Auf geht’s ins Gewühl nach Marrakesch. Die Fahrt in die Stadt hinein ist schon spannend, aber wenn man sich der nicht gerade defensiven Fahrweise etwas anpasst, und im Strom mitschwimmt, geht es eigentlich. Google Maps will uns dann mitten durch die Altstadt führen was komplett ausgeschlossen ist. Zum Glück ist dort wo wir abbrechen ein Parkplatz, der uns einen guten Platz für die 2 Tage anbietet. Von dort müssen wir noch 20min durch das Gewühl der Altstadt bis zu unserer Unterkunft dem nächsten Riad laufen. Die Lage ist wieder super aber insgesamt ist das Riad nicht so schön wie in Essaouira. Nach einer kurzen Pause stürzen wir uns in die Medina (Altstadt) von Marrakesch und sind sehr beeindruckt. Dagegen ist Essaouira ein Kindergarten. Hunderte von Händlern bieten lautstark in den Gassen ihre Waren an. Es gibt beeindruckende Läden die durchaus eine anständige Qualität und Auswahl anbieten. Das grundsätzliche Problem ist halt, man ist sich nie sicher wie denn ein fairer Verkaufspreis wäre, und hat erstmal Bedenken über den Tisch gezogen zu werden. Man muss sehen was es einem Wert ist und vergleichen. Ganz so schlimm wie befürchtet ist es insgesamt aber nicht. Man wird sicherlich öfters angesprochen als man es möchte, aber das gehört nun mal dazu. Und wenn man freundlich ablehnt wird es auch freundlich akzeptiert. Etwas kritisch sind die vielen Motoradfahrer, die relativ rücksichtslos durch die Medina und die Menschmengen fahren. Dadurch ist man ständig auf der Hut und muss sich immer schön rechts halten. Wir finden es ein Wunder, dass da nicht ständig was passiert.

Am Abend haben wir uns zum Essen mit unserem Segelfreund Bernd verabredet der zufällig auch gerade hier ist. Wir hatten uns zuletzt in Schottland getroffen und dort einige Etappen zusammen zurückgelegt. Er hat das Segelboot mit dem Fahrrad getauscht und macht eine beeindruckende Tour durch Marokko und das Atlas Gebirge. Auf dem Weg zu dem Restaurant kommen wir am Platz der Gaukler vorbei. Das ist ein wahrhaft riesiger Platz auf dem am Abend das Leben erwacht. Es gibt sehr viele Essenstände, etwas Flohmarkt und die Gaukler. Das sind z.B. verkleidete Menschen die Darbietungen aufführen, Schlangenbeschwörer, Veranstalter von Glücksspielen, Musiker und Tänzer und noch vieles mehr. Ein Wahnsinn was hier los ist wenn es dunkel wird. Mit Bernd verbringen wir einen netten Abend und reden diesmal nicht mehr so viel über das Segeln wie noch beim letzten Treffen im hohen Norden.

Am nächsten Tag besuchen wir eine Touristenattraktion, den Bahia-Palast. Der besteht aus 160 Zimmer und einer riesigen Gartenanlage. Wir werden bitter enttäuscht. Von den Zimmern sehen wir vielleicht 20, die Gartenanlagen sind fast alle nicht zugänglich und wir schieben uns mit Menschenmassen durch die paar Räume. Was wir sehen ist schön gestaltet, aber unter dem Strich lieblos und viel zu wenig für den hohen Eintrittspreis. Es fällt in die Kategorie: Das hätten wir uns schenken können. Am Nachmittag gehen wir noch ein paar interessante Viertel besuchen. Zum Beispiel gibt es ein hübsches jüdisches Viertel in dem es noch eine Synagoge gibt. Aber ansonsten wird es doch relativ stark vom Islam geprägt.

Wir hätten bestimmt noch einige Tage mehr in Marrakesch verbringen können aber irgendwie wird uns der Trubel hier etwas zu viel. Und so sind wir froh, dass wir Richtung Süden in das Atlas Gebirge fahren können. Dort erleben wir den absoluten Gegensatz nämlich Ruhe. Die Fahrt dauert gerade mal 2h und das Ziel ist der kleine Ort Imlil. Wir parken etwas außerhalb und suchen uns eine Wanderung bei Komoot raus. Es sind 8,5km und 320 Höhenmeter. Das sollten wir doch noch hinbekommen. Der Weg geht erstmal steil hinauf und führt dann über einige Schotterwege an einem Wasserfall vorbei durch ein kleines Bergdorf. Von weitem sieht es so aus, als wäre das Dorf verlassen. Wenn man dann hindurchgeht, sieht man aber doch den ein oder anderen Menschen und vor allem Katzen. Wunderschön, die Gipfel der 4000er Berge sind schneebedeckt und werden überragt vom höchsten Berg Marokkos, dem Jebel Toubkal. Zurück in Imlil müssen wir noch eine abenteuerliche Bergstraße mit viel Gegenverkehr überstehen, und kommen an unserer Herberge an. Über einen Abhang führt eine sehr steile Treppe nach unten wo wir mit einem Minztee empfangen werden. Unser Zimmer ist große Klasse. Gemütlich und relativ modern eingerichtet mit eigenem Balkon und One Billion Dollar View auf das Tal. Der Herbergsvater ist sehr bemüht und macht uns sogar noch ein tolles Abendessen, eine Tajine mit Zitronenhähnchen. Krass sind die Temperaturunterschiede, in Marrakesch war es Mittags noch 30° und hier in den Bergen werden es knapp unter 20°. Hier wären wir gerne noch ein paar Tage geblieben aber leider müssen wir zurück zum Boot wo gerade der Wassertank eingebaut wurde.

Zurück in Agadir nutzen wir das Auto noch aus und machen einen Großeinkauf. Am nächsten Morgen kommen dann auch die Handwerker und schließen den neuen Wassertank aus Edelstahl an. Es klappt alles gut, er scheint dicht zu sein und nach einigem Hin und Herrücken passen auch die Bretter des Sofas wieder wie vorher. Anschließend wird vor dem Kaltwasserhahn in der Küche noch ein Filter montiert, wodurch wir jetzt trinkbares Wasser in den Tanks haben sollten.

Und damit geht unsere Zeit in Marokko viel zu schnell zu Ende. Ein tolles Land mit sehr interessanten und netten Menschen. Wir kommen bestimmt irgendwann noch mal wieder. Morgen geht es weiter auf die Kanaren. Zuerst steuern wir die Insel La Graciosa im Norden von Lanzarote an. Es sind 215sm für die wir über 40h brauchen werden.

2 Antworten zu “Über Marrakesch ins Atlas Gebirge”

  1. Hallo Jan,
    leider komme ich immer nur etwas verzögert (im Urlaub) dazu all deine Berichte zu lesen, aber ich freue mich natürlich immer zu sehen, dass ihr wohl auf und voller Entdeckergeist seid. Wir sind gerade ebenfalls in Marrakesch und lassen das trübe deutsche Winterwetter hinter uns. Ich wünsche euch schon einmal einen guten Rutsch ins neue Jahr – Ich freue mich auf viele spannende neue Berichte von euch. VG Philipp

    • Hi Philipp, vielen Dank. Marrakesch fanden wir sehr cool vor allem die etwas außerhalb gelegenen Teile der Altstadt. Dort wurde man nicht so von den wilden Mopeds umgefahren. Viel Spaß noch und auf bald mal, Jan

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