Wir müssen mal wieder die steifen Beine auf Vordermann bringen und laufen durch die Stadt, die breiten Boulevards hoch, bis zu einem wunderschönen Naturpark, dem Egan’s Creek Greenway Trail. Der Trail geht durch eine Mischung aus Steppe, Urwald und Sumpflandschaft und wird von diversen wilden Tieren bewohnt. Neben Unmengen an Vögeln gibt es Schildkröten, die sich an dem Flüsschen tummeln, und auch ein paar Alligatoren. Es sollen dort mindestens acht unterschiedliche Schlangenarten leben und natürlich deren Futter, z. B. kleine Hasen und viele Mäuse. Das Besondere an diesem Park ist: Es gibt keinerlei Zäune oder Ähnliches. Die Tiere sind anscheinend nicht gefährlich, solange man auf den Wegen bleibt und z. B. die Alligatoren nicht füttert. Das ist uns schon beim letzten Mal aufgefallen. Parks und Natur miteinander zu verbinden und sehr natürlich zu halten, können die Amerikaner. Wir laufen stundenlang durch die Gegend, sind ständig auf der Suche nach Tieren und genießen diese Umgebung.

Am Montag müssen wir dann erstmal zur CBP, dem hiesigen Grenzschutz, um unseren Aufenthalt zu legalisieren. Das Büro liegt am Stadtrand und wirkt in einem alten Holzhaus irgendwie fehl am Platz. Wir klopfen höflich an und werden umgehend von drei Officers begrüßt, die sich anscheinend freuen, etwas zu tun zu bekommen. Wir hatten online bereits eine Nummer für unseren Vorgang bekommen, anhand der sie im System sehen konnten, dass alles in Ordnung ist. Unsere Visa wurden gecheckt und ein paar Fragen zu unserer Reise gestellt. Alles nett und freundlich – nur vom Chef gab es einen Anpfiff. Wir hätten uns innerhalb von 24 Stunden melden müssen, was ja nun mal nicht ging, weil wir Freitag abends ankamen. Aber ein großes Drama ist es dann wohl nicht, und wir geloben Besserung fürs nächste Mal. Wir dürfen jetzt offiziell bis zum 01.12. im Lande bleiben. Schriftlich haben wir nichts, man kann den Status aber im System abfragen. Danach fahren wir mit dem Uber zu einem Marine-Shop außerhalb und besorgen ein paar Bootsartikel, wie z. B. eine neue Heckleuchte. Volvo Penta-Filter für meine nächste Motorinspektion gibt es leider nicht. Und dann geht es zum Walmart, der wahrscheinlich größten Lebensmittelkette der Welt. Wie wir das Einkaufen nach drei Monaten Karibik wieder genießen, große Auswahl und nicht so absurde Preise!

Nach diesem bewegungsmäßig kleinen Ausruhetag machen wir heute einen Ausflug in Richtung amerikanischer Geschichte. Es gibt im Norden der Insel ein altes Fort aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Der Weg dorthin ist wieder ganz schön weit, aber auch wunderschön. Diesmal ist das Dickicht etwas dichter, und die Wege sind schmaler. Fort Clinch stammt aus der Zeit um 1864, als die Südstaaten gegen die Nordstaaten kämpften. Alles ist nicht wenig patriotisch, aber eigentlich ganz interessant. Man kann die originalen Baracken besichtigen und bekommt einen guten Eindruck davon, wie furchtbar es damals gewesen sein muss, Soldat zu sein.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher nach Old Fernandina Beach. In dieser Siedlung stehen schicke alte Holzhäuser, unter anderem das Haus von Pippi Langstrumpf (Longstocking in engl.) – die Villa Villekula. Dort wurden ab 1988 die neueren Folgen mit diesmal amerikanischer Besetzung gedreht. Leider ist dieses sehr beeindruckende Haus inzwischen in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Am Abend, zurück auf dem Boot, haben wir fast 20 km und 24.000 Schritte in den Beinen (stöhn), aber es war ein schöner Tag.

Inzwischen ist es Juni, und damit hat offiziell die Hurrikansaison begonnen. Es gibt eine App vom Hurrikan Center in Miami, die eine Warnung herausgibt, wenn sich irgendwo etwas zusammenzubrauen beginnt. Und kaum nachgeschaut gibt es bereits die erste Meldung für diese Saison. Und wo? Natürlich genau da, wo wir sind, an der Ostküste von Florida. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dort etwas Größeres entwickelt, ist sehr gering, und außerdem zieht es von uns weg, also wieder entspannen. Inzwischen wurde die Warnung auch wieder aufgehoben, und so können wir morgen weiterfahren. Wir fahren entweder bis Charleston (160 sm) oder, wenn es gut läuft, ziehen wir drei Tage durch bis Beaufort (350 sm) in North Carolina. Das entscheiden wir unterwegs.

Eine Antwort zu “Pippi Longstocking in Fernandina Beach”

Hinterlasse eine Antwort zu barbarawulfec3b8d3ccc Antwort abbrechen