
Agadir
Statt 4-5 Tagen sind es nun 5,5 Tage geworden. Was solls, wir sind gut in der Marina von Agadir angekommen. Der letzte Tag geht nicht in die Analen für einen traumhaften Segeltörn ein. Erstmal ist der Wind viel zu früh eingeschlafen, und wir mussten den Motor das letzte Stück für über 20h anwerfen. Dann haben wir uns vor der Küste noch ein Seil in die Schraube eingefangen, worauf hin der Skipper mitten in der Nacht tauchen gehen durfte um das Seil von der Schraube zu schneiden. Das hat zumindest soweit geklappt, um mit reduzierter Geschwindigkeit bis Agadir weiterfahren zu können.
Die Marina von Agadir ist umgeben von weißen Häusern, in denen es Restaurants und schicke Boutiquen gibt. Über dem Viertel thront ein Berg mit einer Burg und am Abend beleuchteten Schriftzeichen. Eigentlich ganz nett, man darf nur bei der Marina selber nicht allzu genau hinschauen. Die Stege sind alt und wackelig und in die Waschhäuser schaut man lieber nicht hinein. Die Mitarbeiter sind aber ausgesprochen hilfsbereit und wir werden wahrscheinlich 2 Wochen bleiben.


Direkt nach der Ankunft kommt der Zoll, die Polizei und sonstige Offizielle an Bord und machen es sich an Bord bequem. Wir füllen einige Formulare aus und für die Herren gibt es Feigen und Wasser. Drohnen sind in Marokko übrigens verboten und daher müssen wir unsere versiegeln lassen. Welcome to Marokko sagt abschließend der Zollbeamte, und haut schwungvoll die Stempel in die Pässe. Insgesamt eine sehr positive Erfahrung, höflich und schnell ging die Prozedur vorbei und wir sind offiziell eingereist. Am Abend machen wir noch einen kleinen Spaziergang und schlafen nach dem sehr leckeren Anlegerbierchen und Weinchen wie Steine.
Am nächsten Tag kümmern wir uns um einige Baustellen an Bord, wo wir den ein oder anderen Mechaniker anheuern müssen. Da wäre das Bugstrahlruder was jetzt endgültig fällig ist. Dann leckt das Getriebe immer stärker und wir überlegen den rechten unserer beiden Wassertanks zu erneuen, da er alt und innen drinnen doch sehr verkalkt ist. Gegen Mittag kommt schon ein Mechaniker vorbei, der das Bugstrahlruder direkt ausbaut und mitnimmt. Am nächsten Tag bringt er es wieder und es läuft einwandfrei. Kostenpunkt sind 120€, nicht schlecht. In Spanien oder Portugal hätten wir locker das 4-fache bezahlt. Ein Kollege schraubt die suspekten Teile vom Getriebe ab und nimmt sie zur Überprüfung mit in seine Werkstatt. Am Montag bekommen wir ein Angebot für eine neuen Wassertank. Die meinen sie würden es in einer Woche hinbekommen den aus Edelstahl zusammenzuschweißen und einzubauen. Das sind echte Win Win Situationen. Zum einen bezahlen wir sicherlich mehr als die Einheimischen, auf der anderen Seite werden wir dadurch natürlich sehr schnell bedient und sparen im Vergleich zu Europa eine ganze Menge.
Zurück zu Agadir, die Stadt wird dominiert durch einen riesigen Strand mit kilometerlanger Promenade. Entsprechend sind viele Touristen da und die Stadt macht zumindest hier unten einen recht westlichen Eindruck. Trotzdem ist es natürlich ein muslimisches Land, in den Kaffees gibt es zum Beispiel grundsätzlich keinen Alkohol. Es gibt extreme Unterschiede im Auftreten der Frauen. Manche sind in Burkas komplett verhüllt, und andere meist jüngere Frauen komplett ohne Bedeckung in modernen Klamotten und bauchfrei.




Am nächsten Tag fahren wir mit einer Seilbahn hoch auf den Berg (siehe Titelbild), wo eine Burg aus dem 16. Jahrhundert steht. 1960 gab es in Agadir ein Erdbeben mit über 15.000 Toten und die komplette Stadt, und auch die Burg wurden zerstört. Daher ist das meiste hier oben neu aufgebaut worden. Die Atmosphäre zum Sonnenuntergang ist aber schon sehr speziell. Am schönsten ist das Licht, wenn auf der einen Seite die Sonne hinter dem Meer untergeht und auf der anderen Seite die Lichter der Stadt angehen.






Jetzt wollen wir mal das wirkliche Marokko kennenlernen. Dafür bietet sich der sogenannte Souk an. Das ist ein riesiger Markt, in dem man laut Aussage der Kollegen am Hafen ALLES kaufen kann. Wir sind gespannt und marschieren los. Auf dem Weg dorthin lassen wir uns von einem Gewürzhändler in seinem Laden zu einem Minztee einladen. Der schmeckt nicht schlecht und wir müssen alle seine Produkte mal riechen und kosten. Natürlich kaufen wir ihm auch Minztee und eine spezielle Gewürzmischung ab. Der Markt schlägt dann alles bisher gesehene. Es sind hunderte von Ständen in einer Megahalle wo man wirklich alles für den täglichen Bedarf von Klamotten, Möbeln, Leckereien, alle Arten von Lebensmitteln, Elektronik, Schmuck usw kaufen kann. Wir erstehen eine neue Kaffeekanne, und probieren ein paar frittierte Snacks aus. Insgesamt ein ziemlicher Overflow an Eindrücken und Gerüchen. Wir werden natürlich überdurchschnittlich oft angequatscht aber insgesamt hält es sich im Rahmen. Andere Touris haben wir kaum gesehen. Wir fahren mit dem Taxi wieder zurück (2€!) und gönnen uns auf der Promenade noch ein Eis.






Alexandra und Achim sind gestern gelandet und verbringen ihren Urlaub 10 Tage in einem Hotel am anderen Ende der Stadt. Wir freuen uns schon sehr und sind gegen Mittag bei ihnen und lümmeln zusammen in der mondänen Anlage am Pool herum und genießen Kaltgetränke. Am Nachmittag fahren wir noch auf ein Eis und weitere Getränke in die Stadt Richtung unserer Marina wo etwas mehr los ist. Es macht großen Spaß mal wieder alte Freunde aus Wuppertal um uns zu haben. Morgen gehen die Damen in ein Hamam sich etwas verwöhnen lassen, und die Herren treffen sich an Bord. Der Skipper muss mit den Handwerkern klären ob es eine Chance gibt den neuen Wassertank zu realisieren und wann das Getriebe fertig wird.

Am Dienstag mieten wir uns für eine Woche ein Auto und machen eine Tour durch Marokko.