
Letzte Ausfahrt Key West
Jetzt waren wir doch über eine Woche in Key Biscayne, und die Reiselustigen scharren mit den Hufen. Wir holen um 07.30 Uhr den Anker hoch und bereiten uns auf einen wilden Ritt die Keys hinunter vor. Angesagt war Windstärke 5 von der Seite und Böen von 6-7. Der Vorteil ist, der Wind kommt von der Landseite, und dadurch ist die entstehende Welle deutlich kleiner, als wenn er vom offenen Meer kommt. Wir hatten noch überlegt, in Key Largo eine Nacht einzulegen, falls es zu heftig werden sollte, aber am Ende war es halb so schlimm. Also entschieden wir am Nachmittag, die Strecke durchzuziehen, und segelten flott die 140sm durch die Nacht bis Key West durch. Der Ankerplatz war für den Nordwind herzlich ungeschützt, und wir wurden gut durchgeschüttelt. Und zwar so sehr, dass wir uns am Ende nicht getraut haben, das Boot zu verlassen und eine bestimmt nette Silvesterparty in der Stadt zu besuchen. Wir wären wahrscheinlich ziemlich nass geworden. Das ist noch nicht oft vorgekommen, dass wir uns ein Event wegen zu viel Wind am Ankerplatz entgehen ließen. Also wird ein nettes Essen vorbereitet, und wir schauen Dinner for one und anschließend ein paar Serien (Tipp: Fargo Staffel 5 ist echt gut). Da wir von der Nachtfahrt ziemlich kaputt waren, haben wir es wahrscheinlich zum ersten Mal seit der Kindheit nicht mehr bis zum Jahreswechsel durchgehalten und sind vorher eingeschlafen.




Am nächsten Morgen hat sich der Wind glücklicherweise etwas beruhigt, und wir wagen es an Land. Die einzige Möglichkeit, dorthin zu kommen, ist in der Marina an einem extra dafür eingerichtetem Steg. Dafür muss man auch pro Tag 15 Dollar abdrücken, ist aber dafür auch mitten in der Stadt. Das Wetter ist wunderbar, und wir haben einen herrlichen Tag, bei dem wir die Stadt erkunden. Wir beginnen am historischen Hafen, wo man an alten Gebäuden aus Holz vorbeikommt, in denen schöne Kneipen und die üblichen Souvenirläden sind. Insgesamt ist es schon sehr touristisch und am Neujahrstag auch voller Leute. Aber angenehm dabei, nicht so übertrieben amerikanisch pompös. Wir schlendern weiter bis ins Zentrum zur Duvall Str. Auch dort ist in den Kneipen richtig was los, und an allen Ecken und Enden gibt es Live Musik. Mal Countrymusik, mal Rock oder manchmal auch etwas Blues. Nicht weit vom Zentrum steht das Haus, in dem Ernest Hemingway in den 30er Jahren gelebt hat und was inzwischen ein Museum ist. Ziemlich schicke Villa mit großem Garten. Den Eintritt schenken wir uns und wandern stattdessen weiter zum Southernmost Point of America. Das ist eine große Boje, vor der eine 100m lange Schlange mit Leuten ist, die sich davor fotografieren lassen wollen. Jede Bar und jeder Laden hier unten im Süden der Stadt nennt seinen Laden übrigens so. Zum Beispiel die Southernmost Icecream, Beerbar und weiß der Geier was sonst noch alles. Wir gehen in den Southernmost Fish and Chips Biergarten und genießen bei angenehmer Live Musik eines jungen Musikers eben jenes Essen und ein Bier. Wir sind wirklich angetan von Key West und finden, dass unsere Amerikatour so ein würdiges Ende findet.








Die beiden darauffolgenden Tage verbringen wir mit Waschen, Bootsarbeiten und letzten Einkäufen. Unser nächstes Ziel heißt Kuba, genauer gesagt Havanna. Dort gibt es westlich der Stadt einen der wenigen Segelhäfen, die Hemingway Marina (wie soll sie auch sonst heißen). Die Strecke ist etwa 90sm lang, und wir sollten gegen Morgen ankommen. Was etwas spannend wird, ist der Golfstrom, den wir queren. Dort haben wir die Hälfte der Strecke eine Strömung, die uns 2-3 kn nach Osten schieben wird. Wir haben länger überlegt, ob wir uns Kuba wirklich antun sollen, weil die Situation im Land, was Versorgung und Politik etc. angeht, sehr grenzwertig ist. Es fehlt den Menschen an vielen wichtigen Dingen im Alltag, Stromausfälle sind an der Tagesordnung. Die Neugierde, das Land kennenzulernen, überwiegt aber, und wir haben von Seglerfreunden, die gerade da waren, eigentlich nur Positives gehört, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Wie die Möglichkeiten sind, im Lande herumzukommen, wird sich zeigen. Wir haben auf jeden Fall die Vorräte ordentlich aufgestockt und auch einige Sachen wie Medikamente oder bestimmte Lebensmittel und Süßigkeiten eingekauft, mit denen man dem ein oder anderen eine Freude machen kann.
Noch ein kurzes Resümee nach über 6 Monaten USA. Die anfänglichen Bedenken, vor allem wegen der politischen Lage, sind relativ schnell verschwunden, und wir haben die Zeit sehr genossen. Wir haben viele nette (und nur wenige nicht so nette) Leute kennengelernt, die uns Ausländern gegenüber hier aufgeschlossen waren und sich interessiert unsere Reiseerfahrungen angehört haben. Es gab uns eigentlich immer das Gefühl, willkommen zu sein. Es ist auch für uns Touristen unübersehbar, dass das Land sehr gespalten ist. Trotzdem kommt es im Alltag, zumindest uns gegenüber, selten vor, dass die Leute über Politik reden wollen. Wir würden es wieder so machen. Ein Nachteil ist, dass die Geldbörse schneller schmal wird als in anderen Gegenden auf der Welt. Die Inflation ist hier in den letzten Jahren schon sehr heftig, und alles ist irre teuer.
Wie geht es denn noch weiter in 2026? Nach Kuba wollen wir Ende Januar durchfahren bis Guatemala in den Rio Dulce. Dort gibt es einige Werften, die einen guten Ruf haben, Arbeiten gut und günstig zu erledigen. Bei uns ist das unter anderem die Entfernung des alten Teakdecks, was immer undichter wird. Und die Lithium-Batterien, die wir schon an Bord haben, müssen eingebaut werden. Danach werden wir ein paar Inseln vor Honduras besuchen und dann mit ein paar Zwischenstopps runter bis Panama fahren, wo wir bis Mitte des Jahres bleiben wollen. Dann versuchen wir noch, bis Kolumbien rüberzukommen. Wo wir das Boot in der Hurrikan-Saison lassen, wissen wir noch nicht. Vielleicht fahren wir auch noch durch den Panamakanal, mal sehen. Das Jahr wird spannend, bleibt uns gewogen.