Tag 1:

Einmal volltanken bitte und zusätzlich auch noch etwas Sprit für unseren kleinen Honda Generator, dann geht es schon los. Wir sind beide etwas aufgeregt, da es die bis dahin längste Etappe ist die wir unternehmen. Die Vorhersage der 870sm bis Mindelo auf den Kapverden verspricht guten Wind der wahrscheinlich etwas zu sehr von hinten kommen wird. In den ersten Stunden die Küste von Gran Canaria runter wird allerdings noch der Motor ranmüssen. Leider ist es dann so, dass der Motor geschlagene 12h läuft bis es sich mitten in der Nacht endlich segeln lässt. Bei uns beiden müssen sich erstmal ein wenig die Seebeine wieder einstellen die für permanenten Ausgleich des hin- und hergeschunkels sorgen.

Tag 2:

Der Rhythmus unserer 3-Stündigen Wachwechsel hat sich in der ersten Nacht noch nicht richtig gefunden, da wir beiden kaum schlafen konnten. Das war aber auch letztes Mal schon so, in der 2. Nacht wird es sicher besser. Am Morgen stellen sich erstmal 2 technische Probleme heraus die nerven. Das weniger gravierende ist die Anzeige unserer Batterieverbräuche. Deutlich blöder ist der Ausfall unseres Windpiloten der die meiste Zeit die Steuerung des Bootes übernimmt. Die Windfahne schwenkt nicht mehr hin und her und steuert damit nicht. Nach Rückfragen beim Hersteller probieren wir ein paar Sachen aus, die aber nicht zum Erfolg führen. Das Teil muss auseinander genommen werden und wahrscheinlich irgendwo gereinigt werden. Und das geht leider nicht unter den aktuellen Bedingungen, so dass wir wohl sehr viel selber am Ruder stehen müssen. Wir haben auch noch den elektrischen Autopiloten der aber sehr viel Strom verbraucht und daher nicht dauerhaft laufen kann. Dafür stimmt der Wind und wir kommen gut voran.

Tag 3:

Wir bekommen den Rhythmus langsam eingependelt, jeder schafft es in der Nacht 2 x für 2-3h zu schlafen. Dann tagsüber noch mal ein Stündchen und wir fühlen uns halbwegs ausgeruht. Der Wind steht genau wie die Segel und wechselt kaum. Nur Abends frischte er etwas auf, so dass wir die Segel für die Nacht etwas einreffen. Dadurch machen wir nach wie vor gut Strecke und sollten die geplante Fahrzeit von einer Woche einhalten können. Unser Etmal von Mittwoch (Seemeilen innerhalb von 24h) war 118sm. Und wir haben auch Glück mit dem Mond. In ein paar Tagen ist Vollmond, so dass die Nächte immer heller werden, was die Sache deutlich angenehmer macht. Einziger Minuspunkt im Moment ist, dass wir relativ viel selber am Steuer sind, weil die Windfahne noch nicht geht. Viel mehr gibt es nicht zu berichten, beste Grüße von Bord.

Tag 4:

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der „angekündigten“ Zunahme der hohen Wellen. Es ging schon am Abend los und steigerte sich im Laufe der Nacht bis zum nächsten Morgen. Besonders lieben wir die heimtückischen, die sich nachts heimlich von hinten links heranschleichen und ganz plötzlich die tapfere Auryn um locker 30° versetzen, garniert mit einem dreifachen Hin- und Herschaukler anschließend. Das machte es jedes Mal ziemlich anstrengend das Boot zurück auf Kurs zu steuern. Das blieb auch im Laufe des Tages so, die nächsten Tage soll es aber wieder etwas besser werden. Der Wind nahm auf 5-6 Bft. zu, was aber bei der Windrichtung mit guten Reffs in den Segeln kein Problem ist. Eine wahre Kunst ist es bei der Schaukelei ein warmes Essen hinzubekommen, aber die Skipperin schafft das bravourös ohne das allzu viel kaputt geht. Unsere Windfahnensteuerung haben wir zumindest teilweise wieder in Betrieb nehmen können. Sie ist wegen der klemmenden Fahne aber noch sehr unpräzise, so dass man immer wieder eingreifen muss. Ist aber trotzdem eine deutliche Erleichterung für den Wachhabenden. Etwas schwierig ist es den Kurs nach Mindelo zu halten, weil der Wind sehr von hinten kommt. Trotzdem hoffen wir am Dienstag im Laufe des Tages anzukommen, es bleibt spannend. Etmal 135sm.

Tag 5:

Die Welle von gestern ist leider auch heute Nacht noch nicht verschwunden, macht die Sache echt anstrengend und sorgt für eine genervte Crew. Der Skipper schafft es sogar noch sich BvB gegen Bayer anzuschauen und geht anschließend gut gelaunt zu seiner Schicht ins Cockpit. Dann haben wir in der Nacht Bergfest gefeiert, die Hälfte der Strecke liegt hinter uns. Nochmal etwa 440sm zu fahren. Noch einen Lichtblick gibt es, im Laufe des Tages fing es an etwas ruhiger zu werden und man konnte im Boot auch mal einen kurzen Schritt tun ohne sich direkt irgendwo anzustoßen. Ansonsten nicht viel zu berichten, wir dösen den Tag rum, schauen mal irgendeine Folge einer Serie, wechseln uns im Cockpit ab und justieren immer wieder mal die Segel und den Kurs und kommen nach wie vor gut voran. Etmal 131sm.

Tag 7:

Kleine Planänderung, da uns aus windtechnischer Sicht der Kurs Richtung Mindelo immer schwerer fällt, und wir im Prinzip genau auf die schöne Insel Sal etwas weiter östlich zusteuern, warum nicht dorthin fahren.? Dort gibt es zwar keine Marina oder Hafen für Segler, aber es gibt eine beliebte Ankerbucht vor der Stadt Palmeira. Wir versuchen im Moment wirklich Gas zu geben, werden es aber wahrscheinlich nicht vor Montag Abend wenn es dunkel wird, schaffen. Das ist immer etwas unangenehm in einen fremden Hafen bei Dunkelheit anzukommen. Aber wir haben eine gute Navigation und Radar die es möglich machen sollten. Auf Sal können wir einige Tage entspannen und auch noch ein paar Reparaturen durchführen. Die können wir dann auf dem Törn nach Mindelo testen bevor die Fahrt auf dem Atlantik weiter geht. Ansonsten haben wir hier beide unseren Alltag an Bord entwickelt der sich meist wiederholt da wir die Nachtschichten nicht verändern. Auf geht es in die letzte Nacht, wir sind wirklich froh darüber…..Etmal 132sm.

Tag 7:

Es zieht sich noch etwas hin bis Sal. Nachdem während der Nacht der Wind immer mehr dreht und wir den Kurs immer weniger halten konnten, wurde der Schmetterling aufgebaut. Also Großsegel nach links und die Genua nach rechts. Mit der Einstellung läuft es bei den Wellen erstaunlich gut und wir können so direkt hoffentlich bis Sal durchsegeln. Der Skipper fummelt anschließend noch etwas an der Windfahnensteuerung herum, was zu einer weiteren Verbesserung der Präzision führt. Als sich Sal am Horizont aus dem Nebel herausschält, sind wir echt glücklich, bald ist es geschafft. Wir haben auf der Tour nur einmal kurz ein paar Delfine gesehen, dafür aber ständig fliegende Fische. Die stürmen in Scharen aus dem Wasser und fliegen bestimmt 50-100m weit übers Wasser. Einen hatten wir auch an Deck der es leider nicht überlebt hat. Die Einfahrt in den Hafen von Palmeira von Sal funktioniert bei Dunkelheit ganz gut, heute ist nämlich Vollmond. Das Ankerfeld ist schon recht voll aber wir finden noch einen Platz. Dann erstmal ein bzw. zwei Anlegerbierchen. Etmal 131

6 Antworten zu “Überfahrt auf die Kapverden (Tag 1-7 und angekommen)”

    • Hi Stephan, danke 👍
      Die Strecke die wir fahren ist ziemlich frequentiert von Seglern da ist es wohl ok. Weiter südlich wahrscheinlich nicht mehr so. Viele Grüße Jan

  1. Wir stoßen mit euch an!! Herzlichen Glückwunsch zur gemeisterten Überfahrt 🥳. Hoffen, dass die blauen Flecken schnell verschwinden und ihr euch ordentlich ausruhen könnt! Macht langsam und genießt und wartet ruhig, bis wir bei euch sind!!! 😜

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