Unser Ankerplatz vor Crooked Island ist ausgesprochen einsam. Das letzte andere Boot vor Ort macht sich gerade auf den Weg, und so sehen wir weit und breit niemanden mehr. Und das soll auch den ganzen Tag so bleiben. Wir liegen wegen des flachen Wassers fast 800 m vom Land weg und kämpfen uns mit dem Beiboot durch die kabbelige See bis zum Strand. Dort gibt es rechts eine Öffnung in der Lagune, hinter der man bei relativ starker Strömung in einen kleinen Fluss hineinfahren kann. Dort sind wieder dichtverwurzelte Mangroven, die eine wunderbare Ruhe ausstrahlen. Wie in der Dominikanischen Republik fahren wir geräuschlos mit dem E-Außenborder durch die Landschaft. Zurück Richtung Strand landen wir sportlich, wie immer, mit Schwung an und ziehen das Boot hoch. Der Bewegungsdrang ist groß, und wir laufen kilometerweit diesen Traumstrand entlang. Es ist wirklich unglaublich, wir treffen keinen einzigen Menschen, und auch andere Zivilisationsrückstände, wie Müll oder Sonstiges, gibt es nicht. Wir planschen im hellblauen Wasser und liegen am weißen Strand. Dieser Ort toppt wirklich jedes Karibikklischee. Wir finden beide, dass heute einer der beeindruckendsten Tage unserer Reise war.

Der Wind für den nächsten Tag stimmt, und so machen wir uns früh auf nach Clarence Town, einem kleinen Ort auf Long Island. Die Entfernung ist etwa 45 sm, und wir freuen uns, mal nicht in die Nacht hinein fahren zu müssen. Unterwegs fangen wir mal wieder einen Fisch (Bonito), aus dem wir vier ordentliche Steaks hinausbekommen. Vor Clarence Town gibt es eine große Bucht, in der schon 8 andere Boote ankern. Auch hier ist der Weg an Land recht weit, und das Wasser ist unruhig. Leider darf man hier in der Bucht nicht schwimmen, da es in letzter Zeit zu einigen Unfällen mit Haien gekommen ist. Die Fischer schmeißen schon mal die Abfälle ins Wasser, was die Tiere nun mal anlockt. Der Ort Clarence Town besteht neben verstreuten Wohnhäusern aus einer Marina, zwei Restaurants, Ericas Bäckerei und zwei Kirchen. Zur Feier des Tages, gehen wir ausnahmsweise mal in der schicken Marina essen.

Heute wollen wir eine kleine Attraktion besuchen, Dean’s Blue Hole. Wir gehen gute 5 km den Strand entlang, über Stock und Stein bzw. Klippen. Eine schöne Bucht folgt auf die nächste, mit der leider negativen Begleiterscheinung von ziemlich viel angeschwemmtem Plastik und Netzen. Das Meiste ist anscheinend von Fischern ins Meer geworfen. Ein Fundstück nehmen wir mit, einen fast neuen Fender, den wir gut gebrauchen können. Dean’s Blue Hole ist beeindruckend. Es ist das dritttiefste Blue Hole der Welt, mit 202 Metern, und liegt am Ende einer Bucht hinter dem Riff. Der weiße Sand läuft wie in einen Trichter hinein, in die Tiefe. In der Mitte ist eine Plattform installiert, deren Sinn wir uns nicht erklären können. Aufklärung gibt es bei Youtube. Hier finden jährlich Tieftauchwettbewerbe statt, bei denen an einem Seil, ohne Atemluft, versucht wird, möglichst tief zu kommen. Eine Frau hat hier den Weltrekord von 122 m geschafft, unfassbar. Neben dem Blue Hole sind einige Gedenksteine von gestorbenen Tauchern, die es hier immer wieder gibt. Alles sehr skurril. Als wir ankamen, waren wir alleine, und es sah überhaupt nicht so aus, als würden hier solche Spektakel stattfinden. Wir lernen ein paar Amerikaner kennen, die auch mit dem Segelboot hier sind. Die sind so nett und nehmen uns mit dem Mietwagen zurück nach Clarence Town.

Heute geht es weiter zur nächsten Insel, nach Conception Island. Es ist ziemlich stürmisch, als wir den Anker hochholen. Und auch die Fahrt über 45 sm macht nicht so richtig Spaß, weil die Wellen von der Seite zwar nicht sehr hoch, aber in sehr kurzen Abständen kommen, was uns ordentlich durch die Gegend schaukeln lässt. Die Bucht vor Conception Island ist wunderschön und, zum ersten Mal auf den Bahamas, auch relativ ruhig. Die Insel ist ein Nationalpark, unbewohnt und voller schützenswerter Tiere. Das bemerkenswerteste Tier ist die „Conception Bank Silver Boa“. Das ist eine endemische Schlange, die es nur auf dieser Insel gibt und die erst vor 10 Jahren entdeckt wurde. Man schätzt die vorhandene Population auf weniger als 150 Tiere. Die Skipperin meinte nach dem Bericht, dass sie keinen Fuß auf die Insel setzen würde. Zum Glück hat sie es sich am nächsten Tag noch anders überlegt. Der Skipper macht sich eher Gedanken um die Haie, die hier im Wasser ihre Kreise drehen. Den ersten sehen wir direkt nach dem Ankern, neugierig um unser Boot schwimmen. Es ist ein etwa 2 Meter großer Riff- oder Ammenhai. Unser Tag auf Conception Island ist wunderbar. Wir machen einen langen Spaziergang über die Strände und Felsen auf die Nord- und Ostseite. Während es auf der Westseite, wo wir vor Anker liegen, ruhig ist, der Strand kaum Verschmutzung hat, ist es auf der gegenüberliegenden Seite wild, mit viel Seegras am Strand und einer ganzen Menge Plastikmüll. Das liegt halt am permanenten Ostwind, der alles auf die Strände schwemmt. Wir liegen anschließend noch am Strand rum und plantschen im Wasser. Allerdings nur solange, bis wir sehr nah am Ufer im flachen Wasser den nächsten Hai entdecken, der auf der Suche nach Futter seine Bahnen dreht. Dann lernen wir noch ein nettes amerikanisches Paar kennen, das auch in der Bucht ist. Die haben uns nach West Palm Beach eingeladen, wo wir gerne an einer Mooring festmachen dürfen, wenn wir mal vorbeikommen.

Morgen geht es weiter nach George Town, einem etwas größeren Örtchen, wo die Exumas beginnen. Unsere Wasservorräte neigen sich dem Ende zu.

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