Der Intercoastal Waterway (ICW) ist ein mehr oder weniger küstennaher Wasserweg, der die gesamte Ostküste der USA und den Golf von Mexico hochgeht. Insgesamt sind es 4.800km, die größtenteils auch mit Segelbooten befahren werden können, solange sie nicht höher als 19,80m sind. Das ist nämlich die feste Höhe der meisten Brücken. Wenn sie niedriger sind, werden sie in der Regel für die Boote geöffnet. Wir haben 17,30m, sollten also gut durchkommen. Wir starten gemütlich erst am Vormittag, weil es unterwegs eine Brücke geben soll, die tagsüber nur um 13.00 Uhr aufmacht. Und davor ist eine Schleuse, in die man getaktet einfahren kann. Wir verlassen Norfolk und fahren an riesigen Werften vorbei, wo gigantische Flugzeugträger gebaut werden. Die restliche Industrie sieht eher verfallen aus. Schön ist es, als dann langsam die natürlichen Landschaften überhand gewinnen. Auf dem ersten Stück schon die erste Bewährungsprobe, es gibt eine Brücke, wo wir eindeutig nicht durchpassen, und der Skipper ruft über Funk den Brückenwärter an, wann er denn aufmacht. Die Antwort kommt prompt und freundlich, in 10min. Mit uns sind noch ein paar andere Boote da, und wir fahren gemeinsam durch. Das hat ja schon mal geklappt. Wie in Holland auf der Staande Mastroute. Danach die Schleuse und dann die 13.00 Uhr Brücke die um 14.00 Uhr aufgemacht hat. Am Abend finden wir einen Platz, wo auch ein anderes Boot liegt, und ankern einfach daneben, dann ist man nicht so einsam. Das Boot heißt Rogue One, was der Skipperin als Star Wars Fan sehr gut gefällt.

Am 2. Tag haben wir das längste Stück mit fast 50sm vor uns. Entsprechend wird früh aufgestanden, damit wir zum Sonnenaufgang losfahren können. Es ist wirklich sehr abwechslungsreich. Es gibt endlose Landschaften, offene riesige Seen, wo man kaum das Ufer sieht, und manchmal auch enge Wasserstraßen mit totschicken Häusern und viel Wassersport. Hervorsticht der Alligator River Kanal, der über 18sm lang ist. Am Ende kommt noch mal eine Brücke, die nur für uns öffnet. Der Wärter öffnet sie Punktgenau, und wir brauchen nicht mal das Tempo beim Zufahren zu verringern, toller Service. Ein Stück weiter verbringen wir die 2. Nacht und ankern völlig einsam. 

Und so gehen die Tage ins Land. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir zwischendurch auch mal segeln. Einmal schaffen wir 3sm und einmal sogar 4sm. Es hätte von den offenen Gewässern her auch deutlich mehr sein können, aber der Wind war einfach nicht da oder kam von vorne. Wir sind auch 2x auf Grund gelaufen und das mitten im Fahrwasser. War aber kein Problem wir kamen mittels Vollgas selber wieder frei und konnten um die Untiefen herumfahren. Am vorletzten Tag ankern wir vor dem Ort Belhaven. Dort gibt es fußläufig einen Supermarkt, und in unserem Kühlschrank herrscht langsam Ebbe. Außerdem haben wir seit Tagen das Boot nicht mehr verlassen und müssen uns mal die Beine vertreten. Der Ort selber ist klein und wirkt etwas vergessen in der Zeit. Aber die Leute sind freundlich. Auch wenn es noch 2 Tage hin sind, wird uns überall ein Happy Thanksgiving gewünscht. Mit vollem Kühlschrank fahren wir frohen Mutes weiter.

Der letzte Tag ist dann noch mal, gelinde gesagt, ziemlich nervig. Wir haben die meiste Zeit den Wind von vorne, und dann steht im Kanal auch noch die Strömung gegen uns. Da hat sich der Skipper ordentlich verrechnet, und wir schaffen es bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 4 Knoten nicht mehr im Hellen in Beaufort anzukommen. Wir kennen den Hafen von der Hinfahrt bereits, aber im Dunkeln sieht es doch ganz anders aus. Die Skipperin steht vorne am Bug mit dem dicken Strahler und kontrolliert, dass nichts im Weg ist. Der Skipper schaut eigentlich nur auf die elektronischen (sehr guten) Seekarten und versucht, den Kurs nicht zu verlieren. Erschwerend hinzu kommt die Enge und die vielen anderen Boote, die schon vor Anker liegen. Dort noch hindurchzufahren trauen wir uns nicht, und so ankern wir direkt vorne als erstes Boot am Eingang der Bucht.

So, fertig, wir sind jetzt doch froh, angekommen zu sein. Wir müssen in Beaufort dringend mal Wäsche waschen und werden dann in 1-2 Tagen weiter Richtung Südwesten die Küste runtersegeln. Mal schauen, wie weit wir kommen. Auf jeden Fall sind wir wieder im Reisemodus angekommen.

Hinterlasse einen Kommentar