Wir haben, bevor wir ausziehen, eine ganze Menge an Bord vorzubereiten. Wir stellen unter anderem die Batterien und mitgebrachten Geräte in den Salon, das Schlafzimmer muss ausgeräumt werden, die Halterung der Windfahne wird noch abgeschraubt und alles, was nach Essbarem aussieht, muss verstaut werden. Die Jungs rücken pünktlich am Montag an, und wir machen uns vom Acker. Der Elektriker baut die neuen Batterien ein, die Mechaniker und Schreiner kloppen das Teakdeck runter, und ein anderer Schreiner verschönert uns noch das Holzfurnier unten in der Küche. Für uns geht es in das Hotel Kangaroo, wo wir einen netten kleinen Holzbungalow beziehen. Die Anlage ist wirklich schön, es gibt Sitzecken am Fluss, und wenn die Mücken zu schlimm werden, auch drinnen. Der Plan ist, dass wir so einmal täglich bei Auryn vorbeischauen. Schon am ersten Tag kommen per Whatsapp diverse Rückfragen, und wir müssen am Nachmittag noch mal rüber. Wir sind beeindruckt, die alten Batterien sind schon alle raus und das Teakdeck ist auch schon ein ganzes Stück entfernt worden. Es arbeiten gerade 5 Leute parallel. Das hatten wir auch noch nicht.

Wir machen zwischen den ganzen Bootsthemen heute mal einen schönen Ausflug. Wir nehmen noch Marthe mit, die etwas in der Luft hängt, weil ihre Schwester Mia krank im Bett liegt. Es geht nach Rio Dulce, in die Stadt, von wo man nach einem anfänglichen Spießrutenlauf entlang der unglaublich lauten Hauptstraße in ein kleines Wandergebiet abbiegen kann. So zumindest Google Maps eigentlich sind es ein paar Feldwege, die an den Fluss zu einem schönen Bungalowpark mit Segelhafen führen. Dort kann man es aushalten, und wir gönnen uns einen kleinen Mittagslunch, bevor es wieder zurückgeht.

Als Mia wieder fit ist, machen wir dann noch mal zu viert einen etwas weiteren Ausflug zum Pipelinetrial, auch einen Empfehlung von Google Maps. Dieser entpuppt sich dann aber auch nur als normaler Weg mit einer Pipeline am Rand durch ein schönes Waldgebiet. Die Krönung dort ist allerdings ein Hotel, welches vor langer Zeit von Schweizern eröffnet wurde. Die bieten originales Rindergulasch mit Spätzle an. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen, und es schmeckt hervorragend. Zum Nachtisch dann noch Vanilleeis mit warmer Erdbeersoße und Sahne zum Abrunden des kulinarischen Highlights für die Europäer. Ein echtes Problem hier sind allerdings die Köter. Überall wird man angekläfft und einer beißt Natascha tatsächlich in die Wade. Ist zum Glück nur oberflächlich und die Haut ist noch intakt, sodass sie mit dem Schrecken davon kommt.

An Bord wird weiter gewerkelt, die Elektrik zieht sich wohl doch noch bis nächste Woche hin. Wir entscheiden spontan über das Wochenende schon mal einen Teil unseres Guatemala-Reiseprogramms abzufahren. Es geht nach Lanquin, ziemlich abgelegen in den Bergen und gute 5–6 Autostunden entfernt. Die letzten 1,5 h sind nichts für schwache Mägen, da es eine übelste kaputte Offroadstrecke hoch- und runtergeht. Das ist nichts fürs Fahrwerk des tapferen Busses. Er fährt auch nur die Abkürzung, weil wir die einzigen Fahrgäste sind, sonst wäre wahrscheinlich das Fahrzeug zu schwer. In Lanquin mieten wir uns in eine recht neue Herberge ein, die sehr schön auf der einen Seite an einem Fluss liegt und auf der anderen Seite leider an einer ziemlich lauten und völlig kaputten Straße. Der Ort Lanquin ist wahrscheinlich sehr typisch für Guatemala. Es ist alles recht bunt und laut, überall herrscht reges Treiben. Das erste Highlight in der Gegend sind die Grutas, gigantische Höhlen. Wir laufen ein paar Kilometer und kommen zum nett an einem Fluss gelegenen Eingang. Wir werden gewarnt, es ist sehr rutschig und man muss sich gut festhalten. Wir sind im Moment auch die einzigen und können die Stille total genießen. Es geht wirklich ziemlich rutschig über lehmige Treppen aus Stein durch mehrere Hallen mit dicken Tropfsteinen. Wir schaffen es auch nicht ganz, den beleuchteten Teil hineinzulaufen, weil es einfach zu rutschig und zu steil ist. Macht aber trotzdem riesigen Spaß.

Das andere, noch bekanntere Highlight sind die Semuc Champey, ein Naturschutzgebiet, welches im Tal einen Fluss hat, der durch Pools getrennt ist, in denen man baden kann. Wir lernen in unserer Herberge Rose und Bob aus Kanada kennen, die uns mit ihrem Auto mitnehmen. Das wissen wir außerordentlich zu schätzen, und nicht nur, weil uns dadurch 10 km Fahrt im Tuk Tuk erspart bleiben (siehe Titelbild). Wir verbringen einen schönen Tag gemeinsam und laufen zuerst mal ein paar hundert Meter hoch zu einem Mirador. Von dem hat man einen großartigen Blick auf die Pools. Anschließend geht es dann ein ordentliches Stück runter ins Tal, wo wir uns an die Pools setzen und von den kleinen Fischen die Füße ablecken lassen. Die Pools sind wirklich großartig, leider hatten wir die Badesachen an Bord vergessen. Zwischendurch hören wir einen unglaublich Lärm aus den Bäumen, dort oben sitzt eine Familie von Brüllaffen und bespricht sich. Rose und Bob sind schon seit vielen Jahren immer wieder mehrere Monate auf Reisen, und so können wir uns den ganzen Tag über unsere Lieblingstätigkeit unterhalten.

Am Montag stehen wir früh auf und fahren mit dem Shuttle zurück nach Rio Dulce. Beim Teak werden schon die Klebereste abgeschliffen und die Elektrik ist im Großen und Ganzen installiert. Ein paar Kleinigkeiten müssen aber noch fertig gemacht werden, dafür fehlen noch spezielle Kabel. In den nächsten Tagen wird es noch ein paar Besprechungen mit den Handwerkern geben, und dann machen wir uns auf nach Antigua und den Atitlán-See, die nächsten Ziele in Guatemala.

4 Antworten zu “Offboard”

  1. Huhu, ihr Lieben, es ist so spannend Eure Reise(n) zu verfolgen. 🤩 Ich muss immer wieder an meine Reise nach Mittelamerika 2007 denken. Da war ich auch in Rio dulce, Semuc Champay, Antigua, Lago de Atitlan usw.
    Damals war ich das erste Mal ganz alleine unterwegs und hatte das Gefühl von absoluter Unabhängigkeit und Freiheit. Das war so toll.
    Jetzt stehen andere Dinge an (sehr bald). Auch eine spannende und aufregende Zeit. 🙂
    Wünsche Euch noch viele tolle Erfahrungen und Begegnungen. Passt gut auf Euch auf! Alles Liebe, Lotte

    • Hallo Lotte, toll von dir zu hören. Bei dir ist es bestimmt noch viel spannender als bei uns 😄.
      Ich war ja auch schon mal in den 90 ern hier und finde dass sich die kleine Städtchen garnicht so sehr verändert haben. Wir wünschen dir alles Gute für die nächsten Wochen und wir denken an dich. Viele Grüße auch an deine Familie. Jan und Natascha 😘

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