Im Moment zeigt sich Murphys Law deutlicher an Bord als jemals zuvor auf dieser Reise. Wir möchten wie schon so oft nach einem gemütlichen Frühstück den Anker heben. Dafür wird vorher die Zündung angemacht, der Startknopf gedrückt, und …. NICHTS, der Anlasser gibt keinen Mucks von sich. Oha, wenn das auf See passiert in einer Situation wo man den Motor dringend braucht, dann prost Mahlzeit. Als erstes wird der Strom am Anlasser geprüft, aber dort gibt es keine Auffälligkeiten. Klopfen für den Magnetschalter bringt auch nichts. Zum Glück bin ich in Transocean WhatsApp Gruppen wo man für jede Art von technischen Fragen einen Ansprechpartner findet. Es meldet sich auch direkt einer der zeigt, wie man den Anlasser überbrücken kann. Einfach einen Schraubenzieher auf den Pluspol und die Schraube daneben legen und die Kiste rappelt los. Toll, Mega Erleichterung macht sich breit. Damit ist das Problem zwar nicht behoben aber das Dingen läuft wenigstens. Wir tuckern sofort los und lassen den Motor natürlich die gesamte Reststrecke bis A Coruna laufen. Dort gibt es eine nette Ankerbucht gegenüber der Stadt wo wir das Wochenende verbringen. Wir machen am Sonntag eine tolle Wanderung durch die Küstengegend und runden den Tag mit einem leckeren Eis ab.

Wir haben den Termin in der Werft für die Reparaturen am Montag morgen und müssen nur ein paar Meilen über die Bucht fahren. Erstaunlicherweise springt der Motor sofort an. Die Werft hat einige Stege in einem südlich der Stadt gelegenen Hafen und der Mechaniker kommt schnell, nimmt sich erstmal den Anlasser vor und baut ihn aus. Diagnose: Der sollte ausgetauscht werden und ein neuer wird bestellt. Weiter geht es am Mittwoch wo der neue Anlasser eingebaut wird und der Motor erstmal für eine Stunde läuft bis sich erste Tropfen Getriebeöl in der Bilge zeigen. Nach Rücksprache mit seinem Chef, kann das nicht vor nächster Woche gemacht werden, da das Boot aus dem Wasser muss um das Getriebe auszubauen und auseinanderzunehmen. Und selbst dann kann er keine Versprechungen machen wie lange es dauert, da die Ersatzteilbeschaffung ungewiss ist. Außerdem sind die nicht sicher, ob die das überhaupt hinbekommen, weil es kein Volvo Getriebe ist. Man merkt schnell, Lust haben die darauf nicht. Und es würde uns mindestens noch zwei oder mehr Wochen in A Coruna bescheren mit ungewissem Ausgang. Wir entscheiden uns das erstmal nicht hier zu machen und die Küste runter eine Werkstatt zu suchen, die auf so was spezialisiert sind. Dann lassen wir auch das Lager für die Antriebswelle mitmachen, wenn das Boot aus dem Wasser kommt. Das Bugstrahlruder Problem ist schnell erledigt, die Sicherung war raus…

Da Marlene uns Freitag Abend nach 3 Wochen verlassen wird, haben wir noch einige Tage Zeit A Coruna und Umgebung kennenzulernen. Das Highlight ist zweifellos die Altstadt mit dem riesigem Maria Pita Platz und dem Rathaus. Maria Pita hat 1589 Francis Drake und sein englisches Herr abgewehrt und dafür gesorgt, dass die Spanier unabhängig blieben. Die Altstadt wurde 1208 gegründet und viele der alten Gebäude sind bis heute erhalten. Interessant ist wenn man mal das freizeitverhalten und gesellschaftliche Leben der Spanier im Vergleich zu den nordeuropäischen Ländern vergleicht. Bis zum Abend ist in der Stadt nicht sehr viel los, aber danach strömt anscheinend wirklich jeder, egal ob jung oder alt nach draußen, und verbringt seine Zeit in Cafés oder auf einem der vielen Plätze und Parks. Wir gönnen uns auch einen Abend in einer typischen Tapas Bar draußen in der Altstadt. Warum es so viele gutbesuchte Bars gibt wird einem klar, wenn man die Rechnung sieht. Es ist im Vergleich zu allem anderen was wir bisher erlebt haben unglaublich günstig und trotzdem qualitativ hochwertig.

Wenn wir schon mal in Galizien sind, müssen wir natürlich auch einen Ausflug nach Santiago de Compostela machen, der Endstation des Jakobsweges. Es gibt einen direkten Zug der einen in 30min dort hinbringt. Vom Bahnhof muss man sich erstmal durch das eher langweilige Städtchen kämpfen bevor man die Altstadt erreicht. Dort wird es aber schön, und auch schön voll mit Touris und Pilgern. Das Herz der von Mauern umrahmten Altstadt ist die Kathedrale, in der angeblich die Gebeine des Apostels Jakob liegen. Wie auch immer, ist ja schon etwas her dass er hier begraben wurde. Wir würden uns auch gerne die Kathedrale anschauen, aber die hunderte Meter lange Schlange schreckt uns ab. Dafür gehen wir zu einem Kilometerstein, und laufen die letzten 2km des Jakobsweges bis zu Kathedrale. Nun ja immerhin besser als nichts. Als es anfängt zu regnen, lümmeln wir uns in eine kleine Bar bevor wir wieder zurückfahren.

Zum Wetter, es ist nicht nur in Deutschland ziemlich chaotisch sondern auch hier. Mittwoch zog ein ordentlicher Sturm an A Coruna vorbei und brachte entsprechende Regenmengen mit. Die Weiterfahrt Richtung Süden ist etwas schwierig zu planen, weil sich entweder die Wettermodelle widersprechen, die Wellen draußen nach den Stürmen sehr hoch sind oder einfach der Wind nach Norden weht. Wir haben noch nicht entschieden ob wir Samstag bei wenig Wind weiterfahren, oder bis Mitte nächster Woche warten, wo es stabiler werden soll. Jetzt fahren wir erstmal zum Flughafen und verabschieden Marlene.

2 Antworten zu “Reparaturen in A Coruna”

  1. Liebe Natascha und lieber Jan (Marlene ist jag leider schon wieder weg)! Euer Blogg ist wirklich toll, fantastisch, Eure Reise mitzuverfolgen! Ihr kommt ja an die abgelegensten Stellen, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt! Ich kann eure Anstrengungen nur bewundern, wenn ihr alle wetterbedingten und technischen Schwierigkeiten beschreibt. Es ist jedenfalls immer interessant, die Berichte zu lesen. Weiterhin viel Glück und liebe Grüsse!

    Teresa

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