Zum Abschied in Agadir kommt noch einmal der Zoll und die Polizei an Bord, um uns aus zu checken. Die Polizisten schauen an Bord sehr wichtig, noch mal in den ein oder anderen Schrank hinein und haben ihrer Pflicht damit genüge getan. Nach dem Ablegen, haben wir über die Trans Ocean Whatsapp Gruppen die Infos bekommen, dass die Marina in Las Palmas nicht nur super günstig ist, sondern auch jetzt noch übervoll. Man kann neben der Marina ankern, sich dann anmelden und kommt auf eine Warteliste. Eigentlich sind wir davon ausgegangen dort problemlos einen Platz für die Weihnachtswochen zu bekommen wenn wir nach Hause fahren. Daher wurde der Plan geändert und wir lassen La Graciosa schweren Herzens als nächstes Ziel sausen, und fahren direkt nach Gran Canaria um bessere Chancen auf einen Platz zu bekommen. Dadurch verlängert sich die Fahrtzeit um einen Tag, was aber nicht schlimm ist, wir haben genug Proviant an Bord.

Zur Überfahrt selber: Die Geduld des Skippers wird auf eine harte Probe gestellt. Selten war die Windvorhersage so falsch wie auf diesem Turn. Nicht nur die Windstärke war völlig daneben, oft war auch die Windrichtung komplett woanders her. Dadurch lief der Motor wieder deutlich mehr als geplant, zum Glück waren wir in Agadir noch tanken. Um wenigstens die leichten Windphasen zu segeln, sind wir unter dem Strich deutlich langsamer gewesen und werden es nicht schaffen bei Tageslicht anzukommen. Die Wachwechsel klappen wieder sehr gut, wir haben den bewährten 3-Stunden Rhythmus eingehalten und kamen so gut durch die 3 Nächte. Da bald Neumond ist, war es nachts tief schwarz. Bis auf die erste Nacht mit den schlechtbeleuchteten marokkanischen Fischerbooten war das aber nicht so schlimm, weil wir ziemlich alleine waren. Immer wieder erwähnenswert ist die wunderbare Begleitung der Delfine.

Der letzte Segeltag entschädigt dann Ende doch etwas für die zähe Nummer der ersten beiden Tage. Wir mussten frühmorgens durch die Meerenge zwischen Lanzarote und Fuerteventura durchfahren und waren gewarnt. Gerade wenn man auf den Kanaren um die Kaps herumfährt und die Windabdeckungen der Inseln verlässt, kann es ordentlich anfangen zu blasen. Und so war es auch. Nachdem wir Fuerte links liegen ließen, kam eine ordentlich Windstärke 6 (entgegen der Vorhersage, versteht sich…) genau auf die Nase. Der Skipper fluchte erst eine Weile vor sich hin, weil wir den Kurs jetzt komplett verlassen mussten, um nicht unser Rigg zu gefährden. Kurz danach war es aber für den Rest des Tages sportliches und zügiges Segeln. Wenn einmal die Einstellung von Kurs und Windfahne gefunden wurde, konnten wir die meiste Zeit, relativ entspannt Richtung Gran Canaria segeln.

Als es dann in die vierte Nacht ging, konnte man schon 50km entfernt das Leuchten von Las Palmas am Horizont erkennen. Und je näher wir kamen, desto schöner wurde es. Wir hatten etwas Bammel, uns in dem vollen Ankerfeld neben dem Hafen bei Dunkelheit zu orientieren und einen Platz zu finden. Aber eigentlich ging es ganz gut, im dem riesigen Hafen und in den Werften drum herum wird rund um die Uhr gearbeitet, und alles ist gut beleuchtet. Der Anker fiel um 2.00 Uhr und die Crew fiel erledigt ins Bett und freute sich über einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen ging es zügig mit dem Beiboot zur Marina ins Büro um uns für die berüchtigte Warteliste anzumelden. Entgegen dem Feedback aus den Whatsapp Gruppen war es aber nicht so schlimm. Es gab keine Warteschlange und die Herren im Büro waren sehr freundlich und haben den Papierkram schnell erledigt. Uns wurden gute Chancen ausgerechnet, in der nächsten Woche einen Platz im Hafen zu bekommen. Insgesamt schon etwas komisch, weil der Hafen bei weitem nicht voll aussieht. Ich glaube die bekommen das einfach nur nicht abgearbeitet.

Da die Seglerbeine anfangen Muskelschwund zu bekommen, machen wir uns direkt auf in die Altstadt, und schauen uns Las Palmas an. Was wir bisher sehen ist total schön. Alte pompöse Häuser, nette Cafés und schöne Straßen und Gassen. Überall hängt Weihnachtsbeleuchtung, wir müssen hier unbedingt noch mal Abends hinkommen. Im Gegensatz zu Agadir kommt man hier in Weihnachtsstimmung. Wir sitzen in einem Straßencafé, essen ein paar Tapas und genießen das verspätete Anlegerbierchen (-Weinchen).

2 Antworten zu “Planänderung, auf nach Gran Canaria”

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