Morgens zieht in Charleston noch mal ein ordentliches Gewitter über uns hinweg, und für den Tag und die Nacht sind noch mindestens drei weitere angesagt. Nach einigem Hin und Her beschließen wir, die Abfahrt auf morgen zu verschieben. Da ist zwar etwas schwächerer Wind, aber es sieht nicht so schlecht aus. Im Endeffekt war die Entscheidung total falsch. Es kam zumindest in Charleston kein einziges der Gewitter, und die Überfahrt danach strotzte nur so vor Motorstunden. Eigentlich sollte am Anfang wenig und am Ende der 2-tägigen Überfahrt mehr Wind sein. Es kam genau umgekehrt, und unter dem Strich haben wir 40 % den Motor angehabt, was echt keinen Spaß macht, wenn man doch segeln möchte. Bei der Einfahrt in die tiefe Bucht von Beaufort haben wir ein Erlebnis der besonderen Art. Es ist 17.00 Uhr, und uns überholt eine fette Motoryacht mit Hochgeschwindigkeit nach der anderen. Wir sind total irritiert. Später lernen wir, dass diese Woche das Hochseeangelevent The Big Rock stattfindet. Der Gewinner mit dem fettesten Fisch (in der Regel ist das ein Marlin) gewinnt mehr als 1 Mio. USD. Die Teilnahmegebühr für sowas ist aber auch sehr happig, und man braucht ein entsprechendes Boot. Ist also eine exklusive Millionärsveranstaltung. Aber der ganze Ort spricht davon. Entsprechend voll ist auch das Ankerfeld am Freitagabend. Es gibt eine lange Bucht vor dem Ort, wo wir erst ganz am Ende einen Platz finden. Und der Anker hält auch erst im 2. Anlauf, sodass es noch einige Zeit dauert, bis das Ankerbierchen endlich getrunken werden darf.

Der Ort Beaufort hört sich an wie ein Pflichtbesuch für Segler. Recherchen zeigen aber, dass es nichts mit der Beaufort-Skala der Windstärken zu tun hat. Diese wurde von einem britischen Admiral entwickelt, und der Ort hier wurde 1709 von einem britischen Duke gegründet. Wie auch immer, es gibt einen kleinen Innenstadtkern, der fast ausschließlich aus alten Holzhäusern besteht, die fast alle eine Schild vor der Tür hängen haben. Darauf stehen das Baudatum und der Erbauer. Die Häuser sind alle in einem Top-Zustand, und es macht Spaß, durch die Straßen zu spazieren und sich alles anzuschauen. Wir bekommen im Visitorscenter einen Stadtplan mit einer Kennzeichnung, welche Häuser sich besonders lohnen. So lernt man das gesamte historische Zentrum kennen. Am Samstag ist ziemlich mieses Wetter, aber trotzdem ist die amerikanische Familie auf der Straße und schlendern durch die Gassen. Wir tun es ihnen gleich, und die Skipperin gönnt sich eine neue Bluse. Wir besuchen noch den Farmersmarkt in der Stadt und decken uns mit frischem Gemüse ein.

Am Sonntag fahren wir auf die andere Seite der Bucht. Dort ist eine unbewohnte Insel mit Wildpferden und vielen Vögeln. Wir landen am Strand an und gehen ein Stündchen einen Rundweg, bis wir wieder am Strand rauskommen. Nett hier, es gibt Wald und viel Marschland, die Pferde sehen wir leider nicht. Am Strand lernen wir zwei nette Familien mit kleinen Kindern kennen, die viel Spaß im Wasser haben. Später besuchen sie uns noch an Bord und bekommen eine Führung. Großes Erstaunen, mit sowas fahrt ihr über den Atlantik?

Da sich am Dienstag ein Wetterfenster für die Weiterfahrt aufgetan hat, gehen wir heute noch einkaufen und Wäsche waschen. Der Skipper hat heute seinen Glückstag, weil ein unscheinbarer Autoersatzteilehändler doch tatsächlich die langgesuchten Volvo-Filter für unseren Motor besorgen kann. Er bestellt sie, und wir können sie am Abend noch abholen. Das Getriebeöl hat er direkt vorrätig, und so können wir es am Nachmittag schon mal wechseln. Der Supermarkt ist auch sehr gut, und mitten zwischen den Gängen lernen wir die reizende Susann kennen. Sie erkennt sofort, dass wir Segler sind, und da sie auch früher gesegelt ist, bietet sie an, uns zum Hafen zu fahren. Es sind immer so kurze, nette Begegnungen, die einem den Tag aufhübschen.

Morgen geht es nach New York oder zumindest in die Richtung. Entscheidend, ob wir bis dahin in 4 Tagen durchkommen, ist die Geschwindigkeit (und natürlich die zweifelhafte Zuverlässigkeit der Windvorhersage). Irgendwann wird der Wind einschlafen, und wenn wir dann noch zu weit weg sind, würden wir einen Tag vorher noch einen Stopp einlegen. Mal sehen, wie es läuft, aber morgen Vormittag soll es losgehen, und wir sind 3-4 Tage auf See. Wie immer gibt es auf Noforeignland die Position alle paar Stunden aktualisiert.

Hinterlasse einen Kommentar