Eigentlich wollte ich mal wieder einen technikfreien Blogbeitrag schreiben, aber es klappt schon wieder nicht. Alle Tests, die wir mit den Arbeiten der Werft durchgeführt haben, waren ok, bis auf der Letzte. Eigentlich eine einfache Sache: Wir brauchten einen Adapter, weil unser Wasserstandssensor, den wir neu in USA gekauft hatten, nicht auf die Bohrungen des alten oben auf dem Tank passten. Wir ließen also den Tank komplett voll Wasser laufen und wunderten uns schon, warum der Tank nicht voll wird. Irgendwann ging dann der Bilgenalarm los, der sich meldet, wenn Wasser in den Bilgen steht. Hätten wir mal etwas früher hingeschaut, wäre uns die nächste Putzaktion erspart geblieben. Also kamen die Jungs und haben das Teil ausgebaut und die Dichtungen verbessert. Leider nicht genug, auch am nächsten Tag war er noch undicht. Hinzu kam, dass die Reparaturstelle von unserem Dinghy anfing, sich aufzulösen, und das Dinghy noch 2x Mal zum Doctor musste. Die beiden Geschichten haben uns jetzt glatte 3 Tage Zeit gekostet, inklusive eines halbwegs anständigen Windfensters nach Honduras und dem Hochwasser bei Livingston, wo wir vielleicht ohne Hilfe über das Flach gekommen wären. Fast wäre noch ein Stopper dazugekommen, unsere Klopumpe hat versagt. Der Skipper baut noch vor dem Frühstück eine neue ein, die wir zum Glück dabei haben. Da kommt so richtig Freude auf (Details und Fotos wie gut sich so eine Pumpe ausbauen lässt und wie sauber das abläuft, lassen wir mal weg).

Endlich ist alles in Ordnung. Wir haben die Tanks voll und verabschieden uns von Captain John und seinen Kollegen, die einen super Job gemacht haben. Auch von den anderen Bootsbesitzern und den Bewohnern der Bungalows verabschieden wir uns mit einem lachenden und weinenden Auge. Wir haben uns mit den netten Menschen hier absolut wohl gefühlt. Die Fahrt den schlängeligen Rio Dulce zurück bis Livingston dauert 4 Stunden und ist, wie schon die Hinfahrt, absolut großartig. Es geht über große Seen, enge Flüsse mit Schluchten und Urwald. Besonders das letzte Stück vor Livingston mit dichtem Wald und den vielen Vögeln ist toll. Es kommen ab und an Schnellboote mit Touristen an uns vorbei geschossen, die den Trip rauf und runter von Rio Dulce an einem halben Tag machen. Was für ein Privileg, mit seinem eigenen schwimmenden Zuhause hier lang zu fahren.

Der Ankerplatz in Livingston ist wie letztes Mal ziemlich schwurbelig, wir müssen uns erstmal wieder einrollen. Es gibt auch nur zwei Gründe hier zu verweilen. Zum einen müssen wir bei den Behörden auschecken und zum anderen auf die Flut warten, um eine Chance zu haben, bei unserem Tiefgang über die Flachstelle am Eingang aus der Bucht zu kommen. Nachdem es sich am Morgen ausgeregnet hat, fahren wir rüber und klappern die Behörden ab. Beim Ankommen vor 2 Monaten haben wir das über den Agenten Raul abgewickelt, was eine große Hilfe war, da die Behörden auch zum Boot kommen wollten. Zum Auschecken ist das nicht nötig und so sparen wir uns die 50 Dollar und machen es selber. Erst geht es zum Capitano de Puerta, dann zum Zoll, dann zur Immigration, wieder zurück zum Capitano, die unterschriebenen Zettel zurückbringen und zuguterletzt noch mal zum Zoll. Die sind auch nicht alle an einem Ort, sondern in der ganzen Stadt verteilt. Aber alle sind sehr nett und hilfsbereit und erklären uns alles, was wir machen sollen. Hat super geklappt und wir sind in weniger als 2h fertig. Wir geben noch die letzten Quetzales für Gemüse aus und bereiten uns anschließend an Bord auf die Abfahrt vor. Das Hochwasser ist um 15.50 Uhr und wir fahren etwas früher langsam los. Es ist spannend zu sehen, wie der Tiefenanzeiger immer weniger wird und eine ganze Zeitlang um die 0,2 m unterm Kiel herum anzeigt. Wir waren bereits voller Hoffnung, aber 300m vor dem Ende blieben wir dann doch wieder hoffnungslos stecken. Echt ärgerlich, so müssen wir wieder Hector bzw. seine Frau anfunken, die mit Sohnemann schon auf dem Weg ist. Inzwischen kennen wir das ja, und wir werdend bei dem kurzen Stück auch nur wenig gekippt und sind ruck zuck draußen. Kostet halt wieder 70 Dollar der Spaß. Wir fahren noch 2h zum Ankerplatz Tres Puntas, wo wir auch schon auf der Hinfahrt gestoppt haben.

Wir waren nun fast 2 Monate in Guatemala und finden es ein wirklich tolles Land. Sehr nette und gastfreundliche Menschen, interessante Kulturen und trotz der teilweise einfachen Umstände sehr gut zu bereisen. Es gibt im Gegensatz zu Mexiko auch wenig Pauschaltourismus oder große Hotels und dafür hauptsächlich Individualreisende, allen voran Backpackers. Wir würden immer wieder gerne kommen.

Morgen soll es weitergehen, wir fahren zu den Bay Islands. Das ist eine Inselgruppe nördlich von Honduras. Die erste Insel ist Utila, die auf direktem Wege etwa 100 sm entfernt liegt. Der Wind wird sehr wechselhaft sein, aber nicht komplett von vorne kommen. Daher wird es sicher anstrengend, aber machbar mit einiger Motorunterstützung. Wir rechnen grob mit 30 h Fahrzeit.

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