Pünktlich kommt am Morgen ein Taxi mit Johnny und seiner Frau Raysa, um uns abzuholen. Die Fahrt ist 330 km lang und führt uns durch die ganze Insel an die Südküste. Wir landen in einer netten kleinen Pension, die Alina und Victor gehört. Die beiden werden uns die nächsten drei Tage als Gastgeber wunderbar betreuen. Es warten bereits Claudi und Uli dort, mit denen wir ein herzliches Wiedersehen mittels ein paar kubanischen Getränken feiern. Der Skipper wird dazu verdonnert, mit den Männern eine Havanna zu rauchen und Cuba Libre zu schlürfen.

Trinidad ist für ihre koloniale Altstadt und kopfsteingepflasterten Straßen bekannt, daher ist sie auch ein UNESCO-Weltkulturerbe und wurde bereits 1514 kurz nach Columbus‘ Ankunft von Spaniern gegründet. Trinidad besteht aus diversen Plätzen und Kirchen und hat noch vergleichsweise viele gut erhaltene Gebäude. Aber auch wie in Havanna merkt man schnell, dass die Touristen fehlen und ein Verfall begonnen hat. Aber trotzdem sind die Leute gut drauf und wir werden überall sehr freundlich willkommen geheißen.

Abends gehen wir ins Städtchen, um etwas zu essen, und anschließend zu einem Casa de Musica, wo draußen eine Bühne neben einem großen Platz aufgebaut wurde. Es gibt Live-Musik vom Allerfeinsten, es wird viel getanzt und gesungen. Das kennen wir gar nicht mehr, mitten in der Nacht durch die Stadt nach Hause zu ziehen und spät ins Bett zu kommen.

Nach einem tollen Frühstück geht es los, die Stadt zu erkunden. Wir laufen einige schöne Plätze ab, treffen immer wieder Musiker, die uns etwas vorspielen, und kommen mit Einheimischen ins Gespräch. Da kaum Touristen da sind, ist es auch manchmal etwas anstrengend, da sich die Taxi- und Kutschenfahrer mangels Kundschaft auf uns konzentrieren. Wir besuchen ein altes Museum, welches ganz im Sinne des Staates Untergrundbewegungen während Castros Revolution und einige Boote zeigt, die während des amerikanischen Angriffs in der Schweinebucht von 1961 im Einsatz waren. Am Nachmittag sind wir dann bei Raysas Eltern im Garten auf einen Kaffee eingeladen. Obwohl wir länger als ein Jahr schon Duolingo in Spanisch machen, komme ich doch immer sehr schnell an meine Grenzen. Etwas sagen oder Fragen geht meist noch, aber die Antworten sind dann je nach Geschwindigkeit oft nicht zu verstehen. Da müssen wir wohl noch etwas üben. Zum Abendessen gönnen wir uns einen alten Chevrolet als Taxi, mit dem wir in ein Restaurant außerhalb fahren, wo es eine großartige Paella gibt.

Am nächsten Tag geht es in das nahegelegene Valle de los Ingenios, ebenso ein Weltkulturerbe. Wir besuchen eine ehemalige Zuckerrohrverarbeitung, die von 1820 an bis Ende des Jahrhunderts in Betrieb war. Ein Führer zeigt uns die Anlage, in der vor allem die Sklaven damals unter unmenschlichen Bedingungen den Zucker produziert haben. Vor allem das Ende der Sklaverei führte dann auch zum Stilllegen dieser Anlage. Vermutlich war bezahlte Arbeit nicht mehr rentabel. Wir trinken hinterher noch einen selbst gepressten Zuckerrohrsaft mit einem Schuss Rum. Weiter tingeln wir durch dieses wunderschöne Tal und finden einen Aussichtspunkt mit Bar. Hier ist am Sonntag sogar einiges los. Gegen Abend geht es zum nächsten Highlight, einem traumhaften Strand im Meer. In der Nähe ist ein sehr schöner kleiner Segelhafen, der richtig gut in Schuss ist. Leider steht auch er mangels Kundschaft kurz vor dem Aus. Es gibt einige Hotels, die sogar noch in Betrieb sind, und Strandbuden mit Strohdächern, wie im Film. Wir bekommen gegrillten Fisch, bis uns die Mücken in der anbrechenden Dunkelheit verjagen. In Trinidad gibt es übrigens eine Eisdiele, wie wir sie nicht mal annähernd in Havanna entdeckt haben. Wir lassen uns von unserem Oldtimer dort absetzen und gönnen uns zum Abschluss dieses Tages ein paar leckere Kugeln.

Nicht zum ersten Mal verabschieden wir uns am nächsten Morgen von Claudi und Uli, wir sind gespannt, wann und wo wir uns wiedersehen. Als wir am Nachmittag wieder an Bord von Auryn sind, herrscht Erleichterung, weil wir uns ein Mitbringsel in Form einer Magenverstimmung eingefangen haben. Das führt dann auch dazu, dass wir die nächsten Tage etwas kürzer treten müssen und keine weiten Ausflüge machen. Johnny, die gute Seele, bringt uns Kräuter aus seinem Garten vorbei, die gut wirken sollen.

Wir hatten eigentlich noch vor, einen anderen Ort zu besuchen, das Tal von Viñales. Das Problem ist, dass der Busverkehr dorthin von täglich auf einmal wöchentlich reduziert wurde, daher funktioniert das nicht für uns. Ein Problem anderer Art ist in Kuba auch das Geld. Es gibt die Pesos, mit denen man üblicherweise in Geschäften bezahlt außer in sehr touristischen Ecken. Dort hätten sie gerne harte Dollares. Kartenzahlung in Geschäften oder Restaurants ist relativ selten, Da diese uns so langsam ausgehen, machen wir mit Johnny einen Versuch, welche aus der Bank zu bekommen, was aber aktuell von der Regierung untersagt wurde. Das liegt daran, dass durch die sich anbahnende Ölkrise (Stichwort Venezuelas Lieferungen nach Kuba sind Geschichte) die Inflation deutlich steigen wird. Die Spritpreise sind gerade dabei sich in wenigen Tagen zu verdoppeln. Und da alle Banken dem Staat gehören, wollen die keine Devisen mehr rausrücken. Dann müssen wir die letzten Tage etwas sparen, aber im Supermarkt in der Nähe und in der Marina kann man mit Karte zahlen.

Windtechnisch sieht es so aus, dass es wahrscheinlich Samstag ein gutes Fenster gibt, mit dem wir in 1,5 Tagen bis ans westliche Ende von Kuba kommen. Dort würden wir nach jetzigem Stand für ein paar Tage warten müssen, bis sich dann das nächste Fenster runter Richtung Belize und Guatemala auftun würde. Wir sind gespannt und werden berichten.

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