Vor uns stand nun die längste Überfahrt bis hierher, und auch die nördlichste. Ein bisschen aufgeregt waren wir zugegebenermaßen schon, weil das Revier ständig wechselnde Windvorhersagen hat, und es daher auch windtechnische Überraschungen geben kann. Die Vorhersage sah vor, dass in der Nacht ein kleines Starkwindband etwas südlicher als unser Kurs durchziehen sollte, und es am zweiten Tag ruhiger wird. Teilweise stimmte das auch, nur dass der Starkwind nicht südlicher kam, sondern wir im Prinzip in der ersten Nacht die ganze Zeit darin herumgerollt sind. War eigentlich nicht so schlimm, da der Wind weiterhin aus der richtigen Richtung kam. Nur die Wellen waren mit geschätzten 5m (gemessen vom Grund bis zur Spitze) auf Dauer sehr hoch, und wir wurden immer wieder auf die Seite geworfen. Das zog sich von Mitternacht bis morgens früh hin, und hat den Skipper einigermaßen zermürbt. Mitten in der Nacht gab es einen plötzlichen Winddreher, wir sind anscheinend in einen Windwirbel hineingeraten. Der Wind fing an zu drehen und wir haben es geschafft hinterher zu steuern und den Winkel zum Wind beizubehalten. Nur das wir eben mehr als 360° gedreht haben und am Ende genau entgegengesetzt des Kurses fuhren. Zum Glück war gerade die Genua eingerollt, und wir konnten relativ schnell wieder den alten Kurs einnehmen. Als es am nächsten Morgen ruhiger wurde, haben wir uns im Rhythmus von mehreren Stunden abgewechselt, und der andere konnte immer ein paar Stunden schlafen. So kamen wir ganz gut durch den Tag und die zweite Nacht. Am nächsten Morgen ist der Wind dann immer weniger geworden, und wir mussten die letzten 8h leider den Motor anmachen. Langsam segeln ging nicht, weil die Welle immer noch sehr hoch war und das Boot und die Segel hin und her geworfen wurden. Irgendwann schälten sich dann bei freundlichem Wetter die ersten grünen Hügel aus dem Nebel heraus, und es überkam uns ein kleines Glücksgefühl, fast geschafft. Bei der Einfahrt in den Sund vor der Hauptstadt Lerwick wurde unsere Anfrage per Funk nach einem Liegeplatz im Hafen umgehend freundlich bestätigt. Als erstes begrüßte uns doch tatsächlich ein Seehund, der im Hafenbecken unser Anlegemanöver neugierig beobachtete. Dank Brexit müssen wir eine gelbe Quarantäneflagge setzen, die erst nach Besuch des Zolls abgenommen werden darf. Wir haben für die 215sm 43h gebraucht, was einen Schnitt von 5kn entspricht.

Nachdem wir das Boot aufgeräumt haben, wurde erstmal Nataschas Geburtstag gefeiert. Sekt stand kalt und wir haben uns auf die Müdigkeit erstmal ein Gläschen hinter die Binde gegossen. Dann ging es in die Altstadt von Lerwick, die direkt hinter dem Hafen beginnt. Nette alte Gassen und ein wenig touristisch, alles etwas aufgebrezelt aber schön. Zwei Kreuzfahrtschiffe lagen außerhalb, und dementsprechend war einiges los. Wir haben ein paar Schauplätze unsere Lieblingsserie „Mord auf Shetland“ entdeckt, wie zum Beispiel die Polizeistation oder das Wohnhaus des Chiefinspectors Jimmy Perez. Wer Krimis mag, die Serie ist sehr empfehlenswert. Am Abend noch lecker Fish & Chips essen gegangen, und anschließend den Schlaf der gerechten von irgendwas um die 10h genossen.

Am nächsten Morgen klopfte es an der Bordwand, und da war endlich der Zoll der unsere Einreise offiziell vollzogen hat. Wir durften die gelbe Flagge runternehmen und haben dafür eine schicke Schottische gesetzt. Nach einem langen Frühstück haben wir unseren Radius etwas erweitert und eine Wanderung um Lerwick herum gemacht. Wir sind die wunderschöne Küste nach Süden heruntergegangen, und waren fasziniert von den Klippen und felsigen aber trotzdem grünen Landschaften. Zwischendurch gibt es immer wieder alte Ruinen und diverse Gemäuer. Die ältesten waren angeblich 2400 Jahre alt. Etwas speziell ist das Wetter hier oben. Es hat ungefähr alle 15min ein leichter Sprühregen eingesetzt, der nach der gleichen Zeit wieder aufgehört hat. Nach 3h waren wir um die Stadt herum und haben spontan für Freitag ein Auto gemietet. Die freundliche Vermieterin hat uns diverse Tipps gegeben, mit deren Hilfe wir die nächsten Tage hier verplanen werden.

4 Antworten zu “The Shetlands”

  1. Hallo, liebe Seebären ,

    wie schön, wieder von euch zu hören..Da habt ihr ja ein tolles und gefährliches Abenteuer hinter euch!! Euch nun eine schöne Zeit in Schottland. Bin gespannt, wie es weitergeht!

    Allerherzlichste Geburtstagsgrüße nachträglich, liebe Natascha!!

    Liebe Grüße von Barbara

  2. Hallo ihr Mutigen. Hab’s endlich mal geschafft euren Block zu lesen. Spannend.
    Weiter alles Gute…..genießt die Zeit…..und Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag..nachträglich.
    Lieben Gruß aus dem kühlen..oft sehr verregneten Wuppertal

    Betty

  3. Alles, alles Liebe 🥰 nachträglich zum Geburtstag liebe Natascha 🎂🥳🥂!

    Und euch beiden weiterhin eine sichere Reise, viel Spaß 🌞🏝️ und Schiff ⛵️ahoi ☺️!

    Liebe Grüße

    Brigitte

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