Die Fahrt rüber nach Roatan war wie alles, was in diesen Gegenden Richtung Osten geht, ziemlich nervig. Wie geplant ist bei der Abfahrt kein Wind, und wir tuckern gemütlich los. Selbst der Mittags einsetzende Wind kommt pünktlich, wie vorhergesagt. Der Plan war erst ein Stück weiter südlich zu fahren, um dann mit dem Mittagswind in einem schönen Winkel nach Nordosten am Wind zu segeln. Es wäre alles aufgegangen, wenn ich nicht einen kleinen navigatorischen Fehler gemacht hätte. Lasse niemals die Strömung außer acht, heißt es doch in jedem Lehrbuch. In dem Bereich, wo wir die Segel setzen, nahm auch die Gegenströmung zu, und dadurch stimmte der Winkel nicht mehr. Wir kamen also 5sm zu weit links vor Roatan raus und mussten zum Schluss gegen die immer stärker werdende Welle plus stärker werdendem Wind und der Strömung gegenanbolzen. Bootsfahren zum abgewöhnen. Das führte dann dazu, dass wir erst um 19.00 Uhr in der Bucht ankamen, und da war es bereits stockdunkel. Sehr ungemütlich, der Skipper konzentriert sich nur auf die elektronischen Seekarten und manövriert durch die Riffe. Die Skipperin steht mit dem Strahler vorne am Bug, um unbeleuchtete Boote rechtzeitig zu entdecken. Alles gut gegangen, der Anker sitzt, und wir können erst einmal durchatmen. Am nächsten Morgen im Hellen draußen erst mal die Szenerie checken, wirklich nett hier. Auf der einen Seite sind zwei kleine Inseln, Little und Big French Cay. Und auf der anderen Seite sind die bewaldeten Hügel von Roatan. Dazwischen liegen wir im hellblauen Wasser. Links von uns sind zwei aneinandergekettete uralte verrostete Segelboote, auf denen offensichtlich noch Leute wohnen. Wir erfahren später, dass dort ein russischer Physiker mit Frau und zwei Kindern das ganze Jahr über lebt. Kennengelernt haben wir ihn leider nicht.

Die Insel Roatan ist die Größte der Bay Islands vor Honduras und hat ca. 30.000 Einwohner. Sie ist vor allem im Westen mit seinen Traumstränden ein beliebtes touristisches Ziel, selbst Kreuzfahrtschiffe kommen hier vorbei. Aber auch hierhin in unsere Bucht werden die Kreuzfahrer gebracht, um sich ein paar Stunden auf den Cays verwöhnen zu lassen. Wir fahren ein kleines Stück um Big French Cay herum und machen an einer Boje fest. Von da können wir wunderbar schnorcheln und sehen jede Menge Fische und auch ein paar riesige Lobster. Diese Tiere sind so schön, wir verstehen nicht, wie Leute sie in kochendes Wasser schmeißen können, um sie zu essen. Anschließend machen wir am Steg von Little French Cay fest und schlendern etwas um die Insel. Die Bars und Shops machen alle um 17.00 Uhr zu, und das führt dazu, dass wir fast alleine auf der kleinen Insel sind. Es gibt nicht nur die Bars, schicken Strände mit aller Art von Wasserspielzeug, sondern auch jede Menge Tiere. Es laufen prächtige Pfaue durch die Gegend, Schweine liegen faul in der Ecke und sogar ein paar Raubtierkäfige sind da, unter anderem ein junger weißer Tiger. Es kommt einem alles etwas surreal vor.

Am nächsten Tag gehen wir uns den Ort French Harbour anschauen. Viel gibt er nicht her, allerdings ist auch Ostersonntag und alles ist zu. Wir finden einen kleinen Lunch in einem Restaurant, was wirklich sehr basic aber auch sehr lecker ist. Das große Plus an diesem Ort ist der Supermarkt ganz in der Nähe vom Dinghy Steg. Sowas werden wir vor Panama mit Sicherheit nicht mehr sehen und planen noch eine große Verproviantierung vor der Abfahrt.

Den Ostermontag nutzen wir dann, um Big French Cay kennenzulernen (was soll man sonst auch groß machen hier). Erstaunlicherweise ist es heute total leer, ist anscheinend Familientag und Kreuzfahrtschiffe sind auch nicht da. Kaum betreten wir die Insel werden wir von schick gekleideten Angestellten in Empfang genommen, die uns die Insel zeigen. Wir sind nicht sicher, ob es Eintritt oder einen Mindestverzehr kostet, aber die sind hier ganz unkompliziert. Wir holen zwei Drinks von der Bar und lümmeln auf ein paar Liegen am kleinen aber feinen Strand herum. Am nächsten Tag lernen wir im Supermarkt (wo auch sonst…) ein sehr nettes Ehepaar aus Serbien kennen, die mit ihrem Schiff auch vor Anker liegen. Natascha kam mit denen schnell ins Gespräch und schon hatten wir eine Einladung für den Abend. Es war sehr interessant, die beiden haben eine Wohnung in Belgrad, eine in der Schweiz und ihr Boot im Rio Dulce liegen. Auch ein interessantes Lebensabendmodell. Immer wenn keine Hurrikan-Saison ist, fahren sie 6 Monate durch die Karibik.

Wegen dem netten Abend haben wir unsere Weiterfahrt auf den nächsten Morgen verschoben. Es geht nur wenige Buchten weiter, von denen wir sogar ein paar Meilen segeln können, und landen in der Jonesville Bight. Eines der Highlights in der Gegend ist ein Mangroventunnel, der parallel zur Küste verläuft und mit dem Dinghy befahren werden kann. Wir machen uns nach dem Mittagssnack auf und finden die Einfahrt in den Tunnel auch recht schnell. Wirklich toll, so eng hatten wir es in den Mangroven noch nie. Wir fuhren durch ein paar Seen durch und danach ging es wieder in einen Tunnel, bis wir in der nächsten Bucht rauskamen. Als wir wieder zurück waren, sind wir noch die Bucht in die nördliche Richtung gefahren, wo es einen Steg gab. Dort können wir uns etwas die Beine vertreten, aber auch nicht wirklich weit. Scheint alles ziemlich privat zu sein. Am nächsten Morgen sind wir in ein paar Buchten in die andere Richtung nach Oakridge gefahren, wo etwas mehr los ist. Den im Reiseführer hochgelobten Ort schauen wir uns zu Fuß an, aber so richtig spannend ist es eigentlich nicht. Ganz nett waren die vielen Wasserwege zwischen den Buchten, die man wegen dem vielen Seegras nicht so entspannt entlangfahren konnte.

Morgen fahren wir früh los, um auf die letzte der Bay Islands zu fahren, nach Guanaja. Es sind gute 30 sm, und da wir zwischendurch aufkreuzen müssen, um auch ein Stück der Strecke segeln zu können, rechnen wir mit guten 8h.

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