Länger nichts geschrieben fällt mir gerade auf, das liegt wohl daran, dass einfach zu viel passiert. Dafür gibt es jetzt auch ein etwas längeres Update. Die Arbeiten an Bord gehen voran, wir haben jetzt die volle Elektrikpower an Bord mit drei Batterien, die eine nutzbare Kapazität von etwa 750 Ah haben, vorher waren es 150 Ah. Wir haben einen Inverter eingebaut, der 3000 W liefert. Das heißt, er wandelt die 12 V der Batterien in normalen Hausstrom um und speist direkt die normalen Steckdosen, von denen wir fünf Stück an Bord haben. Damit funktioniert sogar der Wasserkocher und eine elektrische Herdplatte, ein Traum. Als ultimatives Highlight haben wir noch eine Gefrierbox bestellt, mit der wir richtig einfrieren können. Das Deck ist auch fertig abgeschliffen, und als nächstes kommen die Spachtel- und Abdichtarbeiten dran. Die Oberfläche sieht viel besser aus, als gedacht. Wir befürchteten schon, es kommen Beschädigungen durch die Bohrlöcher zum Vorschein, wodurch bei überkommender Welle oder starkem Regen schon mal Wasser in der Bilge steht. Aber nichts zu sehen, die undichten Stellen sind anscheinend die Durchführungen der Mittelwanten.

Wir sind bis hierhin superzufrieden mit dem Fortschritt und unternehmen die nächste Reise durch das Land. Es geht zuerst nach Antigua, einer der ältesten Städte Guatemalas. Die Fahrt dorthin unternehmen wir wieder per Shuttle, und im Gegensatz zum letzten Mal war es nicht sehr angenehm. Die Abfahrt war für 11.00 Uhr geplant, und los ging es um 13.00 Uhr. Die Fahrtzeit sollte 6 h dauern, und am Ende waren es über 8 h. Wir haben eine kleine Pension gebucht, die so nett war, uns um 22.00 Uhr noch ein kleines Abendessen zu zaubern, wir waren ziemlich ausgehungert.

Antigua wurde schon vor 1542 gegründet und war damals für 200 Jahre die Hauptstadt Guatemalas, bis ein Erdbeben die Stadt zerstörte. Antigua wurde wieder aufgebaut und befindet sich immer noch im barocken Stil und ist von mehreren Vulkanen umgeben. Das macht die Lage einmalig schön, und Antigua wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Es gibt viele Kirchen und wunderschön angelegte Parks, und durch die gesamte Stadt zieht sich das unvermeidliche Kopfsteinpflaster. Wir haben einen wirklich schönen Tag und schlendern stundenlang durch die Gassen. Einmal verlassen wir auch das Stadtzentrum und gehen auf eine Anhöhe am Stadtrand, wo man einen tollen Blick auf den Vulkan Agua hat. Etwas weiter entfernt ist der noch aktive Vulkan Fuego, aus dem immer wieder Rauchsäulen hochsteigen. Am Abend haben wir Glück. Vom zentralen Platz kann man den Fuego ganz gut sehen, und in der Dunkelheit kommt für ein paar Minuten die rotschimmernde Lava den Berg hinunter. Vor ein paar Jahren hätten wir wahrscheinlich auch noch eine Tour dort hoch mitgemacht, aber es sind über 1000 Höhenmeter zu gehen, die wir uns mit den Seglerbeinen im Moment nicht zutrauen. Unvermeidbar in solchen Städten sind natürlich die vielen Händler, von denen es deutlich mehr als Touristen gibt, aber das gehört hier nun mal dazu.

Weiter geht es Richtung Westen, das Ziel ist der Lago de Atitlán, einer der angeblich schönsten Seen der Welt. Wir haben uns ein kleines Hotel im größten Ort am See gebucht, in Panajachel. Dieses Hotel ist wirklich ein guter Griff, sehr schön eingerichtete und geschmückte Zimmer, es ist an keiner Straße gelegen und die Dusche ist heiß und es kommt viel Wasser raus (hatten wir bisher noch nicht…). Auf einer Terrasse mit Seeblick kann man gut entspannen. Der Ort ist mit Händlern und weniger mit Touristen ganz schön überfrachtet, aber der Vorteil ist dabei, dass es dafür bunt und lebhaft ist. Besonders die Frauen sind in der Regel in traditioneller bunter Kleidung unterwegs. Wenn man so sieht, was die Leute am Tag anscheinend verkaufen und wie die Belegungen in den Restaurants und Unterkünften ist, herrscht offensichtlich ein Überangebot von allem. Wir gehen in das nahegelegene wunderschöne Reserva Natural Atitlán. Als Erstes zieht es uns in die Schmetterlingshalle, wo tolle bunte Mariposas rumschwirren. Es gibt viele Erklärungen, wie die Verwandlung von einer Puppe in einen Schmetterling vonstatten geht (inkl. eines Brutkastens) und wie lange ein Schmetterling überhaupt lebt (nur ein paar Wochen leider…). Wir gehen anschließend über einige ziemlich wackelige Hängebrücken, bis wir unten am Strand rauskommen und uns erstmal etwas ablegen. Danach den Berg wieder hoch, wo noch ein Wasserfall wartet. Affen gibt es hier auch, aber als wir kamen, waren sie wahrscheinlich im Mittagsschlaf. Ein wirklich schöner und vielseitiger Park.

Für den nächsten Tag nehmen wir uns einen Ausflug über den See vor. Es geht mit einer Lancha (kleine Highspeedfähre) einmal quer über den See in den Ort San Pedro. Die Fähre bzw. das Holzboot mit ordentlicher Motorisierung ist schon ein Abenteuer. Los geht es erst, als es das Boot randvoll ist, und der Steuermann kennt nur Vollgas. In San Pedro ist es etwas ruhiger als in Panajachel, und es dominiert der Rucksacktourismus. Wir laufen gemütlich durch den Ort, und eigentlich gefällt es uns hier sogar noch besser. Mit einem Tuc Tuc fahren wir danach rüber in den Nachbarort San Juan. Hier ist es etwas mondäner und vor allem künstlerischer. Überall gibt es schön geschmückte Straßen, die den Hügel Richtung Hafen hinunterführen, und eine Galerie neben der anderen.

Für den letzten Tag am See suchen wir uns den Ort Santa Cruz aus, der recht klein in den Berg hineingebaut ist. Die Fahrt mit der Lancha ist diesmal wesentlich kürzer. Wir machen eine Wanderung die Küste entlang, die wir sicherlich in die Top 10 unserer bisherigen Wanderungen im Leben wählen würden. Es geht an den Hängen am See entlang, ein wenig rauf und runter, bis in den Nachbarort Jaibalito. Zwischendurch kommt man immer wieder an wunderschön in den Berg hineingebauten Hotels, Hostels und Haciendas vorbei. Dabei gibt es die ganze Zeit Ausblicke auf die drei Vulkane um den See herum. Wir fragen uns, warum wir uns nicht hier einquartiert haben.

Morgen geht es wieder zurück zum Boot und wir fahren mit dem Shuttle direkt bis Guatemala City. Von dort steigen wir in einen deutlich komfortableren Reisebus um, der uns nach Rio Dulce bringt. Und wir lernen mal wieder, dass wie schon auf der Hinfahrt die Fahrtzeiten niemals eingehalten werden. Diesmal war die Fahrt mit 6 h geplant und es wurden über 8 h. Der liebe John von unserer Marina hat uns mitten in der Nacht noch jemanden rübergeschickt, die uns abgeholt hat. Das war uns schon etwas peinlich, aber anders kommt man halt nicht in die Marina und Taxifähren gibt es nachts nicht.

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