Bevor es zum nächsten Trauminsel Archipel geht, haben die Segelgötter den Schweiß und Durchhaltevermögen gesetzt. Erstmal müssen wir aus der Samana Bucht heraus und danach einige Meilen nach Norden um ein Kap herum, bevor wir auf die Nordseite kommen. Das bedeutet erstmal 6h permanent gegen Wind und Welle anzumotoren was der unbeliebteste Sport bei Seglern ist. Danach wird es dann aber halbwegs vernünftiges Segeln mit seitlichen Winden bis wir nach über einem Tag in Luperon ankommen. Das ist der letzte Hafen auf der dominikanischen Seite bevor man die Insel Hispaniola verlässt. Wir fahren in die tiefe Bucht rein und kurven um diverse Sandbänke und andere Segelboote herum, bis wir eine der wenigen freien Bojen erspäht haben. Zum Glück sieht uns Andi einer der Bojenbesitzer und hilft uns. Alleine hätten wir es niemals geschafft die Seile der Boje aus dem Wasser zu fischen an denen wir festmachen. Die Bucht ist, was das Geschaukel angeht, ein Segen. Da sie rundherum geschützt ist liegen wir ruhig wie im Ententeich. Es gibt viele Dauerlieger hier, weil es sehr günstig und die Bucht angeblich auch Hurrikanesicher ist. Der Ort Luperon ist ganz nett aber viel machen kann man eigentlich nicht. Es gibt zur Freude des Skippers einen guten Eisladen und auch einige Bars und Restaurants. Wir wollen nach 2 Tagen weiterfahren weil das Wetterfenster halbwegs günstig scheint. Dafür müssen wir aus dem Land ausklarieren und Immigration, Zoll und Armada besuchen. Mit den ersten beiden geht alles glatt, aber die Armada gibt uns keine Freigabe. Wir müssen am Tag der Abfahrt wiederkommen. Echt unnötig, also fährt der Skipper morgens um 6.00 noch mal an Land und bekommt das Papier.

Diese Etappe ist 170sm Meilen lang und wird recht flott in 31h bewältigt. Nur die zackige seitliche Welle zermürbt etwas. Diesmal können wir das meiste Stück segeln, und kommen am Nachmittag auf den Bahamas vor der Insel Inagua an. Der Ort heißt Matthew Town und ist der südlichste Hafen wo man sich anmelden kann. Da die Skipperin etwas krank ist, fährt der Skipper erstmal alleine an Land und geht zu den Behörden. Diese befinden sich in 2 Containern außerhalb und haben zwischen sich einen Alkoholstore. Leider ist der Zoll der für das Cruising Permit zuständig ist nicht mehr da, und so müssen wir morgen noch mal wieder kommen. Der Spaß kostet insgesamt schlappe 340USD um ein Cruising Permit für 3 Monate zu bekommen. Wir hoffen mal, dass es das Geld wert ist. Der Ort Matthew Town ist es schon mal nicht. An den weitläufigen Straßen ist ca. jedes 2. Haus verlassen und verfallen. Zwischendrin sieht mal auch mal echt Perlen von netten Vorgärten und ab und an gibt es einen Laden oder ein Café. Auffällig sind die sehr freundlichen Leute hier. Überall grüßen Sie und wünschen einen schönen Tag. Der Lack scheint ziemlich ab zu sein von diesem Örtchen. Wir machen noch einen Spaziergang zum Leuchtturm und bereiten uns danach auf die Abfahrt zur nächsten Insel vor. Der Ankerplatz ist eigentlich ganz schön, das Wasser unglaublich klar und hellblau aber es ist einfach zu rollig. Also verzichten wir auf eine weitere Nacht hier.

Beim Ankerheben geht dann der Stress richtig los. Die Winde ächzt immer mehr und versagt am Ende völlig. Mit Müh und Not bekommen wir den Anker händisch raufgezogen und sind froh als er in seiner Verankerung sitzt. Wir hatten es schon seit längerem geahnt, dass die den Geist aufgibt, aber das es jetzt so schnell geht dachten wir nicht. Dann müssen wir versuchen, bis wir eine Reparatur hinbekommen, das Teil erstmal über die Winsch am Mast zu heben. Keine Ahnung ob das geht. Das hat gerade potential unseren gesamten Aufenthalt hier kaputt zu machen. Bojen gibt es nur sehr wenige und die Marinas sind in der Regel unbezahlbar. Wir fahren erstmal los, in die 3. Nacht in 6 Tagen hinein. Das Ziel ist Crooked Island wo es an der Westseite einige schöne Ankerplätze geben soll. Ich frage über die Trans Ocean What’s App Gruppe ob jemand eine Werkstatt für solche Fälle auf den Bahamas kennt. Es meldet sich auch ein deutsches Boot das unser Ankerheben Manöver beobachtet hat. Sie versprechen mal rumzufragen, echt nett. Die Fahrt ist diesmal ziemlich ruppig, und wir haben eine fette Welle nach der anderen die über Auryn geht, und öfters auch ihren Weg ins Cockpit findet. Ich wechsle auf der Fahrt 3x das Shirt da es ständig klatschnass ist. Am nächsten Morgen kommen dann noch ein paar heftige Schauer dazu, die wenigstens das Salz wieder runterspülen. Genau mit Sonnenuntergang kommen wir an und manövrieren durch die Korallen auf den anvisierten Platz, wo der Anker auf 4m im hellblauen Wasser fällt. Das ist gut, so brauchen wir nicht so viel Kette händisch ohne Winde rauslassen. Wir sind nach den Nachtfahrten der letzten Woche ziemlich kaputt.

Bei den Wassermassen ist auch die Bilge nicht trocken geblieben, und wir machen einen Bordtag um alles zu trocknen. Am Nachmittag nimmt der Skipper dann die Ankerwinde vorne auseinander (soweit es geht) und fettet und sprüht alles noch mal neu ein. Danach bewegt sie sich auch wieder aber immer noch langsam und dann wieder gar nicht mehr. Moment mal, was ist eigentlich mit der Batterie. Schnelle Messung an der Batterie für die Winde zeigt nur 7,5Volt. OK, Fall geklärt, aber warum hat sie keine Spannung? Auch das lässt sich schnell finden, am Ladekabel ist eine Sicherung und die ist durchgebrannt. Wir wühlen in den alten Bordbeständen der Elektrotechnik und wie von Zauberhand finden wir dort genau die benötigte Sicherung. Ein Hoch auf Haui… Kurz den Motor angemacht und die Batterie hat wieder 12V und die Winde ihr übliches Tempo. Schlagartig ist beste Stimmung an Bord, steht doch unserem Bahamas Törn nun nichts mehr im Wege.

2 Antworten zu “Mit Stress auf die Bahamas”

  1. Liebe Natascha, wir hoffen, du bist wieder gesund und ihr konntet euer Schlafdefizit tilgen. Glückwunsch zur erfolgreichen Wiederbelebung der totgeglaubten Ankerwinsch. Habt eine schöne Zeit auf den Bahamas!

    • Hallo Ihr beiden, vielen Dank. Gesundheitlich ist alles wieder im grünen Bereich. Wir können wieder mit der zwar etwas schwächelnden aber funktionierenden Winsch glücklich die Bahamas hinauftingeln. Auf bald viele Grüße Jan und Natascha.

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