
Es geht wieder Richtung Süden
Unsere 2-3 Wochen Heimaturlaub hatten viel zu bieten. Wir waren sehr traurig, weil wir unseren Vater und Schwiegervater Wolfgang beerdigt haben. Bei solchen Anlässen kommen viele Familienmitglieder, aber auch Freunde zusammen, und wir hatten trotz der Traurigkeit einen schönen Tag. Sogar die Familie aus Serbien ist extra angereist. Wir waren sehr glücklich, eine wunderschöne Zeit mit unseren Kindern zu verbringen, und haben auch sonst viel von der großen Familie und den vielen Freunden genossen. Am letzten Tag sind wir nach Monschau in die Eifel gefahren wo unsere Tochter Marlene ihren ersten Marathon mit Bravour hinter sich gebracht hat.





Schnell ging es vorbei, und schon saßen wir wieder im Flugzeug Richtung JFK. Insgesamt verlief die Odyssey bis Auryn planmäßig, und nach 18 h waren wir wieder an Bord. Spannend war es an der Grenzkontrolle durch die US-Customs. Wir hatten bei der letzten Einreise die 6 Monate Aufenthaltsgenehmigung bis 01.12 bekommen, die es mit unserem B1-B2 Visum gibt. Wie es im Falle eines Auslandsaufenthaltes während dieser Zeit läuft, wenn man wieder einreist, ist nicht eindeutig geregelt. Da die junge Beamtin mit unserem Wunsch nach erneuten 6 Monaten und der Story mit Segelboot dahinter überfordert war, wurden wir erstmal in einen Extraraum zum Interview gebeten. Am Ende wurden noch mal unsere Aufenthalte gecheckt und wir haben die 6 Monate bis 10.02.26 bekommen. Glücklich verlassen wir das Terminal und fahren mit dem Zug und Bus nach Port Washington. Auf Auryn ist alles in Butter und wir fallen todmüde ins Bett. Nach fast 10 h Schlaf gibt es ein Frühstück mit allem Drum und Dran im Cockpit und wir stellen fest, wie gut wir es doch haben.
Wie geht es denn jetzt weiter? Wir wollen heute noch die Strömung ab Mittag ausnutzen und uns wieder durch New York auf in den Süden machen und durchfahren bis Atlantic Highlands, einem kleinen Ort südlich von Manhattan in New Jersey. Dort bleiben wir bis Freitag, weil es dann günstigen Wind nach Süden geben soll. Wir möchten gute 100 sm bis zur Delaware Bay fahren, wo es dann die Bucht hochgeht bis zum Delaware River. Von dort kann man durch einen Kanal bis in die Chesapeake Bay fahren, einem wahren Segelmekka an der Ostküste. Mitte September haben wir einen Termin in einer Werft gemacht, um unter anderem Lithium-Batterien einbauen zu lassen. In der Zeit fahren wir dann noch mal mit einem Mietwagen, unter anderem nach New York, wo wir meine Mutter und unsere Kinder treffen.
Der erste Teil dieses Plans hatte sich gegen 11:00 Uhr, nachdem wir den Motor angelassen haben, schon wieder erledigt. Das Kühlwasser läuft nicht und relativ schnell ist klar, dass das Seeventil von außen zu ist. Der Bewuchs unter dem Boot ist hier enorm, wir haben das Problem auch schon von anderen gehört. Der Skipper springt also erstmal ins Wasser und versucht, das Seeventil zu finden, um es freizumachen. Der Bewuchs unter dem Schiff ist allerdings so dermaßen angewachsen, dass man in der trüben Brühe überhaupt nichts sieht, geschweige denn ein kleines Loch in der Mitte des Rumpfes. Es wird mit dem Spachtel eine Stunde lang zumindest der äußere Bereich unter dem Boot befreit, aber viel bringen tut es auch nicht. Wir schaffen es dann, den Durchlass von Innen zu befreien, in dem wir die Schläuche abschrauben und mit Werkzeug durchstochern. Wir fahren rüber zur Tankstelle, um Wasser zu holen, und da es dann schon früher Nachmittag ist, wird die Fahrt auf Morgen verschoben. Es gibt auf dem East River eine Engstelle, wo die Strömung auf über 5 kn ansteigt, und da wären wir zeitlich genau reingeraten, was nicht ungefährlich ist.
Am nächsten Tag geht der Start nach Plan, aber der Gegenwind und vor allem der Bewuchs unter dem Schiff bremsen uns ziemlich aus. Als wir dann von oben in den East River hineinfahren, macht sich die Strömung bemerkbar und wir beschleunigen für ein paar Stunden auf 7–8 kn. Sehr kabbelig ist die letzte Kurve mit der 5kn Strömung, genannt Hell’s Gate, bevor es nach Manhattan runtergeht. Übrigens hat unsere Bordente Captain Auryn, die schon seit Beginn der Tour dabei ist, Besuch bekommen, und zwar von der Radio-Wuppertal-Reporterin Ente. Wir vertreiben uns die Zeit mit Fotos von den Enten machen, die bei Radio Wuppertal auf die Homepage kommen. Die Fahrt runter bis Atlantic Highlands zieht sich etwas hin, aber eventuelle Langeweile wird gegen Ende von einem ordentlichen Gewitter vertrieben. Es pfeift wieder mit bis zu 60 kn, aber Auryn widersteht tapfer den Böen und zieht auch keine Blitze an. Der Anker fällt auf 5 m bei Sonnenuntergang.





Am nächsten Morgen machen wir uns früh an Land auf und laufen erstmal einen sehr schönen und grünen Weg am Ufer entlang bis zu einem Nachbarort. Die Beine schreien nach Bewegung. Wir sehen einige Tiere auf dem Weg, wie zum Beispiel eine bunte Wasserschildkröte und ein paar gar nicht so scheue Rehe. Der Ort ist, wie die meisten Städte an der Küste, ganz nett, besteht aber im Prinzip nur aus einer Hauptstraße, in der die Geschäfte sind. Am Nachmittag bekommen wir Besuch von Donna. Sie ist die Hafentaucherin und macht unter anderem auch die Rümpfe der Boote sauber. Wir haben ihren Kontakt von einem deutschen Segler in Port Washington bekommen, und zum Glück hat sie Zeit. Nach 90 Minuten kommt sie, voll von all dem, was unter unserem Schiff hing, wieder hoch und meinte, es habe sich selten so gelohnt. Nun sollten wir wieder deutlich schneller unterwegs sein. Morgen geht es weiter die lange Küste runter zur Delaware Bay. Die Strecke ist über 100 Seemeilen lang und der Wind verspricht eine ruhige, nicht zu schnelle Fahrt von mindestens 24 Stunden.






2 Antworten zu “Es geht wieder Richtung Süden”
Hej ihr zwei, schön euch wieder guter Dinge an Bord der Auryn zu wissen. Ich staune und bewundere euch darum, mit welcher Gelassenheit ihr den Widrigkeiten von Technik und Wetter begegnet. Ein verstopftes Seeventil für den Motor, Blitz und 60 knt, 5 knt. Strömungen sind ja keine Bagatellen. Alles Gute und viel Spaß auf euren weiteren Touren.
Herzliche Grüße von den INTIanern 🌈⛵️🌞
Hi Sabine und Lutz, euch scheint es ja auch gut zu gehen, wir besuchen Big Apple und ihr den Big Ben. Weiterhin viel Spaß und liebe Grüße