St. Kitts und Nevis gehört zu den 12 kleinsten offiziell anerkannten Staaten der Welt, und hat gerade mal 51.000 Einwohner. Die beiden Inseln liegen direkt nebeneinander und lassen sich beide per Segelboot besuchen. Wir sind sehr gespannt was uns erwartet. Der Wecker klingelt erbarmungslos um 06.00, da wir noch im Hellen ankommen möchten. Die Fahrt ist unspektakulär bis auf unseren erneuten Angelversuch. Plötzlich rauscht die Kurbel mit Schwung raus und dann kommt ein Knack, die Rute ist tatsächlich gebrochen. Da hat anscheinend der große unbekannte Riesenfisch angebissen und auch direkt wieder losgelassen.

Wir beginnen mit der Insel Nevis und ankern in der Nähe des Hauptortes Charlestown vor dem wunderschönen Pinneys Beach. Das Anlanden mit dem Dinghi ist sportlich, am besten erwischt man eine Welle die einen auf den Strand spült, dann werden die Füße nicht so nass. Nun muss erstmal wieder die Pflicht erfüllt, und die Zollabfertigung durchlaufen werden. In diesem Fall ist es sogar noch um einiges teurer als in Antigua. Das Wetter ist in diesen Tagen nicht so dolle, immer wieder ziehen mehr oder weniger kurze heftige Schauer durch. Daher belassen wir es heute bei einem Stadtrundgang. Wir finden zum Glück einen kleinen indischen Elektronikladen, der uns zu einem fairen Preis ein einfaches Tablet verkauft. Jetzt hat die Skipperin wieder ihr kleines Entertainmentprogram am Abend für die ein oder andere Serie.

Man kann auch auf den höchsten Berg der Insel den Nevis Peak auf 985m heraufwandern. Das ist ein alter ruhiger Vulkan um den herum sich Regenwald befindet. Wir lassen das aus mehreren Gründen mal sein, erstens ist es durch den vielen Regen wahrscheinlich mehr als nass und matschig, und zweitens sind wir um Moment konditionell nicht in allerbester Verfassung. Wir besuchen stattdessen lieber ein kleines Künstlerdorf mit bunt gestrichenen Häusern und selbstgebasteltem Kunsthandwerk wie Bilder, Körbe, Tücher etc…

Das nächste Ziel ist im Norden der Insel, eine alte Kirchenruine die viel über die Geschichte der Sklaverei auf der Insel zu erzählen hat. Wir fahren mit einem kleinen Minibus leider etwas zu weit und müssen ein ganzes Stück zurück laufen. Zum Glück hält ein sehr freundliches älteres Ehepaar an und nimmt uns ein paar Kilometer mit zu der Kirche. Die beiden kommen aus Kanada und verbringen die Wintermonate auf Nevis. An den Kirchenruinen gibt es viele Informationstafeln, die über den Bau und die Hintergründe der damaligen Zeit berichteten. Die Kirche wurde vor 200 Jahren von einem englischen Reverend gebaut. Natürlich nicht von ihm selber sondern von seinen Sklaven. Im Prinzip wurde auf der gesamten Insel überhaupt nichts von den englischen Kolonialisten gebaut sondern von deren Sklaven. Der Bau der Kirche fiel in eine Zeit wo die englische Regierung anfing an der Abschaffung der Sklaverei zu arbeiten. Es wurde zum Beispiel verboten neue Sklaven aus Afrika zu verschleppen, was aber nicht heißt, dass damit das Grauen zu Ende war. Dieser Reverend (er wurde als ein „Guter“ dargestellt) hat dann dafür gesorgt, dass die Kirche zum ersten Mal auf der Insel von Schwarzen und Weißen gemeinsam besucht werden durfte. Wir sind unsicher, ob das Schicksal der Sklaven auf den Inseln ausreichend dargestellt wurde. Insgesamt war es aber interessant, dass es überhaupt mal thematisiert wurde. Von den heutigen Inselbewohnern stammen fast 90% von den Sklaven ab.

Nach dem Besuch von Nevis fahren wir eine Stunde hinüber auf die Hauptinsel St. Kitts und ankern in der sehr schönen Fregat Bay. Es gibt auch hier einen schönen weißen Strand mit einigen Reggae Bars. Wir gönnen uns mal ein paar Drinks in so einer Bar und genießen den Sonnenuntergang, sehr romantisch.

Wir fahren mit dem Bus in die Hauptstadt Basseterre und werden dort von Typen angesprochen, die Touren über die Insel anbieten. Zum ersten Mal auf unserer Reise gönnen wir uns das, und befinden uns direkt in einer Gruppe von amerikanischen Kreuzfahrttouristen in einem bunten offenen Bus. Die Tour geht in den Norden in den Regenwald. Wir halten an diversen Punkten an, und der Guide erzählt viele Dinge über Flora und Fauna der Insel. Auch die schrecklichen Zeiten während der Kolonialisierung kommen nicht zu kurz. Zu diesen Zeiten wurden noch Zuckerrohrfelder von den Sklaven beackert um anschließend daraus Rum herzustellen. Wir besuchen die Ruinen einer Rumbrennerei im Regenwald die schon vor 300 Jahren in Betrieb war. Wir durften auch mal Rumpunsch probieren, also Rum mit leckerem Fruchtsaft. Wir lassen uns von dem Bus in der Nähe unserer Bucht absetzen und sparen so noch den Rückweg von Basseterre.

Wir wären gerne noch ein paar Tage länger hier geblieben, aber der Wind für die Weiterfahrt nach Norden ist nur noch am Montag segelbar. Den letzten Tag fahren wir entspannt ein paar Meilen nach Basseterre und ankern vor der Marina. Dort geht es wieder zur Immigration zum abmelden und danach machen wir noch einen kleinen Stadtrundgang. Basseterre hat nicht wirklich viel zu bieten. Sehr stolz ist man hier auf die Unabhängigkeit von Großbritannien seit 1983. Es gibt Kirchen, Parks und ein paar Denkmäler die danach benannt wurden. Ziemlich furchtbar ist das Dorf am Hafen was nur für die Kreuzfahrttouristen diverse Shops und Gastronomien hat. Um etwas Zeit für den Trip morgen zu sparen, segeln wir noch ganz entspannt 2h in den Norden der Insel wo wir an Sandies Point den Anker schmeißen.

Morgen geht wieder der Wecker um 06.00 und wir fahren nach St.Martin, eine Tour von etwa 50sm.

Hinterlasse einen Kommentar