
Es wird wärmer oder auch nicht
„Happy Thanksgiving“ kommt es uns von jedem, den wir auf der Straße in Beaufort treffen, freundlich entgegen. Ehrlich gesagt war uns die große Bedeutung dieses Feiertages in den USA nicht wirklich bewusst. Es fängt morgens um 7.30 Uhr mit einer merkwürdigen Veranstaltung in der Nähe des Hafens an. Es fing an mit der Nationalhymne. Und dann machte eine Moderatorin Stimmung, vornehmlich jugendliche Kehlen brüllen dazu irgendetwas, was wir nicht verstehen, und es läuft ganz anständige Rockmusik. Was genau los ist, finden wir nicht heraus, aber eine Stunde später ist es wieder vorbei und der Ort ist völlig ruhig. Wir wollten eigentlich Wäsche waschen, aber es hat ausnahmslos alles geschlossen heute. So machen wir ein paar schöne Spaziergänge durch den Ort und über die gegenüberliegende Pferdeinsel. Dort gibt es Wildpferde, die wir schon bei unserem letztem Besuch hier nicht gesehen haben.



Am nächsten Tag klappt es dann mit dem Waschen und auch mit ein paar anderen Besorgungen. Wir lernen im Waschsalon Monika und Thomas von der Segelyacht Pfadfinder kennen, eine sehr nette Begegnung. Kurz nach dem Mittag kommen sie noch auf einen Kaffee an Bord vorbei. Damit werden sich unsere Wege aber auch schon wieder trennen, da wir in unterschiedliche Richtungen weiterfahren.
Und nun geht es auch schon mit unserem nächsten Törn weiter. Wir wollen Richtung Savannah in Georgia, und dafür gibt es ab heute ein ganz passables Wetterfenster die Küste hinunter Richtung Südwesten. Wir werden nicht ganz bis dorthin kommen, weil der Wind übermorgen wieder einschläft. Aber 40h sollten gut gehen und wir schauen, dass wir soweit wie möglich kommen. Damit wir nicht wieder in der Nacht ankommen, fahren wir am Nachmittag los und haben so zwei Nächte und einen Tag vor uns. Bis Charleston, was das Minimalziel ist, sind es gute 200sm.
Der Wind kommt anfangs schön von der Seite, und wir machen gute Fahrt. Die erste Nacht wird lausig kalt, und der oder die Wachhabende friert sich trotz dickster Klamotten ganz schön einen ab. Die Skipperin fragt, sollte das nicht die Barfußroute sein die wir fahren. Er versucht sich rauszureden, dass es letzte Woche hier noch viel wärmer war und wir schließlich auf dem Weg nach Florida sind. Der Wind dreht dann im Laufe des Törns immer achterlicher (von hinten), und am Ende holen wir die Genua rein und stellen das Großsegel komplett raus. Das beschert uns dann immer noch einen Schnitt von fast 6kn Geschwindigkeit. Da wir so flott sind, lassen wir Charleston liegen und fahren noch ein Stück weiter. Am Ende schläft der Wind dann locker 2-3 Stunden früher ein als gedacht, und wir müssen die letzten Stunden den Dieselwind aktivieren. Der Anker fällt in einer ruhigen Bucht mit einem schönen Ort daneben, den wir uns eigentlich noch anschauen wollten. Da es dann doch zu spät ist und wir ziemlich müde sind, gehen wir nicht mehr von Bord.



Bekanntermaßen ist unsere Batteriekapazität ziemlich schlecht, und sobald wir einen Tag nicht gute Sonne haben, müssen wir den Motor oder Generator anwerfen, um zu laden. Das soll sich Anfang nächsten Jahres ändern, wenn wir in günstigere Gefilde kommen. Den ersten Schritt haben wir mit den neuen Solarpanelen bereits gemacht. Neue Lithiumbatterien sind durch bekannte Versanddienste einfach zu bekommen. Durch intensive Recherchen haben wir nun passende Batterien ausgesucht und die dazugehörigen Geräte, die man braucht, um diese an Bord zu betreiben. Das wird unsere Stromkapazität ungefähr verfünffachen. Da wir in Savannah die Möglichkeit haben, am Steg zu liegen, und es in der Nähe einen UPS Shop gibt, der Ware annimmt, bestellen wir kurzerhand den ganzen Kram. Hoffentlich stimmen die Lieferzeiten, sonst sind wir dort noch eine Weile gefangen. Am nächsten Morgen ist der Wind wieder günstig, und es geht mit Sonnenaufgang um 07.00 weiter. Vor uns liegen 50sm, die uns in eine Bucht in der Nähe von Savannah führen. Direkt in die Stadt fahren wir noch nicht, weil das Wetter saumäßig wird. Der Ankerplatz liegt traumhaft in einem Seitenarm von einem Creek gut geschützt. Es kommt nämlich ein ordentliches Tief durch mit Böen von Windstärke 7 und kräftig Regen. Am Ende wird es doch nicht so schlimm und rumpelt verhältnismäßig wenig. Wir erledigen dafür ein paar nützliche Dinge, wie zum Beispiel eine neue Wasserpumpe einbauen und Brötchen und Kuchen backen. Viel Spaß hat der Skipper noch beim Pokalspiel von Leverkusen in Dortmund, Revanche geglückt. Morgen geht es aber endgültig nach Savannah, einer der schönsten Städte der Ostküste (wobei das schon viele von sich behauptet haben).



