Unser Segeltörn nach George Town ist quasi perfekt. Kaum Welle und guter Wind machen es zu einer sehr angenehmen Fahrt, wenn es doch immer so wäre. Wir ankern neben der vorgelagerten Insel Stocking Island. Hier beginnen die Exumas – quasi DAS Segelrevier schlechthin. Es ist eine langgezogene Inselkette von über 200 km Länge, die aus vielen kleinen Inseln, den sogenannten Cays, besteht. Westlich von den Inseln ist es sehr flach, und die meisten Einrumpfboote mit etwas mehr Tiefgang, wie wir, können dort nur an wenigen Stellen fahren. Auf der östlichen Seite ist es offen zum Atlantik und tiefer. Die Exumas sind vor allem so beliebt, weil sie sich durch den meist östlichen Wind gut rauf- und runtersegeln lassen und weil es viele Riffe, Höhlen und einsame Strände gibt.

Wir setzen über auf Stocking Island und checken die Gegend. Es gibt im südlichen Teil mehrere hübsche Wege, wovon der Art Trail der beeindruckendste ist. Viele begabte Leute haben hier aus angeschwemmtem Müll Kunstwerke gebastelt, die am Weg ausgestellt sind. Die Wege sind gut aufbereitet, und zwischendurch ist immer wieder eine Schaukel.

Wir fahren mit dem Dinghy in den nördlichen Teil der Insel, und landen am Strand der berühmten Bar Chat’N Chil. Dort ist richtig was los, und bei einem Drink lernen wir ein paar nette Amis kennen, die unseren Segeltörn überhaupt nicht nachvollziehen können und wirklich alles darüber wissen wollen. Lustiger Laden hier, mit sehr schickem Strand davor. Direkt im seichten Wasser plantschen ein paar riesige Rochen, die hier anscheinend regelmäßig ihr Futter bekommen.

Am nächsten Tag setzen wir mit dem Dinghy rüber nach George Town, um mal wieder frische Sachen nachzukaufen. Die Preise im Supermarkt ziehen einem echt die Schuhe aus, z.B. kleines Glas Nutella oder etwas besserer Käse, um die 10 USD, Tüte Milch 4 USD usw. Man kann sagen, es ist mehr als doppelt so teuer wie bei uns zu Hause. Da wir kein Wasser mehr in den Tanks haben und es hier keine Tanke zum Anlegen gibt, bestellen wir bei Jamaal Wasser ans Boot. Ist auch nicht billig, aber die Kommunikation klappt gut, und er kommt mit 400 l am Nachmittag vorbei, die wir bequem in den Tank pumpen können. Den Abend verbringen wir mal wieder mit einer deutschen Crew, die neben uns ankert, bei ein paar Bier. Claudi und Uli von der Paloma Grande sind uns per WhatsApp schon länger bekannt, aber wir haben uns noch nie direkt getroffen. Schön, dass es diesmal geklappt hat.

Weiter geht es nach Norden, zur nächsten Insel, nach Black Cay. Auf dem Weg dahin müssen wir aufpassen und ein paar flache Stellen umfahren. Ausgerechnet an einer Stelle, die auf der Karte unkritisch aussah, stimmte es dann überhaupt nicht. Es rumpelte unten, und wir standen plötzlich. Kein Wunder, der Tiefenmesser zeigt auch 0,0 m unter dem Kiel an. Sehr komisches Gefühl übrigens. Mit Rückwärtsgang und einigem Hin- und Herfahren kamen wir wieder frei und haben eine Stelle weiter links ausprobiert. Dort stimmten die Tiefenangaben wieder, und wir erreichten am Nachmittag Black Cay. Wir sind alleine hier und setzen direkt rüber auf die unbewohnte Insel. Dort wurde vor einigen Jahren angefangen, ein Haus auf dem höchsten Punkt zu bauen, und dann halbfertig abgebrochen. Jetzt steht es dort rum, inklusive viel Baumaterial. Der Ausblick und der kleine Strand unten sind wunderschön.

Auf der Nachbarinsel White Bay leben übrigens Schweine. Schon beim Anlanden kommen uns ein paar der Tiere freudig entgegen geschwommen. Wir können erst nicht aussteigen weil wir von den großen und kleinen Schweinchen neugierig belagert werden. Beliebt machen wir uns mit Küchenabfällen die wir mitgebracht haben und in einer Futterecke abladen. Das sind lustigen Gesellen die hier zusammen mit ein paar Hühnern leben. Immerzu laufen sie um uns herum und checken vor allem das Dinghy. Irgendjemand scheint sich aber um die Tiere zu kümmern, da es große Tränkekanister gibt die regelmäßig mit Wasser gefüllt werden. Die Tiere sehen alle gut genährt aus und haben hinter dem Strand einen kleinen Wald in dem sie sich sehr gut in den Schatten zurückziehen können. Man kann das natürlich auch anders finden, auf einer verlassenen Insel Hausschweine auszusetzen die dort eigentlich nicht hingehören. Aber die Schweine hier sind glücklicher als jedes Schwein was in Deutschland leben muss.

Morgen geht es schon weiter…

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