Ein paar Gedanken zu Kuba, weil wir so ein Land in so einer Situation noch nie gesehen haben. Es ist vor allem der schon beschriebene Verfall der Infrastruktur. Man sieht auf Straßen oder an Gebäuden kaum mal irgendwelche Baustellen oder Ansätze, in denen diese renoviert oder anderweitig verbessert werden. Auch Neubauten sind sehr rar, und wenn, dann sind das große Hotels an der Promenade, während direkt daneben die älteren Hotels mangels Kundschaft verfallen. Das ist eigentlich schon seit Castros Zeiten der Fall, aber Kuba kommt seit Jahren die Verbündeten abhanden, so dass es eher schwieriger wird. Wie soll das unter der aktuellen Herrschaft der kommunistischen Partei weitergehen? Manche Menschen, mit denen man sich unterhält, glauben oder hoffen, dass dieses Jahr Veränderungen kommen. Es tut einem in der Seele weh, wie so ein schönes Land mit soviel Potential und netten Menschen so vor die Wand gefahren wird. Zwar gibt es seit dem letzten Jahrzehnt Ansätze von Privatisierungen, aber die gehen hauptsächlich an Parteigenossen oder andere vermögende Menschen.

Ein gutes Beispiel ist ein Straßenzug gegenüber der Marina in eigentlich einer Toplage. Dort gibt es hunderte von Apartments aus den 90ern, die seit Corona nicht mehr bewohnt sind und vor sich hingammeln. Mitten drin sind komischerweise ein paar Geschäfte, die teilweise noch in Betrieb sind. Es gibt auch ein Hotel, in dem die Lobby noch ganz gut aussieht und die Lampen leuchten. Gäste sind hier wahrscheinlich nicht mehr. Ein wahrer Lost Place. Wir machen einen Spaziergang die Straße runter und haben die Eindrücke unten in den Bildern zusammengefasst.

Da auf längere Sicht am Samstag das einzige halbwegs vernünftige Wetterfenster Richtung Westen herrscht, bereiten wir uns auf die Abfahrt vor. Zum Abschied kommen Johnny und Rayza vorbei. Da Rayza als „normale“ Kubanerin nicht auf unser Boot darf (ist anscheinend wegen Fluchtgefahr selbst auf einen Kaffee verboten), machen wir ein Picknick auf der Wiese daneben. Johnny ist Angestellter der Marina, da scheint es erlaubt zu sein. Es gibt Nataschas selbstgebackenen Kuchen, Kaffee und kubanischen Rum. Wir wünschen den beiden für die Zukunft alles Gute und verdrücken zum Abschied ein Tränchen.

Unsere Überfahrt an die westliche Spitze Kubas ist 160 sm lang, und wir rechnen mit 32 h Fahrt. Das heißt, wir müssen früh los, um am nächsten Tag im Hellen anzukommen. Der Dockmaster und der Wachhabende für die Nacht kommen persönlich vorbei, um uns beim Ablegen zu helfen. Es kommt bei aktuell drei ausländischen Booten hier ja nicht jeden Tag vor, dass einer ablegt. Danach rüber zu dem schon bekannten Pier der Zollbehörden, die uns in einer halben Stunde abfertigen. Es wird noch das Boot durchsucht, und auch unters Bett geschaut, ob wir auch niemanden außer Landes schmuggeln. Die Fahrt selber ist ruhig, teilweise zu ruhig. Wir müssen die Hälfte der Strecke motoren, und kommen um 16:00 Uhr pünktlich an. Wir fangen auch mal wieder einen Fisch, aber leider ist es ein kleiner Barrakuda, den man hier in der Karibik wegen möglicher Fischvergiftung lieber nicht verzehren sollte. Gut für den Fisch, da wir ihn wieder freilassen. Da es die nächsten 2 Tage etwas heftigeren Wind gibt, verstecken wir uns in einer Flussmündung gut geschützt, kurz vor dem Westkap.

Aus unserer beliebten Serie, was an Bord alles kaputt gehen kann, haben wir ein Déjà-vu. Die Ankerwinsch versagt ihren Dienst komplett, und wir müssen etwas gestresst den Anker mit der Hand runterlassen. Ist auch nicht schwer, nur das Hochholen würde sich Richtung Bandscheibenvorfall entwickeln. Wir haben ja jetzt 2 Tage Zeit, den Fehler zu finden. Im Endeffekt war es nicht schwer. Eine Sicherung am Relais war kaputt, und wir hatten Ersatz an Bord. Der Wind bläst wirklich ordentlich, aber unser Superanker hält. Wir bleiben 3 Nächte ohne ein anderes Boot gesehen zu haben und wollen anschließend direkt runter bis Belize und dann nach Guatemala fahren. Wir sind noch nicht sicher, ob wir in Belize an Land gehen, da der Einklarierungsprozess aufwändig und teuer ist. Und da wir 5 Tage später schon in Guatemala in die Flussmündung des Rio Dulce fahren, müssen wir schauen, ob wir nicht einfach den ein oder anderen Ankerplatz besuchen und schnorcheln gehen. Wir rechnen mit 3 Tagen und Nächten Fahrt und sollten am Samstag, wo auch immer dort ankommen.

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