Wir haben uns für den Sonntag entschieden nach Washington zu fahren, weil es in der Woche ziemlich voll sein soll. Außerdem ist das Wetter prima und wir finden sogar einen kostenlosen Parkplatz in der Stadt. Im Prinzip kann man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten alle über die 4km lange und 500m breite National Mall ablaufen. Das ist ein großer Park der sich vom östlich gelegenen Kapitol und dem westlich gelegenen Lincoln Memorial erstreckt. Entlang des Parks gibt es viele prächtige Gebäude in denen sich unter anderem Museen befinden die sogar meist keinen Eintritt nehmen. Los geht es hinter dem Kapitol mit unserem Spaziergang. Dort ist der Supreme Court, das oberste Gericht. Um das schon ziemlich beeindruckende Kapitol kann man einfach herumlaufen, es ist nichts abgesperrt. In dem Gebäude befinden sich die beiden Kammern des Parlaments in unterschiedlichen Flügeln. Die meisten erinnern sich sicherlich noch an den Sturm und die Besetzung der Anhänger des damaligen Wahlverlierers. Auch für das Kapitol werden Führungen angeboten, aber leider nicht Sonntags. Andererseits ist eh gerade Shutdown in den USA, das heißt wegen Überschreitung der Schuldengrenze sind im Moment die meisten öffentlichen Einrichtungen bis zu einer politischen Einigung geschlossen. Und da ist auch das Besucherzentrums des Kapitols betroffen.

Das erste Museum in das wir gehen ist das National Museum of the American Indian. Wie der Name sagt geht es hier um das Leben und die Kultur der Indianer. Alleine schon der Bau von außen beeindruckt sehr, und auch innen ist es geschmackvoll gestaltet. Es wird für unseren Geschmack etwas zu zurückhaltend darüber berichtet, was in den letzten paar hundert Jahren während der Besiedlung für ein Völkermord stattfand. Ansonsten lohnt es sich aber, man lernt viel über die Kultur und die Lebensräume der Indianer.

Nur wenige Meter weiter kommt das höchst spektakuläre National Air and Space Museum. Überall hängen alte Flugzeuge an der Decke, es stehen diverse originale und nachgebaute Weltraumkapseln herum, und es gibt Themenräume. Die handeln dann von den Pionieren der Luftfahrt oder allgemein von Planeten, das Beste ist der Raum über die Mondfahrten. Dort steht der originale Mondanzug von Neil Armstrong in einer Vitrine und die echte Apollo 11 Raumkapsel daneben. Erstaunlich, es werden auch die Pionierleistungen der Sowjets im Weltraum aus den 60ern dargestellt und wie verzweifelt Amerika zu der Zeit versuchte, Anschluss zu halten. Hier hätten wir noch viele Stunden verbringen können, aber wir wollen den wunderbaren Tag nicht nur innen verbringen.

Wir schlendern bis zum Ende der Mall, wo es noch ein Memorial vom Korea-Krieg, vom Vietnamkrieg und den pompösen Lincoln Tempel gibt. Auf dem Rückweg wollen wir dann doch noch mal einen Blick auf das Weiße Haus werfen, das uns von vorne aber nicht erlaubt wird. Ein Polizist auf Fahrrad scheucht alle Leute, die in die Richtung gehen, weg. Von hinten kommt man erstaunlich nahe heran, und davor ist auch richtig was los. Es gibt eine Demo von Ukrainern, und einige Prediger halten Reden über Gott und die Welt. Abschließend sei noch gesagt, unsere Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet, wir haben nicht einen Soldaten gesehen. Da es noch so viele weitere Museen gibt, fahren wir wahrscheinlich nächstes Wochenende noch mal hin.

Wir bekommen von unserer Hotelchefin einen Ausflugstipp, wir müssen unbedingt nach Alexandria etwas südlich von Washington fahren. Für sowas sind wir ja immer dankbar. Das ist ein kleines Städtchen natürlich auch mit viel Historie und alten Häusern. Es gibt eine sehr schöne Hafenpromenade am Potomac River. Von hier kann man mit der Fähre bis nach Washington reinfahren. In der ganzen Stadt gibt es auffallend viele mit Skeletten und Kürbissen geschmückte Häuser, Halloween ist im Anmarsch.

Ansonsten verbringen wir die Tage mit Spaziergängen im Wald und ärgern uns immer noch über die Versicherung. Ein Lichtblick tut sich aber auf, der Bericht vom Gutachter ist für Freitag versprochen. Am Montag kommt Auryn mit frisch gestrichenem Rumpf zurück ins Wasser und wir ziehen endlich wieder an Bord. Hoffentlich passt das was der Gutachter über die vorgeschlagene Reparatur schreibt, damit die Werft endlich loslegen kann. Wenn wir unsere Zwangspause so betrachten, sehen wir im Moment deutlich mehr als wenn wir nur mit dem Boot an der Küste wären, Mietwagen sei Dank.

Hinterlasse einen Kommentar