Das letzte Wetterupdate hat sich am Morgen für die nächsten 4 Tage Richtung Norden noch mal etwas zum Positiven verändert, und wir machen spontan die Leinen los. Das Problem ist, wir müssen vor dem Mittag aus dem Hafen raus sein, da es sonst wegen dem Niedrigwasser erst wieder am späten Nachmittag ginge. Wir fahren schon mal 2 h Richtung Norden und ankern über Mittag an einer kleinen Insel im nördlichen Gürtel der Abacos, um die Vorbereitungen für die Überfahrt abzuschließen. Und dann stürzen wir uns wieder in den Atlantik (der auf dieser Seite übrigens deutlich freundlichere Wellen hat), ohne genau zu wissen, wo wir anlanden werden. Am liebsten wäre uns Charleston, aber der Wind dahin ist in 3 Tagen sehr fragwürdig. Es kommt darauf an, wie schnell wir in den Golfstrom kommen und wieviel zusätzlichen Speed wir dort bekommen. Der Abend fängt dann gut an. Wir angeln einen richtig dicken Gelbflossenthunfisch, der zum Feinsten gehört, was das Meer zu bieten hat. Wir essen die gesamten 3 Tage nur noch Fisch. Leider lässt dann der Wind früher nach, als geplant, und die Maschine orgelt für die nächsten 5 h, bis es dann per Segel langsam, aber immerhin, weitergeht. Gegen Morgen gibt es dann eine spürbare Erhöhung der Geschwindigkeit. Juhu, wir haben den Golfstrom erreicht und fahren zeitweise deutlich über 8 kn (statt den üblichen angepeilten 5 kn). Die Wassertemperatur ist übrigens auch deutlich höher. Wir messen 28 °C, das sind über 3 °C mehr als danach. Es kristallisiert sich langsam heraus, dass Plan A nach Charleston nicht funktionieren wird, da der Wind nicht mitspielt und wir in relativ schlechtes Wetter und Wind geraten würden. Wir haben übrigens ein neues kleines Hobby für zwischendurch. Wir lernen Sprachen mit einer App, die wir für ein Jahr gekauft haben. Die Skipperin verbessert ihr Englisch, und der Skipper versucht sich in Spanisch. Es hilft, die Birne auch mal für andere Dinge als die üblichen Reise- und Versorgungsthemen zu beanspruchen.

Am 3. Abend gibt es dann eine sehr unangenehme Überraschung. Die Wettervorhersage kündigt ziemlich spontan heftigste Gewitter an, die ohne Fluchtmöglichkeit komplett über uns hinwegziehen werden. Wir nehmen die Segel runter und machen die Maschine und den Autopiloten an. Wir fahren mit Vollgas Richtung Norden, um zumindest etwas aus dem Zentrum hinauszukommen. Aber keine Chance, es erwischt uns voll mit Starkwind, Regen, Blitz und Donner. Während der Autopilot fleißig den Kurs hält, sitzen wir unter Deck hinten im Schlafzimmer, was vermutlich bei einem Blitzeinschlag noch der sicherste Platz ist (am weitesten weg vom Mast). Sehr unangenehm, aber zum Glück übertönt der Motor etwas den Donner und den prasselnden Regen draußen. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei, und unsere Nerven beruhigen sich langsam wieder. Inzwischen sind wir wieder aus dem Golfstrom raus und haben auch Plan B und C (Brunswick oder Savannah) fallen gelassen, weil wir dort nicht bei Tag ankommen würden. Wir entscheiden uns für das letzte Backup, den Ort Fernandina Beach, der ganz im Norden von Florida liegt. Der Wind schläft gegen Mittag wieder ein, und der versprochene Winddreher kommt auch nicht. Daher läuft die letzten 8 h wieder die Maschine, und wir fahren kurz vor Sonnenuntergang den Fluss Richtung Fernandina Beach hoch, wo wir neben vielen anderen Segelyachten den Anker werfen. Gerade rechtzeitig übrigens, bevor das nächste Gewitter über uns herfällt, das wir hier zwischen den anderen Booten deutlich entspannter abwettern. Dann gibt es noch ein Anlegerbierchen, und über die App der „Customs and Border Protection“ klarieren wir in den USA ein. Das klappt übrigens hervorragend. Dadurch, dass wir in Puerto Rico schon mal unser Profil hinterlegt haben und reingelassen wurden, bekommen wir in 3 Minuten eine E-Mail, dass wir unter Vorbehalt einreisen dürfen. Wir müssen am Montag noch in deren Office vorstellig werden, um den Prozess abzuschließen.

Wir schlafen fast 10 h und frühstücken bis zum Mittag. So mehrere Nächte mit kaum Schlaf schaffen einen doch ganz gut. Dann geht es rüber, um einen schönen Samstagnachmittag in Fernandina Beach zu erleben. Der Ort gefällt uns auf Anhieb gut, obwohl es wirklich sehr typisch amerikanisch ist. Es gibt viel Leben auf den Straßen, sehr viel Live-Musik drinnen und draußen, und viele nette kleine Läden. Wenn man nicht wüsste, in welches Land man ist, und nur die Autos sieht, dann weiß man es. Überall dicke, hochgebockte Karren, die jeglicher Sinnhaftigkeit entbehren. Aber dafür taugt die Musik was, überall gute amerikanische Rockmusik. Wir setzen uns erstmal in einen Biergarten und hören uns eine Band an. Den Nachmittag über schlendern wir die Hauptstraße rauf und runter und finden viele wirklich faszinierende Läden mit alten, antiken Schätzen und coolen Klamotten. Wir bleiben noch mindestens bis Mitte oder Ende nächster Woche hier. Man kann gut Sachen besorgen, und es gibt diverse Ausflugsmöglichkeiten.

Eine Antwort zu “Nächste Ausfahrt links abbiegen nach Florida”

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