Aufi geht es zu unserem Ziel, den Rio Dulce hinauf, wir sind froh, den wackeligen Ankerplatz vor Livingston verlassen zu können. Der Rio Dulce ist ein ziemlich kurzer Fluss von etwa 40 km Länge und entspringt in Guatemala dem Lago Izabal. Und genau dort wollen wir auch hin, wir haben einen Termin in der Marina von Captain John gemacht, mit dem angegliederten Yachtservice seines Neffen Erwin. Wunderschön fahren wir den Fluss hinauf, der sich durch den Dschungel schlängelt. Im Vergleich zu den Flüssen in den USA sieht man hier ausgesprochen viele Vögel in den Bäumen. Zwischendrin wird der Fluss zu einem See, bis er wieder schmaler wird. Plötzlich sieht man an den Ufern diverse Marinas und kleine Werften, in denen hunderte von Booten stehen. Das ist hier ein wahres Mekka, in dem vor allem in der Hurrikan-Saison viele Segler ihr Boot stehen und reparieren lassen. Wir hatten uns für Captain John entschieden, weil er damit wirbt, alle Gewerke bedienen zu können. Da es heute ziemlich windig ist und man quasi frei rückwärts anlegen muss, ohne seitliche Unterstützung, werden wir gebeten, noch eine Nacht vor Anker gegenüber zu bleiben. Am nächsten Morgen klappt es, und wir werden von gefühlt 10 Leuten empfangen, die Auryn vertäuen. Hier werden wir die nächsten 6 Wochen bleiben. Captain John ist ein alter US-Amerikaner und hat sich hier vor über 20 Jahren niedergelassen und die Marina aufgemacht. Nach und nach kamen dann die Handwerker hinzu. Interessant ist, dass man den Ort nur per Boot erreicht, eine Straße oder einen Weg gibt es nicht. Die Anlage ist wirklich sehr schön und erstaunlich gut ausgestattet. Es gibt diverse Metall- und Holzverarbeitungsmaschinen, mehrere Werkstätten, die alle am Ufer in den Dschungel hineingebaut sind. Verbunden ist alles durch Holzstege.

2 Stunden später haben wir schon eine Besprechung auf Spanisch und Englisch mit Händen und Füßen und gehen mit den Leuten alle Projekte durch. Die da wären: Das Teakdeck muss runter und der gesamte Untergrund versiegelt und gestrichen werden. Einbau der neuen Lithiumbatterien, die wir seit Savannah mit uns rumschleppen. Der Kühlschrank muss neu gedämmt und die Holzfront darunter erneuert werden. Am Navitisch das Panel und die Fronten von ein paar Instrumenten verschönern. Und dann brauchen wir noch den Schlitten von unserem Spinnakerbaum am Mast repariert, der ist schon seit Puerto Rico kaputt. Und last but not least soll mal der Dieseltank gereinigt werden, unsere Vorfilter sind immer relativ schnell verdreckt. Seit Monaten ist ein Ventil unseres Dinghys kaputt und es muss alle paar Stunden nervig nachgepumpt werden. Dafür gibt es den Dinghy Doctor Hugo, der in Rio Dulce am Fluss eine kleine Werkstatt hat. Wir verabreden uns mit ihm per WhatsApp für den nächsten Tag.

Die Fahrt rüber in den Ort Rio Dulce ist nicht weit und wir legen bei Hugo an. Er verspricht, das Ventil bis zum Nachmittag auszutauschen. Wir können also den ganzen Tag den Ort erkunden. Der erste Eindruck: Durch den Durchgangsverkehr sehr laut und chaotisch, kein Vergleich mit Livingston. Zuerst geht die Skipperin mutig in den nächstbesten Beautysalon und lässt sich die Haare schneiden und färben. Die ganze Aktion dauert fast 3 h und das Ergebnis kann sich sehen lassen, sehr hübsch. Wir finden anschließend ein Lokal, wo es leckere Pizza mit Seeblick gibt. Danach erledigen wir noch ein paar Sachen, wie zum Beispiel erkunden, mit was für Shuttles man durch das Land reisen kann. Wir wollen auf jeden Fall, wenn die Arbeiten einmal angelaufen sind, für 1–2 Wochen durch Guatemala reisen. Glücklich holen wir anschließend das reparierte Dinghy bei Hugo ab. Nur mal so zum Vergleich: seine Kosten lagen bei unter 20% von dem, was sie in den USA dafür verlangt hätten.

Am nächsten Tag gehen die Arbeiten an Bord auch schon los; Hugo und Carlos rücken mit Dämmplatten an, um den Kühlschrank neu zu isolieren. Er wird dann hoffentlich drumherum nicht mehr so feucht werden. Wir lassen die beiden alleine und machen einen Ausflug zum Castello San Felipe, wo man mit dem Dinghy gut hinkommt. Die Anlage ist von 1590 und hat drumherum einen netten Park mit vielen Möglichkeiten, sich am Wasser oder auch auf den Wiesen aufzuhalten. Das Castello ist nicht groß, aber sehr verwinkelt, man schafft es, sich darin zu verlaufen. Wir verbringen einen schönen Tag und sind ganz begeistert, als wir wieder an Bord sind. Der Kühlschrank ist rundherum neu gedämmt, es sieht wirklich gut aus.

Da am Montag der Elektrikumbau beginnen soll, beschließen wir, für einige Tage von Bord zu flüchten. Auryn wird zur Baustelle und Strom ist in der Woche wahrscheinlich auch nicht an Bord. In der Nähe gibt es eine Herberge in einem Seitenarm, die auch nur per Boot erreichbar ist, das Hotel Kangaroo. Dort fahren wir vorab schon mal hin und finden einen wirklich netten Ort. Viel machen kann man hier nicht, aber wir sind ja motorisiert. Wir lernen zwei deutsche Backpackerinnen kennen und machen zusammen eine kleine Fahrt durch die Seitenarme hinter dem Hotel. Alles Dschungel hier, zwischen den Bäumen irritieren immer wieder Wracks von ehemals ziemlich schicken Booten, die am Rand stehen. Am Montag ziehen wir hier für ein paar Tage ein.

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