Aus den 3 Tagen Fahrt sind dann 4 Tage geworden, weil der Skipper auf die glorreiche Idee kam, mal die längerfristigen Wind- und Wetterverhältnisse abzufragen und nicht nur das Wetter für die Fahrt selbst. Normalerweise passiert mir sowas eher selten, dass ich nicht wenigstens die gesamte kommende Woche abfrage. Und die zeigt, dass ab Dienstag über Belize ein anständiges Stürmchen hinweggeht, mit Windspitzen bis 40 kn und fast 4 m Welle. Und da Belize hauptsächlich aus vorgelagerten Atollen mit traumhaften Stränden besteht, ist es dort herzlich ungeschützt. Nun gut, die Pläne der Segler sind ja eh bei Ebbe in den Sand geschrieben, und so fahren wir halt durch bis Guatemala. Belize werden wir sicherlich auf dem Landweg in den nächsten Wochen noch besuchen.

Die Fahrt beginnt wunderbar mit niedriger Welle und schönem halben Wind, mit dem wir um das Kap außen um Kuba herum fahren. Kurz darauf ist es mit der Herrlichkeit auch schon vorbei, und die Welle, die noch vom letzten Starkwind in der Karibik steht, kommt schön seitlich, sodass wir ordentlich durchgeschüttelt werden. Das Wetter ist die ganze Fahrt angenehm, und wir wechseln uns nachts alle 3–4 Stunden ab. Da die Bedingungen nicht ständig wechseln, ist es relativ entspannt. Alle paar Stunden kam uns mal ein Frachter entgegen, aber ansonsten hat man kaum jemanden gesehen. Am 2. Tag müssen wir tagsüber gute 8 Stunden den Motor laufen lassen, weil der Wind fehlt, dafür war der Motor an Tag 3 keine Sekunde an.

Wir kommen morgens in einer Bucht an, die gegenüber von Livingston liegt, dem Ort, an dem wir in den Rio Dulce einfahren möchten. Dort ist ein paar Stunden den Fluss aufwärts die Marina mit Yachtservice, wo wir in den nächsten Wochen unser Boot aufmöbeln lassen. Der Wind ist komplett weg und es ist unerträglich heiß. An Land dürfen wir noch nicht, wir müssen morgen erst die Behörden abklappern und die Genehmigungen bekommen. Das heißt, wir gammeln schweißgebadet den ganzen Tag an Bord und schlafen so vor uns hin. Die vier kurzen Nächte fordern ihren Tribut.

Der Tag fängt erstmal gut an. Die Ankerwinschbatterie ist nicht voll und tut sich schwer, den Anker hochzuholen. Das letzte Stück in die Vorrichtung am Boot hieven müssen wir unterstützend per Hand ziehen, was dem Skipper einen ordentlichen Krampf in der Schulter beschert. Das nächste Problem wartet auch schon. Am Eingang in die Bucht vor Livingston gibt es eine Sandbank, über die wir bei normaler Tide nicht rüberkommen. Am besten geht es bei Vollmond, dann sind die Gezeiten etwas höher. Wir sind, da wir Belize ausgelassen haben, 5 Tage zu früh dran, und daher wird es knapp. Wir müssen noch 2 Stunden bis dorthin fahren, und dann wird es spannend. Wir sind kurz vor Hochwasser vor Ort und wollen das Flachstück in Angriff nehmen. Unter normalen Umständen müssten wir es nach der Tidenvorhersage eigentlich knapp schaffen, aber dass es eng wird, sehen wir schon von Weitem. Dort hängen nämlich zwei ähnlich große entgegenkommende Boote fest und kurz darauf geht es auch bei uns nicht weiter. Der Motor geht auf volle Drehzahl und wir kommen nur noch im Schneckentempo voran. Die beiden anderen Boote haben Hector angefunkt, der für solche Fälle seinen Kipp- und Schleppservice anbietet. Es wird ein Seil vom Mast oben genommen, das mit seinem Boot verbunden wird. Dann fährt er ein Stück zur Seite und kippt dadurch das Segelboot, wodurch der Tiefgang verringert wird. Nach den beiden entgegenkommenden Booten sind wir dran, werden zur Seite gekippt und sind frei. Dann ordentlich Gas geben und wir fahren mit voller Schräglage bis nach Livingston zum Ankerplatz. Ganz schön aufregend, das war alleine schon die 70 Dollar Gebühr wert. Kaum ist der Anker in Livingston gefallen, kommt schon Raul mit der gesamten Zollbehörde angebraust. Wir haben ihn gestern als Agenten engagiert, weil er für schlappe 50 Dollar den gesamten Einklarierungsprozess übernimmt. Das spart einen halben Tag rumlaufen zwischen den Behörden. In einer Stunde sollen wir in sein Büro kommen, wo wir alles abholen können.

Was für ein Stress. Wir lassen das Beiboot zu Wasser, montieren den Motor und fahren rüber an den Dinghysteg. Erstmal zur Bank, wo wir Quetzales, die hiesige Währung, besorgen. Dann zu Raul ins Büro, wo wir alles gestempelt zurückbekommen. Er gibt uns noch einige Tipps für die Fahrt morgen den Rio Dulce hinauf – wirklich sehr nett und total empfehlenswert. Da wir über eine Woche das Boot nicht verlassen hatten, dürstet es uns, die Beine zu vertreten, und wir laufen die Stadt rauf und runter. Ich war schon mal 1992 hier, aber Erinnerungen sind inzwischen verflogen. Das Städtchen ist sehr wuselig, überall die Tuk-Tuks und viele kleine Läden. Alles ist sehr bunt und die Leute machen einen freundlichen Eindruck. Wir gehen erstmal einkaufen, da vor allem die frischen Sachen an Bord seit ein paar Tagen ausgegangen sind. Nachdem wir die Stadt abgelaufen haben, gönnen wir uns noch einen guten Burger und ein Chickencurry auf einer Terrasse mit Hafenblick und einem schönen blauen Segelboot. Morgen geht es weiter den Rio Dulce rauf, leider soll es Dauerregen geben.

Wem es noch nicht aufgefallen ist, Auryn hat die guatemaltekischen Nationalfarben.

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