Geduld ist eine der wichtigsten Tugenden von Seglern. Das kann das Warten auf das richtige Wetterfenster sein, oder auf einen Mechaniker der etwas dringendes an Bord reparieren soll, oder auf See mal eine Schwachwindphase aussitzen. Einiges davon ist hier gefragt zur Zeit, hat aber bald ein Ende. Wir stehen jetzt kurz davor und wollen übermorgen den Atlantik überqueren. Dann sind wir in weniger als 3 Wochen in der Karibik. Da macht sich langsam eine gewisse Aufregung breit. Aber das nicht nur bei uns, sondern im ganzen Hafen spürt man, wie die Leute letzte Reparaturen und anderen Dinge an ihren Booten erledigen. Seit mehreren Wochen ist kaum einer von hier gestartet, weil einfach konstant zu viel Wind und Welle herrschten. Aber jetzt sieht es laut mehreren Vorhersagemodellen für einen Start ganz OK aus. Der Wind kommt die meiste Zeit von hinten rechts (perfekt) und ist am Anfang bei Windstärke 5, geht dann nach ein paar Tagen runter auf 4-5 bevor es in der zweiten Woche etwas stürmischer wird. Das Thema wird dann weniger der Wind sondern mehr die Welle sein die zeitweilig bis 3,5m geht. Aber da auch die mit dem Wind eher von hinten kommt, sollte es gehen.

Wie immer gibt es eine Todo Liste mit Dingen am Boot die gecheckt, verbessert oder repariert werden müssen. Dieses mal ist es gar nicht so viel, weil im Prinzip die meisten Dingen schon für die Fahrt von Gran Canaria hier herunter gemacht wurden. Aber bei so einer langen Tour wird natürlich noch mal alles Sicherheitsrelevante durchgeschaut, und ich kann vorwegnehmen…es hat sich gelohnt. Des Skippers Lieblingsbeschäftigung ist es hinten die Backskiste mit dem ganzen Plörren auszuräumen, hineinzukriechen und die Steuerung über dem Ruder zu kontrollieren. Bei der Gelegenheit können auch noch mal die Schrauben der Windfahnensteuerung nachgezogen werden. Erschreckend wenn dann dort eine abgerissene Schraube mit Kontermutter am Boden gefunden wird. Nach einiger Fummelei stellt sich raus, die ist von der Verschraubung des Autopiloten auf dem Ruder. Die beiden anderen waren noch am Platz, wären aber früher oder später auch abgerissen. Noch mal Glück gehabt, die Schraube ließ sich schnell ersetzen und die beiden anderen sitzen auch wieder stramm. Beim Check des Großbaumes und der Vertauung der nächste Schreck. Der kleine Schlitten mit dem das Großsegel rausgezogen wird, ist gebrochen. Die Wirkung wäre wahrscheinlich nicht so schlimm, aber das Segel hätte nicht mehr richtig gesessen. Der Yachtservice des Hafens hat eine kleine Werkstatt und die versuchen bis morgen früh ein Teil herzustellen was unseren Schlitten ersetzen kann. Wenn das klappt sollte unserem Start wahrscheinlich am Mittwoch nichts mehr im Wege stehen.

Was wir noch erledigt haben, ist zum Beispiel die Gasflaschen an der Tanke um die Ecke zu einem Spottpreis aufzufüllen. Ca 1/10 von den Kosten bei uns. Dann haben wir noch unserem Spibaum verbessert, der die Genua bei dem Rückenwind in Position hält. Unten ist jetzt ein Niederhalter drangebastelt der die Bewegung einschränkt, und für mehr Segelkomfort sorgen soll. Es werden morgen noch mal eine Ladung frische Sachen und andere Lebensmittelergänzungen besorgt. Wahrscheinlich gehen wir die letzte Nacht noch vor Anker, da sich hier im windigen Hafen die Windfahnensteuerung nicht montieren lässt.

Abends trifft sich die halbe Marina in der Kneipe am Hafen, und diskutiert Wetter und Welle und wann der beste Zeitpunkt zum Losfahren ist. Es sind sich alle einig, wenn nicht jetzt wann dann. Es werden bestimmt 20-30 Yachten in den nächsten Tagen starten. Im übrigen sind wir alle ziemlich genervt von den Böen im Hafen und den wackeligen Stegen. Seit Tagen zerrt es von vorne und von hinten, so nervig wie hier kann es draußen gar nicht sein.

Das Ziel was wir uns rausgesucht haben ist Antigua, es soll schön sein da. Die Strecke ist ca. 2100sm lang und bei 120-130sm pro Tag müssten wir es in 17 Tagen eigentlich schaffen. Wir versuchen wieder, wie schon bei den letzten längeren Überfahrten, eine Seite immer täglich mit einem Status upzudaten. Unsere Position wird mehrmals täglich in Noforeignland aktualisiert.

https://www.noforeignland.com/boat/4719943734001664/journey?sid=6527595694784512&tc=1718211142014

5 Antworten zu “Letzte Vorbereitungen”

  1. Eure Reise verfolge ich mit großem Interesse und wünsche euch für die Fahrt über den Atlantik die optimalen Wind und Wellenverhältnisse. Ich bin erstaunt darüber, wie viele Segler dies Abenteuer wagen. Alles Gute wünscht euch Annelie

  2. Oh meine lieben Freunde,

    ich drücke auch alle Daumen für eine angenehme Überfahrt!!!!!

    Ihr seid echt mutig!

    Liebe Grüße von eurem Freund Christoph

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