
Kirk besucht Vigo
Es sind nur 2h Stunden unter Motor die wir bis Vigo in eine sehr geschützte Ankerbucht neben der Stadt fahren. Dort wollen wir die nächsten 3 Tage verbringen, bis uns Kirk in einen Hafen treiben wird. Wer ist eigentlich Kirk? Das ist ein Hurrikane der sich im westlichen Atlantik bildet. Und bereits eine Woche vorher prognostizieren die Wettermodelle relativ einheitlich, dass er nach Europa kommt und an der nordspanischen Küste anlanden wird. Aber erstmal haben wir noch andere Probleme technischer Art. Wie berichtet, ist unser Gasanschluss nicht in Ordnung und wir können auf unserem Hauptherd nicht kochen. Als Übeltäter wurde der Druckminderer identifiziert, der sich zwischen der Gasflasche und dem Anschluss in das Boot befindet. Der Nachteil ist, dass es von unserer schönen Ankerbucht über 5km bis zur Stadt sind. Wir finden eine Ecke wo es Maritime Shops gibt, die sowas ja wohl haben sollten. Die ersten 3 Shops kennen das Teil nicht und wir werden in einen Sanitärladen 2km weiter verwiesen. Dort wird abgewunken, ihr müsst woanders hin noch mal 2km weiter. Dort wird auf den Laden nebenan verwiesen und so weiter geht es stundenlang. Kurz vor Feierabend sind wir der Verzweiflung schon nahe. Im letzten Laden ist ein Mechaniker der es schafft das Teil auseinanderzunehmen. Das Ventil dort drinnen ist kaputt, lässt sich nicht reparieren und haben tun wir auch keins. Dann kommt der Chef um die Ecke und meint, er hätte evtl. noch irgendwo eines rumliegen. Und tatsächlich gibt es eines mit passenden Anschlüssen. Großes Glück, wir sind an dem Tag über 15km durch die Stadt gelatscht aber Ende gut alles gut, das Teil funktioniert und wir können wieder kochen.
Unser nächstes technisches Problem ist das Funkgerät. Wir kaufen kurzerhand ein neues relativ günstig, und der Einbau klappt auf Anhieb. Es funktioniert und wir sind auf dem großen Wasser wieder mit der Welt verbunden.




Was die Ankertage hier etwas unschön macht ist das Wetter. Es schüttet ständig und aus allen Eimern. Wenn man es positiv sehen möchte hat es den Vorteil, dass man an einem relativ alten Boot wie Auryn die Undichtigkeiten findet, wo das Wasser den unerwünschten Weg ins Boot findet. Die müssen wir uns Schritt für Schritt vornehmen, wenn es mal wieder etwas trockener ist. Da Kirk näher rückt, machen wir uns Montag auf in die stadtnahe Marina, den Real Club Nautico. Sehr teuer aber super gelegen. Außerdem waren die anderen beiden Marinas schon voll, daher alternativlos. Montag gibt es einige Regenpausen und sogar die Sonne kommt durch. Und so machen wir uns auf, mal die Stadt aus touristischer Sicht zu erkunden. Sehr pompös mit einer großen Innenstadt und einer faszinierenden Altstadt. Wir genießen den Tag, gehen Mittags einen Lunch essen und schlendern ziellos durch die Gegend. Wirklich eine schöne Stadt, wenn man nicht auf der Suche nach einem Druckminderer ist.





Am Abend gehen wir ins Schwimmbad des Clubs schwimmen, das ist nämlich inklusive. Leider sind gerade auch Schulklassen drinnen und es gibt nur noch eine Bahn außen, an der man ein paar Bahnen ziehen kann. Irgendwann werde ich wild gestikulierend von einer Bademeisterin angesprochen, anscheinend geht es um meine nicht vorhandene Badekappe. Das macht bei meiner Frisur natürlich besonders viel Sinn, aber nach einem Rundumblick sehe ich, dass ich der einzige ohne Kappe im Becken bin. OK dann eben nicht, ist mir eh zu voll hier.
Zurück zu Kirk, Dienstag Abend geht es los und man merkt die Böen, die sich den Weg in den Hafen suchen werden stärker. Der Höhepunkt kommt Mittwoch Morgen zwischen 8 und 9 Uhr. Wir sind aber schon deutlich früher wach weil es an allen Ecken und Enden rappelt. Zwischendurch kommt uns das Nachbarboot so nahe, dass wir uns berühren. Auf der anderen Seite hören wir ein deutliches Knacken, was aber nicht von uns zu sein scheint. Später sehen wir dann was es war, der Fingersteg an dem wir festgemacht sind ist gebrochen. Die Hafenleute sind auch schon da und versuchen ihr bestes die Situation inmitten des Sturms zu managen. Als erstes machen wir den Motor an und bleiben im Rückwärtsgang um den gebrochenen Steg zu entlasten. Danach wird ein Seil nach hinten zur anderen Seite gespannt und wir können den Motor wieder ausmachen. Jetzt heißt es bis zum Nachmittag warten bis die dicksten Böen vorbei sind und dann müssen wir erstmal umparken.





Da die Welle draußen noch enorm hoch ist, werden wir wohl noch eine Nacht hierbleiben und morgen nach Baiona fahren. Dort warten wir dann auf günstigen Wind hoffentlich am Wochenende um südwärts Richtung Porto zu kommen.
2 Antworten zu “Kirk besucht Vigo”
Hallo Welterbummler, ich habe lange überlegt einen Kommentar hier einzubinden. Ich lese immer wieder Eure Reiseberichte und es klingt wie ein Abenteuerbuch wenn z.B. Sätze wie „Einfach einen Schraubenzieher auf den Pluspol und die Schraube daneben legen und die Kiste rappelt los.“ fallen. Es ist sehr Mutig und total beeindruckend was ihr da macht. Ihr werdet euer ganzes Leben daran zurückdenken und Stolz darauf sein. Chapeau dafür. Viel Spaß und Erfolg auf Eure Weiterreise Andreas Schulz ( der ehemalige Lieferantenentwickler 😉)
Hey Andreas, das ist aber schön von dir zu hören. Ich hoffe dir geht es auch gut und du genießt deinen Vorruhestand. Auf bald mal, viele Grüße Jan