
Mont-Tremblant got the Blues
Wir verbringen insgesamt 5 Tage im Algonquin-Nationalpark und genießen die Abgeschiedenheit und Natur. Wir gehen viel wandern und merken von Tag zu Tag, wie die schlappen Beine sich wieder mit Leben und Muskulatur füllen. Das war im Prinzip schon seit der Atlantiküberquerung im Februar stetig zurückgegangen. Zum einen, weil wir wirklich viel gesegelt sind, und weil es vor allem in der Karibik wegen der Hitze nicht möglich war, längere Strecken zu laufen.
Ein sehr schöner Ausflug geht zu einem See, in dem Bieber wohnen und fleißig ihre Dämme bauen. Ein besonders großer Damm hat den kompletten See aufgestaut, was aber gut in die Landschaft passt. Einen Bieber haben wir leider nicht gesehen, war wahrscheinlich Mittagsschlafzeit.






Wir verbringen die Tage nicht nur wandernd, sondern können uns dort sogar Kanus ausleihen und den Madawaska River ein paar Kilometer hinauffahren. Ein Traum, nur Tiere (wie zum Beispiel mal einen Elch oder einen kleinen Schwarzbären) sehen wir leider nicht. Der Skipper versucht sich mal im Stand-up-Paddling, ist gar nicht so schwer. Es gibt auch Regentage, an denen man nur durch die Matsche waten kann, aber das gehört hier dazu.




Weiter geht es dann zum nächsten Nationalpark, dem Mont-Tremblant. Auf dem Weg dahin machen wir einen Stopp in der ehrwürdigen Hauptstadt Kanadas, in Ottawa. Wir haben nur ein paar Stunden Zeit und laufen eine Runde durch die Stadt, zum Parlamentshügel und dann runter zum Fluss. Die Stadt liegt am südlichen Ufer des Ontario Rivers und damit noch im englischsprachigen Ontario. Auf der Nordseite beginnt schon das französischsprachige Quebec. Das Parlamentsgebäude und die Gegend drumherum sind gerade Großbaustelle, aber trotzdem ist ein schönes Flair vorhanden. Wir gehen vom Fluss wieder hoch zu den Markthallen, wo man wie in jeder Stadt Schmuck und Souvenirs kaufen kann. Vom Fluss aus gibt es, wie in Schottland, eine sechsstufige Schleusenanlage für Sportboote, die noch von Hand betrieben wird. Ganz nett hier, aber eigentlich reicht ein kurzer Abstecher aus. Zurück am Auto stellen wir fest, dass wir 5 Minuten über der Zeit unseres Parkscheins sind. Und zack steht dort bereits ein junger Polizist und will uns eine Knolle verpassen. Unser Hinweis, dass wir aus Deutschland kommen und nicht wie das Kennzeichen aussagt aus den USA, lässt ihn milde stimmen, und wir kommen noch mal davon.





In der Nähe von Mont-Tremblant haben wir ein Zimmer in einer Herberge gebucht, die ruhig an einem See gelegen ist. Dort erfahren wir, dass es gerade in Mont-Tremblant ein mehrtägiges Bluesfestival gibt. Was haben wir doch Glück mit unserer Terminplanung in Kanada. Erst kommen wir am Canada Day in Niagara an, und jetzt gibt es hier ein großes Festival. Es gibt insgesamt 4 Bühnen, die über den Ort verteilt sind. Der Ort Mont-Tremblant ist recht mondän. Es erinnert etwas an die Städtchen in Österreich. Im Winter ist das hier ein durchorganisierter Skiort mit Liften und allem, was man braucht. Wir nutzen den nächsten Morgen erstmal für einen schönen Spaziergang um den Ort herum und schauen dann mal, was das Festival zu bieten hat. Es geht über 5 Tage, und es treten über 100 Acts auf. Es gibt kleine Bands, die immer wieder zwischendurch auf den kleinen Bühnen spielen, und auch große Bands, die echt gut abrocken und gepflegten Blues spielen. Das Highlight ist für uns am Abend Lachy Doley, ein australischer Rock-Blues-Musiker, der eine sehr coole Show bietet. Das gute Wetter lässt uns am nächsten Tag im Stich. Wir wollen durch den Wald die Berge hinaufmarschieren und bekommen ein paar ordentliche Regenschauer ab. Die führen dazu, dass die Wege sich in Bäche verwandeln und wir komplett vermatscht wieder runterkommen. Egal, hat trotzdem Spaß gemacht, und wir schauen uns am Nachmittag noch ein paar weitere Shows an und trocknen dabei wieder. Endlich mal wieder ordentlich Live-Musik! Wir hatten schon Entzugserscheinungen und sind total glücklich.












Eine größere Stadt wollen wir auf unserer Rundreise in den Norden dann auch noch ausgiebiger besuchen, und so machen wir uns auf nach Montreal, der zweitgrößten Stadt Kanadas (1,7 Mio. Einwohner). Wir kämpfen uns durch den Freitagnachmittagverkehr in die Stadt. Wir haben ein kleines Apartment mit Küche gemietet und müssen von dort 45 Minuten bis zum ersten interessanten Viertel in die Stadt laufen. Mal schauen, was es hier so für ein Nightlife gibt. Das Latin Quarter verspricht laut Reiseführer viel, und wir werden nicht enttäuscht. Eine lange Straße ist abgesperrt, und überall ist was los. Neben Bars und Restaurants finden Spiele für Kinder statt, Künstler treten auf, und natürlich wieder Live-Musik. Wir machen noch einen Abstecher weiter runter Richtung Downtown, und auch dort tobt der Bär. Überall findet auf kleineren und größeren Bühnen eine Performance statt. Als es dunkel wird, sind wir wieder im Latin Quarter, und dort kommen wahnsinnig gute Artisten auf die Bühne, zu denen eine funky Live-Band spielt. Macht riesig Spaß, und wir kommen spät ins Bett.






Am Samstag fahren wir mit der Metro weiter in den Süden, Richtung Downtown und zum alten Hafen. Das vielgelobte Chinatown finden wir jetzt nicht so toll im Vergleich zur Old Town hinter dem Hafen. Dort ist in den alten Straßen mit den mächtigen Gebäuden den ganzen Tag was los. Am alten Hafen gibt es jede Menge Vergnügungen, vor allem für Kinder. Für gute Stimmung sorgt das Afrika-Fest. An diversen Buden gibt es Essen und Trinken sowie laute Musik. Was generell auffällt und hier besonders ist, ist das Multikulti-Leben in der Stadt. Es ist wirklich sehr gemischt, und die Stimmung sowie das freundliche Miteinander machen richtig Spaß.





Morgen geht unsere Kanadareise schon zu Ende, und wir fahren zurück nach New York. Auryn liegt immer noch sicher an der Boje (haben uns Segelfreunde gestern noch bestätigt), und wir freuen uns wieder auf unser schwimmendes Zuhause.