Die Fahrt runter nach Kuba ist eigentlich schnell erzählt. Die ersten 10h haben wir wunderbaren Wind und kommen gut voran. Danach setzt dann langsam der Golfstrom, von Westen kommend, ein, und da wir leicht schräg Richtung Westen müssen, bremst der uns ganz schön. Viel früher als vorausgesagt, schläft auch der Wind ein, und der Dieselwind übernimmt bis Kuba die restliche Strecke. Am Ende haben wir auf dem Stück mehr verbraucht als auf der gesamten Atlantiküberquerung. Wir fahren bei feinstem Wetter in den Kanal der Marina Hemingway ein, und ein Zollbeamter steht schon am ersten Pier und winkt uns ran. Es folgt die übliche Prozedur mit Ausfüllen von Papieren, Fotos, Reisepasskontrolle und einer Neuerung. Die schicken tatsächlich einen Drogenhund an Bord, der wie ein wilder durch die Gänge saust. Alles klar, nichts gefunden, und eine Stunde später sind wir eingereist, Bienvenidos a Cuba!

Danach geht es rüber in die Marina, wo wir schon erwartet werden. Wir bekommen einen Platz am langen Pier zugewiesen und haben zum ersten Mal seit langem wieder den Luxus, Wasser in Hülle und Fülle nutzen zu können. Alle sind sehr nett und freuen sich natürlich auch über die 5 Dollarscheine, die fleißig verteilt werden. Wir machen erstmal Klarschiff und spritzen das Salz der letzten Wochen runter und schrubben Auryn blitzblank, auch innen übrigens. Mit uns liegen noch drei ausländische Boote aus Dänemark und Schweden hier, aber das war es auch schon. Die Marina hat ihre besten Tage eindeutig hinter sich. Abends schlendern wir noch etwas um den Hafen herum und sind schon einigermaßen entsetzt über die Bauruinen von Hotels und Apartments, die seit Corona ausgestorben sind und keine Chance auf Wiederbelebung haben.

Am nächsten Tag kommt Johnny vorbei. Wir haben seinen Kontakt von Uli und Claudi von der Paloma Grande, die ihn wärmstens empfohlen haben. Wir haben ein Geschenketäschchen zusammengestellt mit ein paar Sachen, die hier schlecht zu bekommen sind (Medikamente, Vitamine etc…), und er bringt Geld zum Tauschen mit. Wenn man unerlaubt privat tauscht, bekommt man einen Kurs 400/1, wenn man offiziell zur Bank geht, bekommt man 25/1, ein absurder Unterschied. Wir haben einen netten Nachmittag mit ihm und seinem Kumpel Santos an Bord und gehen danach noch in ein kleines Viertel in der Nähe zu Fuß. Es heißt Fusterlandia und wurde von einem Künstler gestaltet, der dort wohnt. Es besteht aus unzähligen mit Keramikmosaiken gestalteten Wänden, die sich einige Straßen lang ziehen. Zwischendrin gibt es ein paar hervorragende Galerien, es erinnert sehr an Gaudi aus Barcelona. Es gibt auch ein Museum, das leider schon zu hat. Da müssen wir wohl noch mal wiederkommen. Wir gehen noch in eine Bar mit Dachterrasse, die ebenso großartig mit Mosaiken gestaltet ist. Wir entwickeln für die nächsten Tage einen Plan. Claudi und Uli sind inzwischen an der Südküste angekommen, und wir verabreden uns für Freitag in Trinidad, einer der schönsten Städte Kubas. Johnny hat Zeit und besorgt einen Transport und Unterkunft vor Ort. Dann können wir alle ein paar Tage zusammen Trinidad erkunden gehen, echt stark.

Rastlos geht es am nächsten Tag weiter im Programm, wir fahren nach Havanna oder, wie der Kubaner sagt, La Habana. Wir sind ein wenig aufgeregt, wie die Stadt so sein wird. Von der Marina fährt praktischerweise ein Hop-on-Hop-off-Bus los. Er kommt absolut pünktlich (das erste Vorurteil schon mal widerlegt) und fährt uns über die langen Alleen und diverse Plätze in die Stadt. Was zuerst auffällt, sind die vielen alten, superschönen Oldtimer. Man sieht sie überall, wie sie mehr oder weniger gut restauriert durch die Gegend fahren. Außer uns gibt es keine Fahrgäste, bis später noch zwei Kanadier zusteigen. Das ist schon eines der Probleme in Kuba, es gibt viel zu wenig Touristen für die Kapazitäten, die hier von früher herrschen. Johnny erzählte, als 2016 Obama zu Besuch war, kamen anschließend täglich amerikanische Boote rüber und die gesamte Marina war voll, ebenso wie die Apartments und Hotels. Aber mit dem nächsten Regierungswechsel zu, ihr wisst schon wer, und dann Corona war der kurzzeitige Aufschwung wieder vorbei. In der Stadt steigen wir am Parque Central aus, und dort warten bereits megacoole, restaurierte alte Schlitten wie Cadillacs auf uns, die uns durch die Stadt kutschieren wollen. Superschön, aber wir möchten eigentlich heute nur durch die Altstadt schlendern und alles auf uns wirken lassen. Die meisten Fassaden und Sträßchen sind schon in einem ziemlich schlechten Zustand. Zwischendurch sieht man auch mal ein renoviertes Haus, aber das ist eher die Ausnahme. An vielen Ecken sind Müllsammelplätze mitten auf der Straße. Das ist echt absurd, warum werden nicht wenigstens Mülleimer aufgestellt. Es gibt aber auch die schönen Plätze mit vielen Bars, in denen Livemusik (und das nicht nur für die Touris) läuft und man für einen Dollar einen Cuba Libre bekommt. Die Leute sind, wie in so Städten eigentlich immer, etwas aufdringlich, aber total nett dabei. Jeder, mit dem wir ins Gespräch kommen, und das waren nicht wenige im Laufe des Tages, betont, dass Kuba lieb und nett ist und es keine Kriminalität gibt. Wir fühlen uns sehr wohl und verbummeln den Tag, indem wir die ein oder andere Galerie und Kirche besuchen oder in einer Bar den vielen Bands lauschen. Mit dem Hop-on-Hop-off geht es wieder zurück.

Wir haben noch einen weiteren Tag für Havanna Zeit und nehmen den gleichen Bus wie gestern. Diesmal steigen wir etwas früher aus und gehen in die Callejón de Hamel. Das ist eine Künstlerstraße, in der ziemlich verrückte Kunst, bemalte Wände und kleine Galerien mit Cafés sind. Wir kommen wieder mit diversen Leuten ins Gespräch. Meistens dreht es sich aber dann doch nur darum, uns irgendwas verkaufen zu wollen. Anschließend machen wir uns auf Richtung Fähre und haben ein Erlebnis der besonderen Art. Am langen Boulevard stehen hunderte von Schulkindern in frisch gebügelten Uniformen und scheinen auf etwas zu warten. Wir haben Glück, kurz darauf kommt mit riesigem Lärm und unter tosenden Gebrüll der Kinder El Presidente von Kuba mit einer Wagenkolonne vorbei. Auf Militärlastern stehen Soldaten und schwenken im alten Stil rote Fahnen der Kommunistischen Partei. Was für ein Schauspiel, das ist verstaatlichte Kindererziehung. Wir fahren mit der Fähre über die Bucht von Havanna in den östlichen Teil der Stadt. Dort kann man einen Hügel hinaufgehen, auf dem wie in Rio eine große Jesusstatue steht. Direkt dahinter ist eine kleine Villa, in der Che Guevara in den 60er Jahren gelebt hat. Das war in der Zeit, während er nach der Revolution einige politische Ämter unter Castro bekleidete. Die Villa ist inzwischen ein Museum und stellt sein Leben und Wirken anschaulich dar.

Später zurück in der Altstadt treffen wir Johnny und gehen noch etwas essen, bevor uns der Hop-on Hop-off wieder zurückbringt. Morgen müssen wir früh aufstehen; unser Transport nach Trinidad holt uns ab. Wir freuen uns auf die nächsten Tage mit so vielen netten Leuten.

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