
Licht am Ende des Tunnels
Ich treffe mich mit dem Gutachter aus Hamburg pünktlich um 09:00 bei Auryn, die ja noch an Land steht. Von der Werft hat leider keiner Zeit, an den Untersuchungen teil zu nehmen. Ich bin sehr gespannt und denke, ich kann eine Menge lernen. Wir gehen zusammen alles durch, was noch zu funktionieren scheint, was nicht mehr und was noch so teilweise. Am teuersten an der ganzen Geschichte ist das Raymarine-Autopiloten-, Navigation- und Windanzeigen-System. Zum Glück funktioniert der zugehörige Plotter noch, ansonsten würde es noch mal deutlich teurer werden. Der Gutachter schaltet mitgebrachte Geräte in das System und kann so sehen, was im Netzwerk noch funktioniert und was nicht mehr reagiert und somit ausgetauscht werden muss. Wie schon auch von der Werft vermutet, müssen Autopilot und Windanzeige ausgetauscht werden. Die ganze Batterieladeeinheit mit Lichtmaschine scheint entgegen der Vermutung allerdings völlig in Ordnung zu sein. Er überbrückt ein Steuergerät auf dem Motor, welches der Lichtmaschine einen Impuls gibt, wann sie laden soll, und wie von Zauberhand lädt sie die Batterie wieder. Also ist das Steuergerät kaputt. Die Werft hatte geplant, die Lichtmaschine zur Reparatur einzuschicken. Das hat sich also schon mal sehr gelohnt. Und so geht es 2 Tage weiter und wirklich jedes Kabel und elektrische Gerät an Bord wird gecheckt. Am Ende des 2. Tages klettert er noch in den Mast nach oben, um die Lampen zu prüfen, und macht noch direkt den Riggcheck mit. Das ist nach einem Blitzschlag obligatorisch. Am dritten Tag sitzen wir zusammen und gehen seine und meine Liste noch mal komplett durch, ob wir auch nichts vergessen haben. Er macht konkrete Vorschläge, mit welchen Geräten die Kaputten ersetzt werden können. Dabei muss natürlich darauf geachtet werden, dass nur ein gleichwertiges Gerät angenommen wird, was aber auch hier beschaffbar ist. Grundsätzlich ist das Meiste auch hier zu bekommen, und viel teurer ist es in der Regel auch nicht. Wir finden für alles einen Ersatz, den die Werft kurzfristig hier hin bekommen kann und das kostenmäßig im Rahmen ist, den die Versicherung auch bereit ist zu bezahlen. Für jede Tätigkeit werden entsprechend Arbeitsstunden angenommen, welche bei der Reparatur der größte Kostenfaktor sind. Ich habe jetzt ein viel besseres Gefühl, weil es keinerlei Überraschungen mehr geben sollte und die Werft präzise Vorgaben bekommt, was sie tun soll. Wir können es vermeiden, Geräte aus Deutschland bestellen zu müssen, was die ein oder andere Woche Verlängerung erspart. Kostenmäßig ist das Volumen gegenüber dem letzten Angebot der Werft ungefähr noch mal 40% runtergekommen und auch für uns wichtig hat sich die Reparaturzeit fast halbiert. Es sollte, wenn durchgearbeitet werden würde, in weniger als einer Woche erledigt sein (wird in Realität niemals so sein…).






In der Aufgabenliste wurden einige Punkte entfernt, die ich selbst erledigen kann, zum Beispiel den neuen Solarregler und den Lüfter für die Kühleinheit einzubauen oder die Deckslampen und einige Leuchtmittel unter Deck auszutauschen. Die Komponenten sind bereits bestellt und ich sollte das nächste Woche erledigt bekommen.
So, jetzt vom technischen Blog zurück zum Reiseblog. Die Hotels, die wir in den letzten Wochen hatten, wurden relativ anstandslos von der Versicherung übernommen. Und das Boot, wäre es zurück im Wasser, durch die bald reparierte Batterieladung auch wieder bewohnbar. Aber natürlich wird an Bord gearbeitet, und gemütlich ist es dann nicht. Also hatte die Skipperin eine tolle Idee, und wir haben uns bei einer Organisation angemeldet, die Haussitting mit Tieren anbietet. Dort inserieren Leute, die in den Urlaub fahren und in der Zeit ihr Haus mit entsprechender Betreuung der Haustiere anbieten. Wir haben dort das nahezu perfekte Inserat gefunden. Ein Ehepaar fährt für knapp 2 Wochen nach Frankreich und stellt ihr super gelegenes Haus an einem Creek mit großem Garten zur Verfügung. Im Gegenzug müssen die beiden älteren Hundedamen versorgt werden. Wir bewerben uns und machen schon am Abend einen Videocall mit den Besitzern. Wir sind etwas aufgeregt, ob es denn klappt, aber jede Sorge ist unbegründet. Die sind sehr froh, jemanden noch so kurzfristig zu finden, und sie bestätigt schon während des Gesprächs, dass sie sich sehr freuen würde, wenn wir das annehmen. Es passt wirklich genau, der Gutachter ist Donnerstag Mittag fertig und am Nachmittag werden wir von Jo, der Besitzerin, am Hotel abgeholt. Es liegt etwa 20min außerhalb von Annapolis in Chester, auf der anderen Seite der Chesapeake Bay. Die Wohngegend ist sehr schön, aber auch nicht übertrieben schick. Das Haus ist total super, es gibt zwei Gästezimmer mit riesiger Küche, großem Garten und eigenem Steg am Fluss. Wir dürfen sogar das Auto in der Zeit benutzen, die beiden sind völlig unkompliziert. Und dann wären da noch die beiden Hunde Evie und Tesla. Wir verstehen uns auf Anhieb gut, und die Hunde sind sehr einfach zu händeln. Mehr von den beiden gibt es im nächsten Blog. Wir freuen uns erstmal wieder selber kochen zu können und aus der Hotelatmosphäre raus zu sein. Für knapp 2 Wochen bleiben wir jetzt hier. Das Titelbild zeigt übrigens den Sonnenuntergang von der Terrasse. Die beiden möchten übrigens mit in unserem Schlafzimmer schlafen, was erstaunlich gut klappt. Erst um 7.45 kommen erste Nachfragen, wann es denn Frühstück gibt.




2 Antworten zu “Licht am Ende des Tunnels”
Hallo ihr beiden, alles wendet sich zum Guten! Niemals aufgeben ist die Devise. Schön, dass der Schaden mit eurem Boot nun bald behoben ist (hoffentlich bald). Und schön, dass ihr für 2 Wochen so nett untergekommen seid. Hunde Housekeeping ist ja eine tolle Idee und hilft beiden Seiten. Beider Hunde scheinen ja ziemlich entspannt zu sein. Ganz liebe Grüße aus dem heute verregneten Oldenburg. Lg Stephan
Moin Stephan, ja vielen Dank, wir sind sozusagen auf den Hund gekommen. Viele Grüße nach Oldenburg aus dem sonnigen Annapolis, Jan