Die Fahrt Richtung Utila begann vielversprechend. Der Wind kam aus Nordost, wie vorhergesagt, und wir konnten die ersten 30sm ganz passabel am Wind segeln. Alle paar Stunden zogen kurze Regenbänder durch, welche die Windstärke locker verdoppelten und zu hektischem Reffen der Segel führte. Der Wind schlief erst einige Stunden später als vorhergesagt ein, was leider nicht viel gebracht hat, da uns ein paar Seegrasteppiche komplett ausbremsten. Der Erste querte uns noch im Hellen, und wir konnten unter Segeln noch einigermaßen durchkommen. Danach kam erwartungsgemäß Flaute, und wir tuckerten in die Nacht hinein. Der Skipper hatte sich gerade aufs Ohr gehauen, als die Skipperin von oben rief, es wäre alles etwas komisch um sie herum. Zum einen sind die plantschenden Umgebungsgeräusche weg, und das Wasser, was aus dem Kühler kommt, ist auch kaum noch zu hören. Und die Geschwindigkeit ist auch weg. Da es stockdunkel war, mussten die Strahler her, und natürlich hingen wir im nächsten Teppich fest. Dieser war allerdings noch mal deutlich größer, wir konnten rundherum kein Ende sehen. Zusätzlich war er komplett voll mit hängengebliebenem Müll, so richtig ekelig. Und nun? Erstmal den Motor ausmachen, weil der Filter für das Kühlwasser verstopft war und kaum noch Wasser durchließ. Nachdem der Filter wieder frei war, fuhren wir vorsichtig mit kleiner Drehzahl weiter, um irgendwie aus diesem furchtbaren Etwas herauszukommen. Ein halbe Stunde später war der Spuk vorbei, aber wir bekamen trotzdem keine Geschwindigkeit mehr. Da hing offensichtlich was in der Schraube. Mit nur noch 2,5 statt 5 Knoten Geschwindigkeit für die nächsten 70sm, das geht nicht. Und Segelwind ist auch erstmal nicht in Sicht. Wir überlegen, eine Notankerbucht in der Nähe anzusteuern, aber selbst dahin würde es noch 4h dauern. Zum Abtauchen und Freischneiden, wie damals in Marokko, ist es zu wellig, das ist auch keine Option. Etwas Besserung bringt mehrmals vorwärts wie auch rückwärts Vollgas zu fahren. Jetzt schaffen wir zumindest an die 4 Knoten. Und so kommen wir dann Nachmittags in Utila in einer gut geschützten angenehmen Bucht an. Ein erster Tauchgang bestätigt, es haben sich alte Seile von Fischernetze um die Antriebswelle verknotet. Aber die machen wir morgen ab, jetzt gibt es auf den Schrecken erstmal ein Ankommensschlückchen.

Am nächsten Morgen geht es rüber, den Hauptort von Utila anzuschauen, und natürlich einklarieren, wir sind schließlich in Honduras. Wir gehen zur Immigration, wo uns eine nette Dame ganz ordentlich die Stempel in den Pass drückt. Um auch unserem Boot einen legalen Status zu geben, müssen wir noch nach nebenan zum Capitano des Hafens. Auch er ist nett, und nach Abgabe einer kleinen Ankergebühr für die Woche bekommen wir eine Zarpe. Das ist eine Genehmigung, mit der wir in ganz Honduras rumfahren dürfen. Die Insel hat ca. 4000 Einwohner und ist zum großen Teil touristisch ausgerichtet. Die meisten kommen wegen des Tauchens hierhin. Das Korallenriff zieht sich hoch bis Belize und ist eines der größten der Welt. Der Ort hat eine schmale, aber vielbefahrene Hauptstraße, wo sich das Leben abspielt. Ein Laden neben dem anderen, Restaurants und ohne Ende Tauchshops. Es ist alles sehr laut und nicht wirklich gemütlich. Wir suchen einen Laden, unsere kleine Tauchflasche aufzufüllen, die es einfacher macht unseren Propeller freizuschneiden. Es klappt aber nicht, der Anschluss der Flasche ist nicht kompatibel. Da müssen wir weiter mit der Hand pumpen.

Wir entdecken weiter oben im Ort einen Garten, der komplett aus Mosaiksteinen besteht. Das hatten wir zuletzt in Kuba noch gesehen. Dieser ist erstaunlich groß, sehr abwechslungsreich und geschmackvoll gestaltet. Es gibt quasi keinen Flecken, der nicht irgendwie verziert ist.

Wir wollen die Beine mal wieder in Schwung bringen und machen uns früh auf die Insel zu Fuß, zu durchqueren. Das Ziel ist der Pumpkin Hill, die höchste Erhebung auf Utila (80 m). Sobald man den Ort verlässt, ändert sich die Szenerie. Es ist ganz ruhig, und man sieht kaum noch Fahrzeuge. Die Landschaft ist sattgrün und sehr vielseitig. Der Weg, der den Hügel hinaufgeht, durch dichtem Wald und etwas rutschigem Boden, ist aber machbar. Auf halber Höhe hat man wunderschöne Ausblicke, aber ganz oben, wegen des Waldes eigentlich nicht mehr. Es gibt noch einen rostigen Turm, wo man hoch könnte, aber das ist uns etwas zu heikel. Der Rückweg geht übrigens flott, ein junger Mann hält mit seinem Quad an und nimmt uns mit zurück in den Ort. Das hat Spaß gemacht.

Zurück an Bord müssen wir die kleine Tauchflasche von Hand aufpumpen, was laut Hersteller 20–30 Minuten dauert. Haha, selten so gelacht. Wir brauchen mit Pausen locker eine Stunde und haben sie auch nur zu 75 % gefüllt. Eigentlich müsste das dann aber noch immer für 5 Minuten unter Wasser reichen. Der Skipper macht sich ans Werk und geht mit Flasche und Messer unter das Boot, die Schraube freischneiden. Es dauert aber keine 2 Minuten, da ist die Pulle bereits leer. Wahrscheinlich war ich zu aufgeregt und habe zu hektisch geatmet. Den Rest bekomme ich dann in ein paar Tauchgängen ohne die Flasche freigeschnitten. Erleichterung macht sich breit. Da die Finger schön durchgeweicht sind, bekomme ich nach 10 Tagen von Schwester Natascha die Fäden von der Quetschung am Finger gezogen. Fühlt sich wieder gut an.

Es gibt noch ein weiteres Problemchen an Bord. Die Sicherung der Ankerwinsch springt während des Hochholens immer raus, was ziemlich nervig ist. Nach diversen Recherchen mit ChatGPT sind die Kontakte des Relais der Winsch die Verdächtigen. Diese sind wirklich ziemlich angerostet, und so bauen wir alles auseinander, reinigen es und bauen es wieder zusammen. Ein paar Tests beim Hochholen unter Last scheinen wirklich eine Verbesserung zu zeigen. So richtig merken wir es aber erst, wenn der Anker die letzten paar Meter macht. Das testen wir dann bei der Abfahrt.

Und zu guter Letzt machen wir natürlich auch Tauchausflüge. Es gibt am Rande unserer Ankerbucht Bojen von den Tauchbooten, an denen man festmachen kann, um zu schnorcheln. Das machen wir ausgiebig und genießen die Unterwasserwelt mit Fischen und leider nicht so vielen Korallen. Vor 20 Jahren sah es hier wahrscheinlich noch schöner aus. Die Unterwasserbilder sind mit dem iPhone in einer wasserdichten Tasche aufgenommen. Eher mittelmäßig – wir brauchen mal eine GoPro.

Morgen geht es weiter zur nächsten Insel der Bay Islands, nach Roatán. Es sind 32 sm, und wir werden erst keinen Wind und später Gegenwind haben. Wir versuchen dann zu kreuzen, um wenigstens etwas zu segeln.

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