Morgen gibt es den wahrscheinlich stärksten Regen den wir bisher auf der Reise hatten. Die Schleusentore sind offen und es kommt aus Kübeln stundenlang auf unser Boot runter. Bis auf eine bekannte Stellen ist das Boot auch dicht, immerhin. Da das Wetter den ganzen Tag mehr oder weniger so bleiben soll, und wir gerne den für heute versprochenen Wind mitnehmen wollen, machen wir uns in einer Regenpause auf für die Tour bis zu den Islas Cíes. Diesmal geht es wirklich besser, wir können weit über die Hälfte der Strecke segeln und erst die letzten Stunden muss der Motor wieder ran, wir steigern uns. Neu ist allerdings die Ankunft im Dunklen, und zwar im Stockdunklen da auch noch dichter Nebel ist. Wir haben zum Glück ein schickes Raymarine Radar welches auf einem Display neben dem Navi im Cockpit ist. Das funktioniert wirklich gut, man sieht darauf sogar die Bojen in der Bucht und kann diese umfahren. Der Skipper fühlte sich durch die Technik trotz der etwas unheimlichen Situation eigentlich relativ sicher. Die Skipperin, die vorne am Bug mit dem Strahler steht kann das nicht bestätigen, da sie ins große schwarze Nichts fährt. Beide sind froh als der Anker fällt. Am nächsten Morgen stecken wir neugierig den Kopf aus dem Boot um zu sehen wo wir hier sind, und was sehen wir….nichts. Der dichte Nebel ist immer noch da und braucht bis zum Mittag bis er sich teilweise verzieht. Bis dahin gibt es noch ein paar Dinge auf der Bootstodoliste. Z.B. unser altes Funkgerät. Uns fiel auf der Fahrt gestern auf, dass wir zwar senden können aber nichts empfangen. Nach diversen Recherchen im Internet und Versuchen mit der Handfunke und einer externen Antenne scheint klar zu sein, das Dingen ist hinüber und wir brauchen ein Neues. Unser Pechsträhne an Bord lässt uns nicht los. Ohne gutes Funkgerät, vor allem in Orcaland sollte man nicht sein. Wir kümmern uns am Wochenende in Vigo drum.



Als dann einigermaßen die Sicht stimmt, fahren wir mit dem Beiboot zum Fährhafen und können an einem Pier an Land gehen. Vor uns liegt der berühmte Playa de Rodas, der 2007 von einer englischen Zeitung zum schönsten Strand der Welt gekürt wurde. Ist aber auch wirklich schön, bei Sonne und ohne Nebel wahrscheinlich sogar noch schöner. Für die Insel gilt ein Nationalparkstatus, und wir mussten uns ein Permit und eine Befahrenserlaubnis von den spanischen Behörden besorgen. Das ging relativ einfach online und hat nur einen Tag gedauert. Wenn man dann so über die paradiesische Insel wandert, kann man das auch bestens verstehen. Vor allem im Sommer sind hier Horden von Besuchern und von Seglern, so dass es irgendwie reglementiert werden muss. Jetzt im Herbst wiederum sind nur wenige Leute hier und insgesamt ankern am Abend 3 Boote. Es gibt ein paar Restaurants, einen Campingplatz und die Nationalparkwächter. Ansonsten ist alles grün, mit tollen Stränden und gut ausgebauten Wegen die über die Insel führen. Abends ging dann an Bord die Pechsträhne mit unserer Bootsausstattung weiter. Der Gasdruck war trotz voller Flasche fast weg. Es scheint am Druckminderer zu liegen, der zwischen der Flasche und dem Anschluss in das Boot liegt. Er lässt an seinem Ende kaum was durch. Zum Glück haben wir noch einen Gasgrill auf dem wir außen an Deck ein notdürftiges Abendessen hinbekommen. Das wird jetzt zur Prio 1+ da unser Frühstückskaffee stark gefährdet ist. Wir fahren morgen schon nach Vigo rüber, und hoffen einen neuen Druckminderer und dann auch direkt eine neue Funke zu bekommen. Und am Sonntag kommt dann Jule vorbei und segelt mit uns bis Lissabon oder zumindest soweit wie wir kommen. Leider kommt nächste Woche ein ausgewachsener Sturm aus der Karibik hinüber nach Europa und wird uns wohl erstmal ausbremsen. Nach aktuellem Stand wird es uns hier unten wohl nicht so stark erwischen aber für Nordfrankreich und auch England und Norddeutschland könnte es heftiger werden. Mal sehen wie die weiteren Vorhersagen sind, wir verziehen uns in einen sicheren Hafen.





