
Ab in den Süden
Es wird Zeit, aus dem technischen Werft- und Annapolis-Blog mal wieder einen Reiseblog zu machen. Die Arbeiten wurden am Dienstagmorgen größtenteils abgeschlossen. Da das 3-Farbenlicht im Mast oben noch nicht geht, prüfte der Elektriker, ob er noch mal in den Mast hochklettern soll, um sich das dort anzuschauen. Was noch nicht geht, ist das Navigationslicht vorne und die Anzeige des Wassertanksensors. Das müssen wir dann im Nachgang selber noch erledigen. Im Endeffekt haben wir nach Rücksprache mit der Seniorchefin der Werft entschieden, genug ist genug. Die halten nur immer weiter die Hand auf, selbst wenn sie wegen eigener Fehler noch mal ranmüssen. Also haben wir um 15.00 Uhr nach Bezahlung der letzten Rechnung Leinen los gemacht und sind rüber zur Tanke, um nochmal Diesel und Wasser vollzumachen. Auf dem Weg dorthin hat sich unser neuer Autopilot mehr oder weniger selber noch kalibriert und scheint nun gut zu funktionieren. Wir verlegen uns danach wieder auf unseren bekannten, schwubbeligen Ankerplatz vor der Stadt.
Eigentlich wollten wir in 3-4 Tagesetappen die Chesapeake Bay runter bis Norfolk fahren, aber der Wind entscheidet anders. Es gibt nämlich nur noch bis übermorgen Wind, und danach ist erstmal Flaute. Wir entscheiden am Abend spontan, bis Norfolk in einem Rutsch durchzufahren. Das sind 125 sm und dauert gute 24h. Ein weiterer Aspekt ist die Kälte hier oben. Nachts wird es teilweise minusgrade und wir müssen dringend weg. Wir schlafen schön aus und fahren am späten Vormittag los. Der Wind ist super und wir sind total glücklich, wieder zu segeln, endlich!! Es scheint, wir haben nichts verlernt. Die Elektrik funktioniert einwandfrei bis auf unseren Hydrogenerator. Der wird hinter dem Boot im Wasser hergeschleppt und produziert zusätzlich etwas Strom, um die Batteriespannung hochzuhalten. Nach ein paar Stunden fängt er an zu piepen und produziert nicht mehr. Da muss ich wohl mal den Hersteller anrufen. Die Nachtfahrt ist etwas anstrengend. Zum einen ist es wirklich saukalt, und selbst unten im Salon wird es demjenigen, der Pause hat, unter der dicksten Decke nicht warm. Was uns nachts wachhält, sind die vielen Tanker, die mit uns unterwegs sind und denen wir immer wieder ausweichen müssen. Ansonsten wird halt ein warmer Tee nach dem anderen getrunken. Wir kommen am Nachmittag in einer ruhigen Bucht in Hampton nördlich von Norfolk an, wo der Anker auf 3 Metern fällt. Nach einem ausgiebigem Schlaf von schlappen 10h sind wir voller Tatendrang und fahren direkt noch ein Stück weiter runter bis Norfolk, wo wir gegenüber der Stadt festmachen. Auf dem Weg dorthin fahren wir am größten Marinestützpunkt der US Armee im Lande vorbei. Hier stehen diverse Flugzeugträger und sonstiges Kriegsschiffzeug herum, und in der Luft kreisen Militärhubschrauber und Düsenjets. Hier brauchen wir nicht länger verweilen.






Wir haben eine Entscheidung getroffen. Es musste die Frage beantwortet werden, ob wir von hier aus außen herum um das Cap Hatteras nach North Carolina fahren oder ob wir durch den Inter Coastal Waterway (ICW) durch das Landesinnere tuckern. Außen herum sind es bis Beaufort etwa 220 sm, was 2 Tage Fahrt sind. Durch den ICW sind es 180 sm, aber da man nur im Hellen fahren kann, dauert es 5 Tage, und man kann nur an wenigen Stellen segeln. Das Cap Hatteras gilt als Schiffsfriedhof, hier sind schon vor hunderten von Jahren viele Schiffe in den tückischen Strömungen gekentert. Angeblich sind über 2000 Schiffe hier gesunken. Ums Cap nach Norden sind wir problemlos gekommen, weil wir Südwind hatten, der sich mit dem Golfstrom an der Stelle gut verträgt. In umgekehrter Richtung ist das Problem, dass bei nördlichen oder östlichen Winden unberechenbare Wellen und Strömungen entstehen. Am Besten geht es bei ruhigen nordwestlichen Winden, und die sind in der nächsten Woche zumindest mal für einen Tag stabil nicht in Sicht. Also, Entscheidung gefallen, morgen geht es durch den ICW 5 Tage bis Beaufort.

