
Kayaking in den Everglades
Man spricht Spanisch. Je weiter wir in Florida nach Süden kommen, desto dominanter wird hier im Alltag die spanische Sprache. Wir beide machen übrigens mit Duolingo ganz gute Fortschritte und können den Gesprächen, die man an allen Ecken und Enden mitbekommt, ein wenig folgen. Im Taco-Restaurant heute klappte es mit dem Bestellen wirklich erst, als wir es auf Spanisch versuchten.
Zurück zur Reise, wir haben Lust, außer Wasser mal wieder intensiver das Landesinnere kennenzulernen, und gönnen uns einen zweitägigen Ausflug in die spannenden Everglades. Wir buchen ein Auto am Flughafen und werden dort am Schalter erstmal klassisch abgezogen. Plötzlich funktioniert angeblich die Kreditkarte nicht, und wir müssen eine andere, normale Karte nehmen. Dafür muss dann aber eine Extraversicherung gebucht werden. Gut, dafür bekommen wir einen anständigen Corolla, und los geht es. Die Everglades sind ein riesiger Nationalpark, der wie überall hier hervorragend organisiert ist. Es gibt entlang der Hauptstraße immer wieder Abzweigungen, von denen dann kleine Wanderungen von wenigen Kilometern abgehen. Wir schaffen es am ersten Tag, fünf Rundwege abzulaufen, und sind begeistert.
Die ersten beiden Wege haben so schöne Namen wie Anhinga und Gumbo Limbo Trail und sind auch direkt die spektakulärsten. Am Anhinga Trial sind ein paar wunderschöne Seen mit faul in der Sonne liegenden Alligatoren und jeder Menge Vögeln. Am Wegesrand ist auch eine kleine Schlange, die laut Google aber harmlos ist. Überhaupt ist jeder Weg, den wir heute ablaufen, anders. An manchen sieht man gar keine Tiere, aber dichten Urwald. An anderen ist eher offenes Marschland, und einige könnten auch bei uns zu Hause sein, es ist Vielfalt pur. Wir fahren runter bis zur Küste in einen kleinen Ort namens Flamingo. Hier gibt es auch Campingplätze und ein paar Unterkunftsmöglichkeiten, die aber leider nicht mehr verfügbar waren. Dafür ist dort noch ein nettes Museum mit Erklärungen zur Entstehung des Nationalparks und den Tieren. Wir reservieren uns ein Kanu für den nächsten Tag und laufen noch etwas die Küste runter.












Die Unterkunftsmöglichkeiten im Park sind außer Campen eher schlecht, und so haben wir uns im Ort Florida City in der Nähe des Parkeingangs ein Zimmer in so einem typisch amerikanischen Hotel genommen. Das Zimmer war noch ganz in Ordnung, aber spätestens beim Frühstück wussten wir, warum es so günstig war. Kalter Kaffee, kalte bröselige Rühreier und labberiger Toast. Ganz zu schweigen vom Rest der Kundschaft, die sich in dem viel zu kleinen Frühstücksraum drängte. Wir lassen uns die gute Stimmung davon nicht verderben und fahren wieder in den Park nach Flamingo, wo das Kajak auf uns wartet. Der Unterschied zum Kanu ist übrigens, dass man beim Kajak ein Doppelpaddel und kein Stechpaddel hat. Wir müssen ohne Ende Papiere zu uns, unserer Gesundheit und den Ausschluss jeglicher Gewährleistung für den Verleiher ausfüllen. Als das erledigt ist und wir noch eine Belehrung zu Verhaltensweisen alleine in der Wildnis bekommen haben, geht es auch schon los. Wir paddeln gemütlich den wunderbaren urwaldmäßigen Fluss hinauf. Der Rand ist gesäumt mit Mangroven, und das einzige, was stört, sind eigentlich nur die anderen Boote. Als wir alle überholt haben und uns etwas absetzen konnten, ist um uns herum die reinste Ruhe, wunderbar. Wir stellen uns allerdings die Frage, warum wir einen langen Vortrag über wildlebende Tiere bekommen haben, wir sehen nämlich kein einziges. Auf der Rückfahrt haben wir noch etwas Zeit und laufen einen Weg mit dem schönen Namen Snake Bight (nicht Bite). Es geht durch dichten Wald, und natürlich sehen wir wieder eine Schlange. Wir finden, das muss reichen, und machen uns früher als geplant auf den Rückweg. Eine Nachfrage mit Foto bei Google sagt auch bei diesem Tier, dass es wohl harmlos für Menschen ist. Aber ausgesehen hat sie nicht so, fanden wir, und die war deutlich über einem Meter lang. Als wir abends wieder zurück an Bord sind, ist es schon dunkel, und wir sind ganz schön kaputt.




An Weiterfahrt ist im Moment nicht zu denken, bis Anfang nächster Woche ist Flaute. Das macht aber nichts, hier gibt es noch viel zu tun und zu entdecken. Erstmal machen wir einen Bordtag und bauen den neuen Aktuator für den Autopiloten ein. Da das Model baugleich ist, sollte das mit ein paar Schrauben und Kabeln eigentlich kein Problem sein. Was die Sache etwas schwierig macht, man kommt hinten in den Verstauräumen, wo das Teil auf dem Quadranten der Steuerung sitzt, nur schlecht dran, wenn man kein schmächtiges Kerlchen ist. Als das Teil dann schweißtreibend ein paar Stunden später eingebaut ist, ist der Skipper glücklich als es funktioniert. Am Abend machen wir mal einen Spaziergang durch die Stadt Key Biscayne, die durch extravagante Beleuchtung besticht.




Wir haben noch einen Tag Zeit, und da bietet es sich doch an, nach Miami auch noch Miami Beach zu besuchen. Wir orientieren uns erstmal Richtung Norden und besuchen den botanischen Garten mit der Holocaust-Gedenkstätte. Diese besteht aus einer riesigen Hand, die nach oben zeigt, mit vielen kleinen Statuen, die das Leid der Juden in der Nazizeit darstellen. Es sind viele Informationstafeln in Marmor aufgestellt mit ziemlich schonungslosen Fotos und Informationen. Die Hausnummer der Gedenkstätte ist übrigens 1933-1945.
Wir machen uns nachdenklich weiter auf Richtung Süden und kommen zur Lincoln Road. Das ist die Einkaufsstraße, in der sich ein Riesenflohmarkt über fast die gesamte Insel von Ost nach West durchzieht. Spannend wird es aber dann Richtung Strand in dem Bezirk South Beach, an dem parallel der Ocean Drive entlangführt. Dieser besteht zu einem großen Teil aus alten Hotels, die in der sogenannten Art-Deko-Architektur vor 100 Jahren gebaut wurden. Diese haben oft runde Ecken, geschwungene Ornamente auf der Fassade und sind in zarten Pastelltönen angestrichen. In den 70er Jahren gab es Aktivisten, die es schafften, die Gebäude zu erhalten und es quasi als eine Kultur in Miami Beach zu etablieren. Der Ocean Drive selber ist mit seinen unendlich vielen Restaurants und dem schönen Lummus Park vor dem langen weißen Strand auch sehr sehenswert. Wir schlendern den ganzen Nachmittag gemütlich umher und kommen irgendwann am South Point heraus, wo ein langer Steg ins Wasser reicht und einen schönen Blick auf die Stadt bietet. Insgesamt sehr nett hier, wir sind froh, dass wir Miami Beach noch besucht haben.








Wir werden uns Anfang der Woche die Keys runter bis Key West aufmachen (130sm bzw. gute 24h Fahrt). Allerdings zieht noch ein Tief durch, und wir sind nicht sicher, ob wir durchfahren oder noch unterwegs einen Zwischenstopp einlegen. Außerdem wäre es schön, wenn wir Silvester nicht unterwegs auf dem Wasser sind. Mal sehen, wie es kommt, auf jeden Fall wünschen wir Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und nicht zu viel Böllerei.
2 Antworten zu “Kayaking in den Everglades”
Was habe ich Ende der 1980er Jahre Sunny Crocket aus der Serie Miami Vice „geliebt“ und Miami, Miami Beach und das Art Deco Viertel bestaunt und die tollen Yachten, wie sie über das glitzernde Wasser rauschten. 🥰🫠
Alles Gute für euch und Fair Winds in 2026!🤗
Vielen Dank ihr beiden, für euch auch abseits der Weltmeere für das nächste Jahr tolle Reisen und Erlebnisse.