Bevor wir uns auf den Weg runter nach Portugal machen, möchten wir uns noch die kleine Stadt Baiona anschauen. Diese liegt oben links an der Ecke der Ria de Vigo, von der es von Galizien aus eine relativ gerade lange Küste runter bis nach Portugal geht. Im Moment gibt es irgendwie keinen Tag ohne irgendwelche Reparaturen. Heute ist es der Duschschlauch der eine undichte Stelle hat. Zum Glück gibt es in Vigo im Marineshop in der Nähe original den Gleichen zu kaufen. Der Skipper kann es kaum glauben und wir können bald darauf losfahren. Es sind nur 10sm bis Baiona wo es eine schöne Ankerbucht neben dem Hafen gibt. Da das Wetter ausnahmsweise mal trocken und sonnig ist, geht es nach dem Ankern direkt noch in den Ort auf ein Eis und einen kleinen Stadtbummel durch die Altstadt. Es ist wirklich nett hier, die üblichen kleinen Gässchen mit Restaurants und Bars. Wir haben inzwischen schon so viele Altstädte gesehen, aber jede hat ihren eigenen Charme und eigenen Stil. Am nächsten Morgen geht es dann beim Skipper los, ein Infekt breitet sich aus, und führt zu einem Tag komplettem Ausfall. Trotzdem schaffen wir es am Tag danach noch einen kleinen Bummel um das sehenswerte alte Castelo de Monterreal. Das ist ein sehr altes aber gut erhaltenes Schloss mit einem schicken Hotel in der Mitte der Mauern. Und oben auf den Burgmauern kann man einmal herum laufen und hat einen guten Blick. Im Hafen neben dem Schloss ist übrigens ein Nachbau des berühmten Segelschiffes, der Pinta. Damit ist Martín Alonso vor über 500 Jahren mit Columbus und zwei anderen Schiffen nach Amerika gesegelt. Auf dem Rückweg 1493 kam er als erster in Baiona mit der Pinta an, und konnte die Nachricht von der neuen Welt zuerst hier verkünden. Das Schiff ist nur 20m lang und wirkt insgesamt eher zerbrechlich. Ein Wunder, was die Seeleute unter den damaligen Bedingungen damit leisten konnten.

Am nächsten Morgen hat es dann die Skipperin erwischt. Wir stehen früh auf um uns auf nach Portugal zu machen, als sie ausgeknockt liegen bleibt. Da es für die 30sm bis Viana do Castelo wenig Welle und und viel Motorfahrt geben wird, beschließen wir trotzdem zu fahren und der Skipper segelt bzw. tuckert halt alleine. Die Fahrt ist auch eher ereignislos bis auf ca. 1,5h, in denen plötzlich herrlicher Segelwind auftaucht. Das wird natürlich ausgenutzt, tröstet aber nicht über die zu vielen Motorstunden hinweg, die wir (und alle anderen etwas verzweifelten Segler hier oben) nutzen müssen. Es weht in diesen Wochen einfach kaum mal ein vernünftiger Wind der einen nach Süden trägt. Und wenn wir nicht immer wieder Motorstrecken einlegen, hängen wie Weihnachten noch hier oben rum. Wir kommen am Nachmittag in Viano do Castelo an, beschrieben als eines der schönsten Städtchen an der Westküste. Wir legen im Fluss an einem Besucherponton an. Die Skipperin kommt kurz mal raus ein Seil annehmen und verkriecht sich danach wieder in die Koje. Die Leute der Marina sind ausgesprochen nett und wir bekommen noch einen Stadtplan mit diversen Tipps in die Hand gedrückt. Unser Boot liegt sehr zentral und man ist in wenigen Minuten in der Altstadt von Viana. Es gibt natürlich eine wunderbare Altstadt mit Kirchen und Kapellen an jeder Ecke. Dazu Plätze mit einladenden Cafés und an jeder Ecke kleine Läden. Das ist übrigens auch in Spanien oder Frankreich ein grundsätzlicher Unterschied zu Deutschland. Hier gibt es noch die vielen kleinen Fachgeschäfte jeglicher Branche die sich auf die gesamte Innenstadt verteilen. In Deutschland gibt es fast nur noch Einkaufszentren in denen man die Sachen in riesigen Läden suchen kann oder man bestellt es halt Online. Kleine Läden haben bei uns keine Chance mehr, außer sie bieten vielleicht Ein-Euro Artikel oder Telefonkarten an.

Da passt es doch, dass sich das nächste Wetterfenster mit segelbarem Wind weiter nach Porto erst am Mittwoch auftut, und wir uns noch von unseren Viren oder was es auch immer war, erholen können. Wir fahren mit der Zugbahn rauf zum Castelo auf 180m und genießen einen unglaublichen Blick auf die Stadt und die Umgebung. Der Skipper fühlt sich schon wieder ganz fit, und marschiert noch die Wendeltreppe im Castelo hoch auf die Aussichtsplattform. Am Abend gehen wir nach längerer Zeit mal wieder in die Kneipe mit Stegnachbarn von der Inti aus Brandenburg und der Lucia aus Holland. Es ist ein lustiger Abend mit interessanten Gesprächen über Segeln, und die Welt in der sich die Langzeitsegler befinden.

Morgen segeln wir nach Porto.

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