Abaco ist die nördlichste Inselgruppe der Bahamas, und für uns das Sprungbrett in die USA. Wir starten früh morgens von Spanish Welsh, und brauchen für die 50sm über 13h. Das liegt an dem schwachen Wind, der uns dafür sehr gemütlich dort hochbringt. Der Wetterbericht hatte wieder ein ordentliches Gewitter angekündigt. In diesem Fall war es günstig so spät anzukommen weil es sich bis dahin wieder verzogen hat. Mit Einbruch der Dunkelheit kommen wir in Little Harbour einer kleinen Bucht an, wo auch schon 3 andere Boote liegen. Was sofort auffällt sind die Armeen von Mücken die schon beim Ankerwerfen über uns herfallen. Wir sprühen uns noch mit Mückenzeug während des Manövers ein, was aber auch nicht viel gebracht hat. Schnell verziehen wir uns nach drinnen, und hoffen mit den Netzen die Viecher draußen zu halten. Am nächsten Tag wollen wir etwas über die Insel auf einen Hügel zu einem Leuchtturm und den kleinen Ort schlendern. Wir werden von unserem Nachbarn bereits vorgewarnt, vergesst auf keinen Fall das Mückenspray. Und was passiert? Kaum gehen wir in den bewaldeten Bereich fallen die Mücken über uns her, und lachen sich über das Spray kaputt. Ne, so geht das nicht, wir bleiben also mehr am Wasser wo es halbwegs ok ist und schauen uns den Ort an. Ganz nett hier, im Wasser gibt es Stehtische wo auch mal ein kleiner Hai oder eine Wasserschildkröte vorbeikommt. Es gibt eine lustige Kneipe mit alternativem Touch. Die Preise sind auch alternativ, 7USD für ein kleines Bier und 10USD für einen kleinen Wein. Das lassen wir dann mal lieber, und verziehen uns etwas frustriert zurück an Bord. Es gibt noch mal ein heftiges Gewitter aber in der Ankerbucht macht das nicht so viel aus.

Weiter hoch hört unser nächstes Ziel auf den schönen Namen Tahiti Beach. Zum ersten Mal sehen wir auf unserer Reise eine Gruppe Grindwale. Diese sehen auf den ersten Blick Delfinen ähnlich, haben aber eine andere Kopfform und Rückenflosse. Leider begleiten sie uns nur ein kurzes Stück und ziehen dann weiter, trotzdem sind wir entzückt. Ausgesprochen mondän und fest in amerikanischer Hand präsentiert sich Tahiti Beach. Es gibt viele schicke Häuser und überall wird gebaut. Und auch hier liegt nirgendwo Müll rum. Eine längere Dinghifahrt bringt uns in eine Marina von der aus wir einen Sonntagsspaziergang nach Hope Town machen. Auch hier das gleiche Bild. Alles vom Feinsten und neu, aber wohnen würden wir hier nie wollen. Auf Dauer die totale Langeweile. Für einen Nachmittag ist es aber ganz schön. Was man sich wünschen würde, wäre zum Beispiel mal eine nette, belebte Promenade und ein paar Cafés. Aber Cafés laufen hier grundsätzlich nicht gut auf den Bahamas, weil einfach alles viel zu teuer ist.

Der Absprung nach Amerika rückt näher, und für eine letzte Verproviantierung und ein paar Einkäufe fahren wir gemütlich, nur unter Genua nach Marsh Harbour. Dort gibt es ein großes Hafenbecken, wo wir nur bei Hochwasser reinkommen, weil es sehr flach ist. An diesem Ort ist am 1. September 2019 die Welt untergegangen. Der Hurrikan Dorian, einer der stärksten Hurrikane aller Zeiten, ist mit der Stärke fünf hier auf Land getroffen, und hat die Insel dem Erdboden gleich gemacht. Das Ganze ist jetzt sechs Jahre her und man sieht eigentlich nur relativ wenige Gebäude. Und die, die da sind, sind alle neu. Zwischendurch immer wieder auch noch völlig zerstörte Gebäude von damals, die noch nicht abgerissen wurden. Es gibt sehr viele Flächen, die darauf warten, wieder neu bebaut zu werden. Am Hafen gibt es ein Memorial, welches an die vielen Toten von damals erinnert. Aus Sicht des Besuchers hat dieser Ort nichts zu bieten. Daher machen wir noch mal einen großen Einkauf, gehen zum Zoll auschecken und besorgen frische Köder für die Angel.

Die Windvorhersage für die Überfahrt nach Amerika gestaltet sich ausgesprochen kompliziert. Wir hatten bereits geplant, Dienstagmorgen abzulegen und direkt bis nach North Carolina zu fahren, was etwa fünf Tage sind. Leider zieht plötzlich ein ziemlich starkes Stürmchen ab Freitag Abend dort entlang und wir müssen die Route erst mal absagen. Die Strecke sieht auch für die nächsten Tage und auch ab dem Wochenende nicht vielversprechend aus, so dass der Skipper anfängt sich Alternativen auszudenken. Wenn wir jetzt noch eine Woche hierbleiben müssten, würden die ganzen Vorbereitungen wieder von vorne losgehen. Wir müssten neu einkaufen, Wasser besorgen und so weiter. Daher kommt Plan B. Wir fahren erst mal ein ganzes Stück Nord westlich, wo wir in den Golfstrom reinkommen, der uns für einen Tag etwa 3 Knoten zusätzlich schenkt. Von da biegen wir dann links nach Georgia ab, wo wir ankommen sollten, bevor es stürmisch wird am Wochenende. Das Ziel ist Brunswick oder Savannah. Und wenn es ganz toll läuft, Charleston weiter nördlich. Wir waren jetzt drei Monate in der Karibik und haben eigentlich genug weiße Strände gesehen. Wir freuen uns sehr mal wieder etwas größere Städte und mehr Kultur und das Leben drum herum zu erleben. Trotz der ganzen Verwerfungen, die im Moment von dort kommen, freuen wir uns sehr darauf. Wie immer gibt es auf Noforeignland regelmäßig ein Positionsupdate.

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