
Das alte Charleston
Der Wecker klingelt mal wieder um 06.00 Uhr, und wir fahren nach dem Frühstück rüber an den Außenpier der Marina. Dort dürfen wir tatsächlich umsonst Wasser in die Tanks füllen. Wir hatten noch einen Adapter besorgt, mit dem wir die Schläuche an unsere Filter anschließen können, um daraus Trinkwasser zu machen. Danach geht es zügig los, und wir motoren noch 2 Stunden, bis der versprochene Wind einsetzt. Gegen Nachmittag kommt dann erstmal ein Gewitter, welches auch angekündigt war. Dass es allerdings so heftig wird, war nicht angesagt. Obwohl wir es nur gestreift haben, machen wir wieder die übliche Prozedur. Segel runter, Motor an, Autopilot an, und unten in der Heckkabine ausharren. Der Wind geht zwischendurch kurz mal bis auf 62 Knoten hoch, was Windstärke 11 entspricht. Da wir nah an Land sind, entstehen kaum Wellen, sodass es uns nicht so gefährlich vorkommt. Kurz danach ist es auch schon wieder vorbei, und eine Stunde später können wir weitersegeln. Das mit den Gewittern ist echt schwierig; normalerweise würde man es vermeiden, bei so einem Wetter rauszufahren. Da aber für die nächsten Wochen fast täglich Gewitter an der südlichen Ostküste angesagt sind, muss man versuchen, drum herum oder durchzufahren. Manchmal kommen sie, und manchmal auch nicht. Wir entscheiden uns bald nur noch nach Charleston zu fahren, weil es bis nach North Carolina zu viele Windlöcher gibt und wir bis hierher schon fast ein Drittel den Motor anhatten. Pünktlich zum Abend kommen wir nach 34 Stunden in Charleston an und ankern gute 1,5 km von der Stadt weg, direkt neben einem riesigen alten Kriegsschiff. Das liegt hier schon seit den 70er Jahren und ist ein Museum geworden.




Charleston ist eine der ältesten Städte der USA, und wurde 1670 gegründet. In den Jahren wuchs die Stadt zu einer der wichtigsten Hafenstädte der Ostküste. Sie gilt als eine der touristisch interessantesten Städte und besticht vor allem durch den historischen Charme der alten Architektur, eine lebhafte Kneipenszene und viele Museen sowie kulturelle Veranstaltungen. Am bekanntesten ist das French Quarter, durch das die King’s Street läuft. Nachdem wir unser Dinghy in einem Hafen festgemacht haben, starten wir den ersten Spaziergang durch eben jenes French Quarter. Es ist Samstag, und die ganze Stadt ist auf den Beinen. Es gibt in den Parks Open-Air-Galerien, und auf der King’s Street ist eine schicke Boutique neben der anderen. Die Skipperin könnte Tage damit verbringen, alles durchzuschauen. Wir fahren dann aus der Stadt mit dem Bus zu einem relativ großen Marineshop. Wir versuchen noch einmal, die Öl- und Dieselfilter für Auryns jährliche Wartung zu bekommen. Das hat schon in Fernandina Beach nicht geklappt, und auch hier sieht es schlecht aus. Die Leute im Laden sind total nett, aber Ahnung haben sie nicht. Auch mit einer elektronischen Karte für den Plotter und ein paar anderen Kleinigkeiten haben wir kein Glück, sodass wir relativ frustriert wieder von dannen ziehen. Wir finden im French Quarter eine sehr nette Kneipe und gönnen uns dafür ein gutes Abendessen mit hervorragender Musik. Überhaupt ist der Skipper hier sehr glücklich, da überall gute Rockmusik läuft.








Die Dinghyfahrt heute, die 1,5 km rüber in den kleinen Hafen ist echt anstrengend. Wir haben die Strömung und den Wind gegen uns, und kommen mit unserem kleinen Elektro-Außenborder kaum voran. Das fällt soweit auf, dass uns unterwegs ein anderes Boot per Lautsprecher anspricht, ob alles ok mit uns ist. Kein Wunder, ansonsten sind hier nur PS-Protze unterwegs, die nur Vollgas kennen. Am Ende klappt es, und wir kommen wieder an unserem inzwischen gewohnten Anlegeplatz an. Wir marschieren heute die Stadt runter in den Süden, wo das nächste große Highlight wartet: der Stadtteil „The Battery“. Auf dem Weg kommen wir an einer Straße vorbei, wo viele Tafeln über die Sklaverei berichten. Genau dort fanden bis zum amerikanischen Bürgerkrieg in den 1860er Jahren noch Sklavenmärkte und Auktionen statt. Da hatte der Krieg tatsächlich was Gutes, weil er danach beendet wurde. Am Hafen erinnert auch ein großes Denkmal und ein Museum daran. Dahinter, im Viertel The Battery, findet man eine Luxusvilla neben der anderen (von wem wohl gebaut?). Die fettesten Dinger stehen an der südlichen Uferpromenade. Aber auch die Reihen dahinter können sich sehen lassen. Ein Blick beim Makler ins Schaufenster zeigt: Unter 2,5 Mio. geht hier gar nichts.








Am Boot sind wir auch aktiv und widmen uns der ein oder anderen Reparatur. Da wären zum Beispiel der Geschwindigkeitssensor, der nichts mehr anzeigt, weil er sich in dem Wasser zugesetzt hat. Die Windfahne bekommt ihre Pflege und wird komplett mit Silikonfett eingeschmiert. Die Heckleuchte geht nicht mehr, es kommt kein Strom an. Die Kabel davor sehen ziemlich verrottet aus und müssen getauscht werden. Nachdem ein Kabel durchgerissen ist, scheint klar, dass das eine größere Aktion wird, und die Aufgabe wird vertagt.
Morgen gibt es halbwegs guten Wind, wenn auch etwas sehr von hinten, und wir machen uns auf, weiter in den Norden zu kommen. Das Ziel ist Beaufort in North Carolina, das etwa 2 Tage entfernt ist. Wir behalten uns aber vor, wenn es gut läuft, auch noch weiter bis Virginia zu fahren, um das Cape Hatteras herum.