
Die Eleutheras hoch
Nachdem wir vom wackeligen Paw Paw Strand geflüchtet sind, steuern wir eine Ankerbucht an, die vollkommen geschützt liegt und nur durch einen schmalen Kanal erreicht wird. Wir sind weniger als eine Stunde vor unserem Ziel, als ziemlich dunkle Wolken hinter uns auftauchen. Gewitter war eigentlich erst für den Abend vorhergesagt, aber anscheinend wurde es vorgezogen. Wird Zeit die Segel runterzunehmen und Vollgas zu geben. Die Blitze sind inzwischen fast bei uns, und der Donner wird immer lauter. So nah hatten wir ein Gewitter noch nicht auf unserer Reise, und es ist ein verdammt unangenehmes Gefühl, mit dem Mast eine Zielscheibe zu bieten. Aber alles ist gut gegangen. Der erste Regen seit drei Wochen wird direkt ausgenutzt, und das gesamte Boot wird geschrubbt. Der Ort, wo wir landen, heißt Alice Town, und man kann sagen, der schöne Name ist nicht Programm. Der Ort ist eine einzige Müllkippe, und überall stehen kaputte Autos rum, für die sich niemand mehr zuständig fühlt. Dazu kommen die abbruchreifen Häuser. Es ist nicht zu verstehen, wieso die Leute sich so dermaßen zumüllen. Ansonsten gibt es hier nämlich wirklich Potential. Die Bucht ist sehr schön und ruhig, alles ist grün, und zwischen dem ganzen Chaos gibt es einige nette Anwesen und auch ein paar hübsche Bars. Hervorheben muss man allerdings, dass auch hier alle Leute total nett sind und man ständig gegrüßt wird.
Wir lernen eine interessante israelische Familie kennen, die zwei Jungs hat, die an Bord geboren sind. Der Vater arbeitet von Bord aus, und die Mutter gibt den Jungs Unterricht. Bald wird das Boot aber zu eng, und sie möchten sich etwas Größeres kaufen. Zurzeit möchten sie nicht nach Hause zurückkehren, da die Zustände in ihrem Land momentan nicht so günstig sind. Wir entdecken außerhalb des Ortes einen ziemlich guten Waschsalon und beschließen spontan, noch einen Tag länger zu bleiben und einen Waschtag einzulegen.








Wir motoren ein paar Meilen die Küste rauf und landen vor dem nächsten Traumstrand, dem Gaulding Beach. Es wird mal wieder Zeit für ein Bad und etwas Sightseeing. Wir laufen ein paar Kilometer die Straße rauf und kommen zu Queen’s Bath, einer wilden Ansammlung von natürlichen Becken in unterschiedlichen Farben, die je nach Tide und Welle vom Meer geflutet werden. Eine große Höhle ist direkt daneben. Weiter geht es zur Glass Window Bridge (keine Ahnung, wo der Name herkommt). Diese verbindet auf den Eleutheras zwei Inseln, und man sieht auf der einen Seite den blauen Atlantik und auf der anderen Seite die türkise Karibik (siehe Titelbild). Danach hängen wir noch etwas am Strand ab, schnorcheln an den Felsen und erfreuen uns an bunten Korallen und Fischen.





Der nächste Halt ist die Insel Spanish Wells. Wir müssen, um dorthin zu kommen, wieder durch einen sogenannten Cut, in dem 4-5 kn Strömung sein können. Und da wir bis dorthin schneller waren als geplant, müssen wir noch eine Stunde rumdümpeln und auf das Hochwasser warten. Dann kehrt der Strom um, und wir können leichter durchfahren. Der Bereich vor Spanish Wells ist ganz schön flach, und wir müssen mit ein paar anderen Segelbooten über einen Kilometer außerhalb der Stadt ankern, um nicht aufzulaufen. Der Ort ist das komplette Gegenteil von Alice Town. Das liegt vermutlich an den vielen Amerikanern, die hier leben und entsprechend Geld mitbringen. Es gibt einen langgezogenen Hafen und viele teure Yachten und Speedboote. Die Stadt ist geflutet von den kleinen Golfcarts, mit denen die meisten Leute hier unterwegs sind. Also machen wir das doch auch und mieten so ein Teil für einen Tag. Das macht echt Spaß, wir fahren die Insel rauf und runter und können über eine Brücke auch auf die Nachbarinsel Russell Island rüberfahren. Es gibt viele nette kleine Örtchen, wo es sich lohnt anzuhalten und etwas herumzuschlendern. Am Nachmittag besorgen wir noch 60 Liter Trinkwasser und machen einen Einkauf in dem bis dahin mit Abstand besten Supermarkt der Bahamas. Mit dem Golfcart können wir das alles wunderbar zu unserem Beiboot bringen.








Donnerstag werden wir zur letzten Inselgruppe der Bahamas rauffahren, nach Abaco. Und da ab Juni offiziell die Hurrikansaison beginnt, müssen wir uns langsam ranhalten, aus dem Gebiet herauszukommen. Wir werden schauen, das nächste Wetterfenster möglichst weit die Ostküste hoch zu erwischen.