Es geht von Nazare weiter auf den Weg nach Lissabon, wo wir einen Halt auf der Halbinsel Peniche einlegen. Die Fahrt ist nur 25sm lang, schön windig und auch schön wellig. Besonders gegen Ende, wo wir um das Kap von Peniche herum müssen, schmeißen uns die Wellen bei der letzten Halse von rechts nach links. In Peniche wollten wir eigentlich ankern, haben das aber wegen des starken Windes und dem sehr engen Ankerfeld wieder verworfen. Wir fahren in den Hafen, der eigentlich nur aus einem langem Steg besteht und komplett voll ist. Wir legen im Päckchen als 3. Boot neben einer belgischen Familie an, die uns dabei sehr hilfsbereit unterstützen. Der Plan war eigentlich am nächsten Morgen weiter nach Lissabon einen langen Schlag zu machen, aber es spielte sich anders ab. Der Skipper stand schon früh an Deck und überlegte verzweifelt wie wir das Boot hier weg bekommen sollen. Der Wind blies mit 4-5Bft von der Seite und drückte uns gegen die anderen Boote. Und da unser Bugstrahlruder zur Zeit etwas schwach auf der Brust ist, würde ein Ablegemanöver uns und auch die anderen Boote stark gefährden. Wir sind in Diskussion mit Ludger und Raphaela vom der Anna die vor uns steht, und die ähnliche Gedanken haben. Bald treffen wir die Entscheidung, nein, ist zu gefährlich wir bleiben heute hier. Am nächsten Tag sind die Bedingungen nach Lissabon wellentechnisch sowie so besser, und wer weiß was Peniche sonst noch zu bieten hat. Die Entscheidung erweist sich als Glücksfall. Wir verabreden uns mit Ludger und Raphaela um 10.00 zum Wandern und laufen einmal um die Halbinsel herum. Ein toller Tag, es gibt wunderschöne Küstenabschnitte mit wilden bizarren Felsen und dazwischen immer wieder nette Häuser und Wohngegenden. Am Nachmittag besuchen wir uns noch gegenseitig bei Kaffee und Portwein und zeigen uns unsere Boote. Es gibt ausgiebige Diskussionen über Technik und Vor- und Nachteile von allem was so wichtig ist an Bord.

Am nächsten Morgen klappt das Ablegemanöver und wir machen uns früh um 7:30 mit diversen anderen Booten auf den langen Weg in Richtung Lissabon. Die Tour dauert fast 11h und wir kommen kurz nach der Dämmerung in Cascais im fast dunklen an. In der Ankerbucht neben dem Hafen liegen schon einige andere Boote und wir finden einen guten Platz dazwischen. Die Nacht ist etwas schaukelig weil der Wind in die Bucht hineinbläst aber es geht eigentlich ganz gut.

Viel Zeit bleibt am nächsten Morgen nicht, weil wir wieder Teresa aus Schweden diesmal mit der kompletten Familie in Lissabon treffen. Wir nehmen den Zug und sind in 45min mitten in der Stadt. Da noch etwas Zeit ist, schlendern wir einmal die Touriemeile vom Praça do Comércio hoch und runter. Das ist schon grenzwertig, es sind ohne Ende Menschen hier, und man schiebt sich durch die eigentlich sehr schönen Gassen. Es gibt kein Restaurant wo man nicht beim Vorbeigehen angequatscht wird. Das letzte Mal waren wir im März 2020 hier, kurz bevor der Coronalogdown kam. Damals waren wir quasi alleine auf der Straße. Anschließend treffen wir Teresa und die große Familie und gehen in ein ziemlich schickes Restaurant, wo wir einige Stunden lang ein tolles Lunch einnehmen. Es war vermutlich das beste Essen was wir bisher auf der Reise hatten. Es machte uns allen großen Spaß, wir haben sehr interessante Gespräche und die Zeit geht viel zu schnell rum.

Am nächsten Morgen machen wir noch einen wunderbaren Spaziergang eine kilometerlange Promenade runter in Cascais. Das ist wirklich schön hier. Auf der einen Seite touristisch und mondän, aber trotzdem natürlich. Am Freitag fahren wir dann 5sm rüber nach Oeiras in eine ausgesprochen netten Marina, an der sogar ohne Bestellung auf Kosten des Hauses morgens Brötchen an Bord gebracht werden. Das hatten wir auch noch nicht. Abends treffen wir Ludger und Nils in der Kneipe hinter dem Hafen wo Live Musik gespielt wird.

Wir müssen mal wieder Verbesserungen für unsere Haustechnik an den Start bringen. Da wären als erstes die Wassertanks. Wir haben Filter bekommen mit denen wir das Wasser in die Tanks filtern, und einen zweiten, der noch mal filtert und das Wasser in der Küche trinkbar macht. Dafür sollten als erstes die Tanks mal gereinigt werden. Das dauert leider den ganzen Tag, und weil in dem einen Tank mehr Kalk als erwartet ist, muss dort erstmal Entkalker rein. Dann bauen wir noch eine sogenannte Baumbremse ein. Das ist ein Teil welches wir von einem Segler aus Cascais günstig gekauft haben. Damit wird (Achtung Seglersprache) der Großbaum beim Ausbaumen oder bei einer Halse besser unter Kontrolle gehalten und eine Patenthalse vermieden. Mal schauen ob es in der Praxis funktioniert.

Die weitere Reiseplanung macht inzwischen Fortschritte, nach aktuellem Stand können wir am Mittwoch morgen ablegen und einen großen Schlag runter nach Marokko bis Agadir machen. Das passt eigentlich perfekt, weil wir dadurch noch einen weiteren Tag für Lissabon haben, und uns entsprechend auch auf den Trip von 4-5 Tagen vorbereiten können.

So gesagt, so getan geht es von Oeiras wieder mit dem Zug nach Lissabon. Wir starten etwas abseits der Innenstadt in dem Viertel Santos wo es einen Flohmarkt, eine Markthalle und nette kleine Straßen gibt. Die Innenstadt hatten wir ja vorgestern schon besucht und wird daher links liegen gelassen. Wir gehen weiter den Berg hinauf zu einigen schönen Aussichtspunkten und dem Viertel Graca. Dort finden wir ein Lunchrestaurant und genießen den Mittag in der Sonne. Wieder runter den Berg und es geht durch ein wunderbares Altstadtviertel namens Alfama. Kleine Gassen, nette Restaurants und überall uraltes Kopfsteinpflaster.

Später am Nachmittag fahren wir noch in ein Städtchen in der Nähe wo ein Mediamarkt verspricht Starlink zu haben. Der Skipper kann nicht widerstehen, weil wir damit überall auf hoher See und auch in Ländern wie z.B. Marokko (hat kein normales EU Telefonnetz) normales Internet vom Boot aus möglich machen. Das ist zum einen eine Kosteneinsparung und zum anderen ein deutlicher Sicherheitsgewinn auf hoher See. Die Installation am Abend funktioniert komplett problemlos, und kurz darauf haben wir Highspeed Internet im Bordnetz. Die nächsten beiden Tage wird es noch ein paar Einkäufe geben und wenn sich am Wetter nichts mehr ändert geht es Mittwoch los. Mit Starlink ist es auch einfacher von unterwegs mal einen Bericht und sogar Fotos zu schicken.

Eine Antwort zu “Ein langer Weg nach Lissabon”

  1. Hallo, Ihr zwei Skipper,

    nachdem ich ( Peter hilft so gut er kann) total viel Laub in den Wald
    gefahren habe, eine kleine Verschnaufpause beim Lesen eurer spannenden
    Berichte!!

    Nun seid ihr ja schon richtig weit südlich auf der Landkarte und werdet
    bald den Kontinent wechseln.

    Euch weiter eine tolle Reise mit vielen Begegnungen und und schönen
    Erlebnissen!

    Ganz liebe Grüße von Peter und Barbara

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