
Florida, zurück zum Blauwassersegeln
Die letzten beiden Tage Dauerregen in Savannah lassen die Vorfreude auf die nächsten beiden längeren Törns in den Süden immer größer werden. Der Tag fing schon mal gut an. Es war nämlich noch ein kleines Paket im UPS Shop, welches für heute Morgen versprochen war. Ich mache mich noch mal auf in die Stadt, und es ist tatsächlich da. Schon erstaunlich, alle Pakete, die wir im Laufe der Woche erwartet haben, sind pünktlich angekommen, manche sogar früher. Wir hatten in den letzten Wochen viel den Motor an und müssen schon wieder tanken. Bei der Gelegenheit werden auch noch mal die Wassertanks gefüllt. Ab dem Mittag hat der River ablaufendes Wasser, und die Strömung schenkt uns ein paar Knoten Geschwindigkeit extra. Der Rest des Tages und auch der Nacht ist echt ungemütlich, weil der Regen einfach nicht aufhört. Südliche Temperaturen wollen sich auch nicht einstellen, und so heißt es halt durchhalten. Vielleicht sollten wir doch mal über eine Kuchenbude nachdenken, die es im Cockpit etwas gemütlicher machen würde. Der Wind kommt und geht und ändert lustig seine Richtung. Die ständigen Manöver halten uns zumindest warm. Wir schaffen es zum Glück am Ende noch mal gut Tempo zu machen und kommen mit einbrechender Dunkelheit in St. Augustine an. Die Einfahrt in die Bucht ist extrem unangenehm, weil Wind gegen Strömung geht und für kurze, sehr hohe Wellen sorgt. Auch die Betonnung in der Einfahrt ist chaotisch, und wir sind froh, als wir drinnen sind und am Anker hängen. Welcome Back Florida.
Am nächsten Morgen wird erstmal der neue Inverter eingebaut. Er hat die Aufgabe, unseren 12V Bordstrom in 220V normalen Strom umzuwandeln. Dieser ist allerdings amerikanischer Bauart und macht nur 110V. Ist aber nicht schlimm, die Geräte kommen damit gut klar. Das sind hauptsächlich Auflader diverser Geräte und Starlink. Danach machen wir uns auf in den Ort und müssen erstmal 15 Dollar für das Abstellen des Beibootes im Hafen abdrücken. Dafür dürfen wir allerdings die Duschen benutzen, was wir am Abend auch ausgiebig machen. Dafür sind wir aber auch mitten in der Stadt und können uns direkt ins Getümmel stürzen. St. Augustine behauptet von sich, die älteste Stadt der USA zu sein. Die Geschichte ist sehr wechselhaft, was man auch an den unterschiedlichen Baustilen in der Stadt erkennen kann. Gegründet wurde sie 1565 von Spaniern. Danach gab es im Laufe der Jahrhunderte mehrere Wechsel der Herrschaft mit England. Am auffälligsten sind die Bauten von einem gewissen Henry Flagler aus dem späten 19. Jahrhundert. Zu seinen prächtigen Gebäuden gehören einige Schulen und städtische Gebäude. Wir schlendern die St. George Street rauf, in der viele Läden, Restaurants und kaufkräftige Touristen sind. Wir bleiben extra bis zum Abend, weil die weihnachtliche Beleuchtung sehr berühmt ist. Dagegen ist das, was wir bei uns zu Hause haben, ein bisschen Kerzenlicht. Wirklich schön dieser Ort, aber eigentlich reicht auch ein Tag aus. Und da nur noch morgen der Wind für die Weiterfahrt passt, wird uns die Entscheidung abgenommen, ob wir noch länger bleiben wollen.








Wieder müssen wir die Abfahrtszeit mit der ablaufenden Strömung, aber auch der Ankunft am Ziel bei Tag anpassen. Das nächste Ziel ist Palm Beach, was über 200sm entfernt ist und mindestens 40h Fahrzeit bedeutet. Wir machen uns mittags auf und haben die ersten 30h perfekten Wind und rasen nur so die Küste runter. Am Morgen kommen wir an Cape Canaveral vorbei, und man kann gut die vielen Abschussrampen der unterschiedlichen Unternehmen und der NASA erkennen. Am Nachmittag soll eine Rakete von Space X mit Starlink Satelliten hochgehen, und wir überlegen kurz, ob wir nicht stoppen sollen. Die Einfahrt nach Cape Canaveral ist allerdings mit Schleuse, und weil wir heute etwas träge sind, lassen wir es sein. Am Nachmittag sehen wir dann die Rakete aus der Entfernung in den Himmel steigen. Selbst aus der Entfernung immer noch beeindruckend.
Der Rest der Überfahrt ist schnell erzählt, der Wind schläft früher ein als erwartet, am Abend muss wieder das stählerne Segel ran und wir tuckern den Rest bis Palm Beach, wo wir am Vormittag ankommen. Das Wasser wechselt während der Überfahrt langsam von braun zu blau. Wir ankern auf 3m in der Lake Worth Lagoon, die zwischen Palm Beach und West Palm Beach liegt. Zu unserer großen Freude sind Carla und Volker von der Momo auch noch da, und wir springen schnell auf einen Kaffee rüber.




Spontan erleben wir noch ein kleines touristisches Highlight und fahren zusammen zu einer kleinen Bucht, wo von der Industrie warmes Wasser eingeleitet wird. Das lockt Manatees an, eine Art der Seekühe. Daneben ist noch ein kleines Informationszentrum über die Tiere, und wir haben Glück. Es sind einige Manatees da, die gemächlich miteinander spielen und schmusen. Am Mittag verabschieden wir uns mal wieder voneinander, die beiden ziehen heute weiter.




Wir werden erstmal einige Tage hier bleiben und starten mit dem nächsten touristischen Highlight. Wir fahren mit dem Dinghy zu Peanut Island, die am nördlichen Eingang des Lake Worth liegt. Es gibt einen schönen Weg, der 2km um die Insel herumführt. Zwischendurch gibt es Mangroven, kleine Buchten und Strände. In den Bäumen und auf der Straße tummeln sich unterschiedliche Echsen. Dafür, dass Wochenende ist, ist es gar nicht so überlaufen. Wir verbringen den ganzen Tag auf der Insel, laufen herum, liegen am Strand und gehen schwimmen. Mal so richtig Urlaub nach dem Stress der letzten Wochen.






Euch allen wünschen wir einen schönen dritten Adventssonntag.