Die Werft hat wirklich schnell gearbeitet und innerhalb von 3 Tagen einen Kostenvoranschlag für die Reparaturen und den Austausch diverser Geräte erstellt. Das wurde an die Versicherung weitergeleitet, und wir sind gespannt, wie schnell wir die Freigabe bekommen und mit den Arbeiten beginnen können. Da wir mit unserer Familie am Samstag in NYC verabredet sind und wie schon erwähnt auf dem Boot nicht mehr wohnen können, machen wir uns zwei Tage früher auf. Wir packen mal wieder die Koffer und fahren mit dem Uber zum Mietwagenverleih. Dort bekommen wir ein Upgrade, einen dicken Jeep Van, so richtig amerikanisch. Ist aber nicht verkehrt, da wir zeitweise zu fünft unterwegs sind und eine Menge Gepäck dabei haben. Unsere erste Station ist Richtung Philadelphia, ein Amish-Dorf, das inzwischen zu einem Museum umgebaut wurde. Dieses liegt im Lancaster County, wo heute noch 44.000 Amish People leben. Auf dem Weg dorthin sehen wir bereits einige Kutschen, mit denen Amish unterwegs sind, und viele Felder, die mit Pferden und alten Geräten bestellt werden. Der Besuch ist wirklich interessant; wir erfahren sehr viel über die Bräuche und Lebensweisen dieser Gemeinschaft. Die Amish People sind vor über 300 Jahren vorwiegend aus Deutschland und der Schweiz nach Amerika übergesiedelt und leben heute im Prinzip immer noch so wie damals, da sie jeglichen Fortschritt und moderne Technik ablehnen. Ebenso sind sie sehr gläubig und lehnen auch Gewalt konsequent ab. Die Sprache, die sie zu Hause sprechen, ist eine Mischung aus Deutsch, Schweizerisch und Dutch. In der Schule lernen sie aber auch Hochdeutsch und natürlich Englisch. Die Familien bekommen im Schnitt 6–8 Kinder, und die müssen sich dann, bis sie 18 Jahre alt sind, entscheiden, ob sie Amish bleiben oder ob sie die Gemeinschaft verlassen wollen. Es sind tatsächlich 12 Prozent, die sich dafür entscheiden zu gehen und ein „normales“ Leben zu führen. Im Dorf sieht man Wohnhäuser, eine Schule, Läden, eine Kirche und die Viehzucht. Wer ihn noch nicht kennt, sollte mal den Film „Der einzige Zeuge“ gucken.

Weiter geht es nach Philadelphia, wo wir ein kleines Apartment für zwei Nächte gemietet haben. Wir hängen in die Stadt hinein über eine Stunde im Stau. Was vor unserem Seglerleben Alltag war, kennen wir gar nicht mehr und brauchen es auch nicht. Das Apartment liegt etwas nördlich vom Zentrum, man ist aber mit dem Bus schnell da. Die Gegend ist allerdings nicht die, wo man nachts noch gerne um die Häuser zieht.

Die erste Station, die wir ansteuern, ist eine idyllische Kopfsteinpflastergasse, die als älteste dauerhaft bewohnte Straße der USA gilt. Sie heißt Elfrety’s Alley und entstand Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Alley ist sehr hübsch, aber recht kurz. Für Europäer eher nichts wirklich Besonderes. Danach geht es nur ein kurzes Stück rüber zur altehrwürdigen Independence Hall, und wir tauchen tief in die Geschichte der USA ein. Dort wurde Ende des 18. Jahrhunderts die Unabhängigkeitserklärung und einige Jahre später auch die amerikanische Verfassung unterzeichnet. Es gibt kostenlose Führungen, und man kann 2 Säle mit originaler Ausstattung anschauen. Philadelphia war zu dem Zeitpunkt auch die Hauptstadt; Washington wurde erst später gegründet.

Philadelphia gilt als eine der Hauptstädte der Murals in der Welt. Das sind Wandmalereien, die sich in der gesamten Stadt an Häuserwänden befinden. Ausgestattet mit einer einfachen Muralmap vom Besucherzentrum machen wir einen mehrere Kilometer langen Muralwalk durch die Stadt und klappern jede Menge der Wandmalereien ab. Das hat den weiteren Vorteil, dass wir dadurch weite Teile der Innenstadt sehen. Wir sind von vielen der Wandgemälde begeistert.

Für die viel zu kurze Zeit, die wir in der Stadt haben, fehlt nun nur noch eine Sehenswürdigkeit, die kein Mann verpassen darf: die Rocky Steps. Im Film Rocky aus den 70ern ist Sylvester Stallone beim Training die Treppen zum Museum of Art hinaufgelaufen. Das führt dazu, dass seit fast 50 Jahren jeden Tag Leute die Treppen nach oben laufen und die Arme in die Höhe strecken. Oben und auch im Park in der Nähe stehen Rocky-Statuen, die von Stallone gestiftet wurden. Der Blick von da oben in die Stadt hinunter ist aber auch wirklich großartig. Wir beschließen den Tag mit müden Beinen und einem Absacker in der untergehenden Sonne am Fluss, herrlich!!

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