
Runter bis Venedig
Es wird mondän. Wir fahren mit dem Dinghy an einen äußerst komfortablen Steg in West Palm Beach und gehen über die Brücke rüber nach Palm Beach. Diese beiden Orte sind im Prinzip durch den ICW getrennt. Wir laufen etwas an dem Fluss entlang und sind schnell von den Prachtbauten geplättet, die sich hier an palmengesäumten Alleen aneinanderreihen. Dann erreichen wir die Worth Avenue, das Schickeria-Zentrum von Palm Beach. Hier befinden sich Prada und Konsorten und ihre kaufkräftige Kundschaft. Rechts und links der Straße gibt es kleine Innenhöfe mit weiteren Läden und Bars. Dazwischen immer wieder etwas durchaus interessante Kunst in Form von Mosaikbildern und kleinen Statuen. Interessant sind die Gespräche, die wir führen. Er ist fasziniert von den Oldtimern, die hier rumstehen, während sie eher von den Schaufenstern angetan ist. Hauptsache, beide haben ihren Spaß. Wir gönnen uns ein Eis und laufen die Straße runter bis zum Palm Beach. Der ist sicherlich prächtig, aber das Drumherum fehlt. Also gehen wir die Straße wieder zurück und landen an einem Park. Dort ist gerade ein Freiluftkonzert von einem Studentenchor, die Weihnachtslieder singen. Wunderschön, genau als wir ankommen, stimmen sie „Stille Nacht Heilige Nacht“ (auf Deutsch!) an. Der Park ist voller Leute und die Kinder toben. Im Park stehen Kunstwerke in allen Ecken und wir verbringen dort noch einige Zeit, bevor wir wieder zurückfahren.








Die Geschichte des nächsten Tages ist schnell erzählt: Es stürmt den ganzen Tag ordentlich, und wir verlassen nicht das Boot. Der Skipper schraubt die Wände der Bugkabine auseinander, um an die Kabel der Navigationslichter zu kommen. Die werden sauber neu verbunden, und anschließend gehen sie auch wieder.
Der Tag darauf gehört dann West Palm Beach. Auch diese Geschichte lässt sich schnell erzählen. Es gibt hier ebenso eine Hauptgeschäftsstraße, die schnell abgeklappert ist. In der Nähe ist noch ein hübsch angelegtes Einkaufszentrum und etwas weiter eine Straße, in der es Antikes an jeder Ecke zu kaufen gibt. Interessanter ist das Abendprogramm. An der Uferpromenade sind Kunstwerke aus Sand gebaut und natürlich Kneipen und Restaurants, aus denen laute Musik schallt.






Und schon geht es weiter die Küste hinunter. Wir haben einen längeren Schlag bis Fort Lauderdale vor, das sind 48sm und etwa 10h Fahrtzeit. Also klingelt der Wecker um 06.00, und um 07.00 ist der Anker oben. Es waren 10-12kn Wind versprochen, die sich dann aber leider eher im doppelt so hohen Bereich bewegten. Aufgrund der stürmischen letzten Tage hatte sich eine unruhige See aufgebaut, und wir bekamen die volle Breitseite (im wahrsten Sinne …). Wir refften locker um die Hälfte der Segelfläche und machten phasenweise immer noch 7kn Geschwindigkeit. Eine Welle nach der anderen besuchte uns im Cockpit, und alles war klatschnass und voller Salz. Gegen Ende wurde es etwas angenehmer. Ne, das brauchen wir nicht öfters.
Wir müssen noch 20min warten, bis sich die Brücke nur für uns öffnet, und fahren hinein in die Kanäle von Fort Lauderdale. Nicht umsonst wird es das Venedig der Ostküste genannt, auch wenn das alles hier etwas neuer ist. Es geht noch ein Stück herum um ein paar der kleineren und größeren Kanäle, bis wir im Lake Sylvia landen. Sehr schick hier, wir sind in einem rundherum geschützten See. Zum Glück haben wir am Ende des Sees noch ein kleines Plätzchen ergattert. Auf dem Titelbild ist der Ankerplatz by Night. Wir verbringen einige Tage hier, die wir mit Bootsarbeiten, Einkaufen und Sightseeing verbringen.
Der Ort Fort Lauderdale ist, wie so vieles hier unten in Florida, ziemlich aufgemotzt, aber eines unterscheidet ihn vom Rest. Es sind unglaublich viele Kanäle und Lagunen, in denen sich ohne Übertreibung hunderte von fettesten Luxusyachten aller Art an den Stegen tummeln. Sowas haben wir auf der gesamten Reise noch nicht mal ansatzweise gesehen. Die zentrale Straße ist der Las Olas Boulevard, der sich in die Stadt hineinzieht. Es gibt, wie so oft, wirklich spektakuläre Galerien und die üblichen Läden und Restaurants. Am Ende kommt man am New River heraus, der sich durch die Stadt schlängelt. Selbst hier, wo es wirklich eng auf dem Wasser ist, sind mindestens 60 m lange Superyachten unterwegs, die es sich nicht verkneifen können, mitten in die Stadt zu fahren und zu zeigen, wie toll sie sind. Später fahren wir noch mit dem Bus in ein Einkaufszentrum, wo der Skipper sich ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk gönnt. Das alte iPhone fing an, Zicken zu machen…









Morgen geht es weiter bis Key Biscayne, von dort kann man Miami gut erkunden. Wir hoffen auf etwas angenehmere Bedingungen als beim letzten Törn hierher.