Wir haben uns mal abends gemütlich hingesetzt und das erste Jahr unserer Reise Revue passieren lassen. Kaum zu glauben wir sind an unserem Zielort für 2024 auf Gran Canaria wohlbehalten angekommen.

Von uns beiden wurde als erstes die Reiseplanung und die Reiseroute die wir gewählt haben, sehr positiv gewertet. Würden wir wieder so machen. Der Start in der Nordsee im April war sicherlich etwas wilder und stürmischer als gedacht, aber spätestens als es durch den NOK in die Ostsee ging konnten wir die Reise auch aus segeltechnischer Sicht genießen. Bei der Fahrt in den Norden nach Skandinavien hatten wir für die Jahreszeit großartiges Wetter und meistens guten Wind, der uns auch auf der weiteren Reise durch Nordeuropa nie im Stich gelassen hat. Wir wissen das im Nachhinein sehr zu schätzen, weil wir inzwischen wissen wie es auch anders sein kann. Nach der Biskaya hatten wir in den ersten Wochen in Spanien Dauerregen, keinen Wind, oder wenn doch aus der falschen Richtung oder es kam mal ein Hurrikan vorbei. Das war eine Phase wo wir uns öfters gefragt haben, warum machen wir das eigentlich hier? Aber auch das ging vorbei und je weiter wir runter nach Portugal kamen, desto besser wurde es wieder. Toll war natürlich Marokko und wir sind sehr froh diesen Weg gewählt zu haben und nicht über Madeira, wie es die Mehrzahl der Segler machen. Was wir dort an anderer Kultur kennengelernt haben, war außergewöhnlich. Im Nachhinein macht es großen Spaß, den Weg der Kulturen vom nördlichen zum südlichen Europa zu vergleichen. In Norwegen trifft man abends kaum noch einen Menschen auf der Straße geschweige denn in einer der wenigen Kneipen, während in Spanien das Leben auf der Straße um 20.00 Uhr erst losgeht. Da sind die Waschmaschinen die überall gleich funktionieren aber Zebrastreifen nicht immer die Bedeutung haben wie wir sie kennen. Von Schokolade die in Dänemark unbezahlbar ist und Alkohol den man in Marokko nicht findet. Kulinarische Highlights von Fish & Chips bis Tapas.

Ein Vorteil beim Segeln sind die vielen kleinen Inseln die man besuchen kann und sonst nie gesehen hätte. Wir haben grandiose Highlights kennengelernt, wie z.B. Røvær, Fair Isle, Skomer Island, Skillies, Ouessant, die Glenan Inseln, Isla Cies und viele mehr. Das sind Orte die eine besondere Magie ausstrahlen, und die Mühen die es manchmal bedarf dorthin zu kommen, schnell wieder vergessen lassen.

Apropos Mühen beim Segeln. Natascha gehört zu den Seglerinnen die lieber ankommen als losfahren. Getreu dem Motto, ein Segeltag ist ein verlorener Ankertag. Die Wellen die wir in Nordsee und Atlantik haben, sind leider oft recht hoch und machen die Überfahrten anstrengend. Und wenn man bei Nachtfahrten um 2.00 Nachts zur nächsten Schicht geweckt wird und in das kalte dunkle Fieselwetter raus muss, ist der Spaßfaktor übersichtlich. Aber wenn am nächsten Morgen die Delfine zur Begrüßung vorbeikommen, und um das Boot herumtoben ist die Welt schnell wieder in Ordnung. Insgesamt ist das Thema Wind und Wetter (wie wahrscheinlich auch der geneigte Blogleser bemerkt hat) sehr dominant wenn nicht sogar total nervig. Wir hängen nun mal in unserem Fortkommen davon ab. Die Apps und Daten die man heutzutage zur Verfügung hat werden immer besser, und wie die meisten Segler benutzt der Skipper diese auch ausgiebig um die Törns zu planen. Das macht es auf der einen Seite natürlich sicherer die Passage gut zu überstehen, aber manchmal kann man es auch übertreiben. Viel zu oft kommt es nämlich dann doch anders und führt zu Geschimpfe im Cockpit.

Was wir im nächsten Jahr versuchen wollen zu ändern ist die Taktung der Etappen. Gerade in den ersten Monaten waren wir selten länger als 2-3 Tage an einem Ort und dann ging es schon weiter. Das führt schon mal zu einem Overflow an Eindrücken, die man in der Summe alle gar nicht verarbeiten kann. Daher möchten wir mehr in die Tiefe der Orte gehen und noch mehr genießen.

Unsere Auryn hat sich als treue Begleiterin, Transportmittel und unser neues gemütliches zu Hause sehr bewährt. Während der Fahrten hatten wie nie größere Probleme oder fühlten uns unsicher. Von anderen Seglern hört man ganz andere Stories wie gebrochene Großbäume, auf der Biskaya abschleppen lassen oder die Elektronik fällt während der Fahrt aus. Was den Skipper allerdings zwischendurch unglaublich nervt ist, wenn ein Problem sporadisch auftritt und nicht identifiziert werden kann. Z.B. feuchte Stellen an Bord, Mastleuchten die während der Fahrt mal an- mal ausgehen oder warum das Getriebe mal Öl verliert und mal nicht (der Ölstand war nicht schuld….). Aber es ist nun mal ein altes Boot und das gehört anscheinend dazu. Insgesamt sind auch die Kosten für Optimierungen und Reparaturen über Budget aber vielleicht wird das ja nächstes Jahr besser. Vielleicht aber auch nicht, weil noch ein paar kostspielige Projekte auf der Liste stehen (upgrade der Elektrik oder ein Wassermacher). Ein Manko sind auch die Anzahl der Motorstunden die wir brauchten. Ich hatte mal vor der Reise mit 10% gerechnet aber davon liegen wir mit einem Drittel ein gutes Stück entfernt.

Was uns unglaublich freut ist die Anteilnahme der Familie, von Freunden und Bekannten an der Reise. Natürlich ist schon mal etwas Traurigkeit im Spiel wenn zu Hause eine Party oder nettes Treffen stattfindet und wir nicht dabei sein können. Echte Highlights waren die Besuche die wir an Bord im Laufe des Jahres von unseren Freunden hatten. Und wir haben einige sehr nette Segelbekanntschaften gemacht mit denen wir teilweise immer noch in Kontakt sind. Oft trennen sich die Reiserouten schnell wieder was natürlich sehr schade ist, wenn man sich gerade anfängt etwas besser kennenzulernen. Auch das können wir für das nächste Jahr intensivieren und hoffen noch viele Leute zu treffen. Sehr hilfreich ist hier übrigens die Mitgliedschaft im Trans Ocean Verein, der eine riesige Community über diverse themenbezogene WhatsApp Gruppen pflegt, und dadurch viele Kontakte möglich macht. Die Gruppen beinhalten wahrscheinlich das größte segelerische Wissen auf der ganzen Welt. Und lastbutnotleast unsere Zweisamkeit…. Wir wurden oft gefragt, wie man es denn zu zweit auf so engem Raum und über so eine lange Zeit aushält. Antwort: Funktioniert super, man muss sich nur an ein paar Regeln halten. Zum Beispiel muss jeder die Wünsche und Bedürfnisse des anderen respektieren und Freiraum geben.

Insgesamt ist es also nicht immer romantisches Kaffeesegeln, macht aber trotzdem großen Spaß und ist eine wunderbare Möglichkeit seine Zeit zu verbringen. Nächstes Jahr geht es weiter, aber darüber im nächsten Beitrag mehr………

3 Antworten zu “Unser Segeljahr 2024, ein Fazit”

  1. Hi Jan, ich lese euren Blog mit großer Freude. Euer Resümee ist ehrlich und klasse. Ich wünsche euch ein frohes Fest und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Ciao Theo

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