
Heiße Tage in NYC
Der Strom, den East River hinauf, kippt am Nachmittag um 14.30. Also Anker auf am Nachmittag, und los geht es, rechts von Manhattan, unter der Brooklyn Bridge durch nach Norden, Richtung Port Washington. Was folgt, ist die schärfste Tour, die wir bisher mit Auryn unternommen haben. Man fährt an den Häuserschluchten vorbei und sieht immer wieder auf der linken Seite bekannte Gebäude. Wir lassen ordentlich Mucke aus der Box schallen und haben einen riesen Spaß. Wir brauchen die Maschine nur mit kleiner Drehzahl laufen zu lassen, weil der Strom uns 3–4 kn dazu schenkt. Irgendwann sind wir an Manhattan und Harlem vorbei, streifen noch etwas die Bronx und kommen dann aus dem New Yorker Gebiet heraus. Nach weiteren 2 Stunden landen wir in der Bucht von Port Washington. Hier zieht es die meisten Segler hin, weil man gut ankern kann und es eine direkte Verbindung nach New York gibt. Wir wollen hier erst mal eine Zeit lang bleiben und uns vom vielen Segeln in der letzten Zeit erholen.






Obwohl es heute bis 38 °C werden soll, entscheiden wir uns, nach New York zu fahren. Lustigerweise gab es nicht nur bei der Freiheitsstatue die Huihui aus Remscheid, sondern neben uns liegt auch der Kat Momo, der ebenfalls aus Remscheid kommt. Unser Nachbarstädtchen scheint der Nabel der Welt zu werden. Wir hatten in der Vergangenheit schon Kontakt per WhatsApp mit Carla und Volker, aber persönlich kannten wir uns noch nicht. Also holen wir die beiden mit unserem Beiboot ab und fahren gemeinsam nach New York. Der Zug braucht 50 Minuten, und schon ist man mitten im Getümmel an der Penn Station. Wir waren vor acht Jahren schon einmal hier und möchten nun in den nächsten Tagen möglichst Orte entdecken, die wir damals noch nicht gesehen haben. Einer davon ist die High Line. Das ist eine ehemalige Hochbahn, die durch den Stadtteil Chelsea führt. Sie ist nur 2,5 km lang und wunderschön angelegt. Überall ist grün, und man ist immer etwas oberhalb der Straßen und hat einen guten Überblick. Danach biegen wir zum Hudson River ab und landen am Pier 57. Das ist eine kleine Halbinsel, die sehr nett gestaltet ist, und man kann dort mit Blick auf den Fluss verweilen. Anschließend schlendern wir die verschiedenen Avenues wieder hoch, bis es uns eindeutig zu heiß wird. Wir verziehen uns ins größte Kaufhaus Amerikas, in das Macy’s. Dort gibt es 12 Ebenen, und oben sind sogar noch historische Rolltreppen aus Holz. Ansonsten ist es ein Kaufhaus wie alle anderen auch, nur halt größer.









Wir haben abends dicke Beine und erholen uns am Tag danach. Das mit der Erholung ist allerdings schwierig, da es heute amtliche 40°C ist. Der Skipper erledigt schwitzend den überfälligen Motorservice, und tauscht die Öl- und Dieselfilter aus, und wechselt das Öl. Ist alles kein Hexenwerk, nur die Bilgen unter dem Motor nicht völlig zu versauen, ist die Kunst. Hat aber alles geklappt, und unser Jockel freut sich.
Am nächsten Tag kommt mal etwas Kunst und Kultur dran. Wir fahren wieder mit dem Zug zur Penn Station (diesmal zusammen mit Harald und Jeanette von der Huihui). Unser Ziel ist das Guggenheim Museum, was wir schon immer mal anschauen wollten. Wir laufen erst den Broadway hoch, kommen am wild leuchtendem Times Square vorbei und laufen durch den Central Park bis zur 88. Straße. Im Guggenheim sind wir beeindruckt von der Architektur. Man fährt mit dem Fahrstuhl nach oben und kann dann die Schnecke wieder herunterlaufen und die Werke anschauen. Zwischendurch kommt man an verschiedenen Räumen vorbei, wo themenmäßig Extraausstellungen sind. Man findet sehr schöne, bunte Bilder einer brasilianischen Künstlerin. Ansonsten sind dort die üblichen Verdächtigen: Picasso, Monet, van Gogh und Kandinsky. Es ist schon ein tolles Museum, wir finden aber, dass insgesamt nicht sehr viele Bilder zu sehen sind. Da bietet es sich doch an, anschließend im Central Park auf eine Wiese zu legen und ein kleines Schläfchen einzulegen. Gegen 17.00 Uhr erleben wir die 5th Avenue im Feierabendmodus. Unglaublich, was für ein Gedränge, schnell weg hier. Von der unglaublichen Grand Central Station fahren wir wieder zurück.









Die nächsten paar Tage verbringen wir in Port Washington und erledigen ein paar Dinge, wie Brille reparieren, einkaufen oder den üblichen Marineshop nach Ersatzteilen durchsuchen. Wir machen einen kleinen Ausflug in den Norden nach Sandspoint. Auf dem Weg dorthin laufen wir durch Villengegenden, die so was von pompös sind, was wir im Leben noch nicht gesehen haben. Hier wohnt wahrscheinlich die halbe Wallstreet. Sandspoint ist nicht sehr aufregend, schöne Wälder, wie bei uns zu Hause. Abends verabreden wir uns ein paar Mal mit den Crews von Momo und Huihui zum quasi bergischen Treffen und verbringen lustige Abende gemeinsam.




Am vorerst letzten Tag in New York gibt es noch mal ein ganz besonderes Highlight, der Christopher Street Day. Und zwar das Original, findet heute statt. Wir machen uns früh auf und stürzen uns in das sehr schräge Getümmel. Am Bahnhof und auch danach überall in der Stadt sind die Leute verkleidet, und kaum einer hat nicht eine Regenbogenfahne dabei und entsprechende Klamotten an. Sogar die Spitze des One World Trade Centers war am Abend davor in Regenbogenfarben beleuchtet. Die Strecke ist, wie bei uns beim Karneval, von viel Polizei gesichert, und überall sind Absperrungen. Die Wagen mit Fußvolk kommen nicht alle hintereinander, sondern es gibt manchmal auch 10 Minuten Pause, bis der Nächste kommt. In der Regel wird auf den Wagen und dahinter zu lauter Musik getanzt, und das Publikum jubelt und kreischt. Natürlich gibt es jede Menge Botschaften gegen die aktuelle Politik, die oft sehr lustig zum Besten gegeben werden. Etwas irritierend ist, dass die ersten paar Wagen von Politikern (alles Demokraten, natürlich) mit Wahlplakaten sind. Alles in allem hätten wir es uns fast noch etwas größer vorgestellt, aber es war ein echt großer Spaß.












Danach gehen wir noch etwas durch das Greenwich Village und durch das schicke Soho, bevor wir wieder nach Port Washington zurückfahren. Es war schon wieder ein aufregender Tag.
Wir haben vor ein paar Tagen relativ spontan beschlossen, uns jetzt schon ein Auto zu mieten und für 2 Wochen nach Kanada hochzufahren. Auryn ist hier in der Bucht gut aufgehoben und wird an eine Boje gehängt, die man mieten kann. Das heißt, wir müssen heute Abend noch packen und werden uns dann morgen früh an die Boje hängen und von einem Wassertaxi abholen lassen. Wir freuen uns sehr, das erste Ziel sind die Niagarafälle.