
Kolibris und Mücken auf Guanaja
Nach einem wieder relativ windarmen Trip nach Guanaja müssen wir erstmal an der Tanke Diesel und Wasser auffüllen. Das klappt problemlos und mit vollen Tanks geht es rüber zum Ankerplatz. Dieser liegt in einer sehr hübschen windgeschützten Bucht, und das Eisen fällt auf 8 m. Ein kurzer Rundumblick zeigt, nur Europa ist heute hier vertreten (Schweden, Dänemark, Belgien und wir). Die Insel Guanaja ist nur spärlich bewohnt, die meisten Menschen leben auf der kleinen vorgelagerten Insel Bonacca. Der Grund ist wohl vor allem die extreme Mückenplage auf der Insel, die auch wir schnell zu spüren bekommen. Vor allem wenn es windstill ist, hilft nur alle Fenster zu machen oder Mückennetze vorhängen. Im Cockpit sitzen geht nur komplett eingesprüht. Wir sind noch mitten in den Nachbereitungen des Törns, als uns ein Nachbarboot besuchen kommt. Kaum zu glauben, dort drinnen sitzt unter anderem Marian, die wir letztes Jahr in der Dominikanischen Republik kennengelernt haben. Wir verabreden uns direkt für den nächsten Tag.
Hier auf der Insel kann man sich zum Glück gut die Beine vertreten, wir laufen einen Hügel hoch zum Restaurant Mi Casa. Leider hat es noch geschlossen, und so bleibt es bei ein paar netten Fotos und einem Lunch an Bord. Abends sind wir dann bei Marian, ihrem Mann Bart und dem lustigen Bordhund Duschi auf ihrer Yacht Maeva und haben viel Spaß.





Unser Tag endet abends meistens schon um 22:00 und so sind wir entsprechend um 06:00 morgens wach und frühstücken. Und da es tagsüber 30°C mit drückender Schwüle wird, fällt es uns leicht, früh zu einer Wanderung aufzubrechen. Das Ziel ist der höchste Punkt der Insel, der Michael Rock’s Peak ist 415 m hoch. Der Weg ist wunderschön, total grün, und bis der immer steiler werdende Anstieg kommt, geht er auch relativ gut zu laufen. Wir merken allerdings auch bald die untrainierten Seglerbeine, und die Schwüle macht uns zu schaffen. Schweißgebadet erreichen wir nach einer Stunde einen herrlichen Aussichtspunkt auf unsere Ankerbucht und die Riffe dahinter. Wir sind uns schnell einig, das muss reichen für heute, und so geht es bald zurück.




Wir müssen mal wieder ein paar Sachen einkaufen und brauchen vor allem Bargeld. Der Ort ist wirklich schräg. Die äußeren Häuser sind alle auf Stelzen gebaut und dazwischen schwimmt ziemlich viel Müll. Es gibt eine schmale Hauptstraße mit zwei Banken, ein paar Läden und eine Handvoll Seitenstraßen. Ansonsten finden wir hier nicht so viel schönes Ambiente. Die Geldautomaten funktionieren auch nicht, aber die Bank tauscht zum Glück ein paar Dollar um. Abends sind wir am Strand die beste Pizza der Insel essen. Netter Vibe mit cooler Musik, tollen Leuten und netten Seglern. Es gesellen sich noch die Crew der Santamaria Australis, Jeanette und Wolf, dazu. Die Santamaria Australis ist ein beeindruckendes 20 m Expeditionssegelschiff, welches in den extremen Graden der Welt unterwegs ist. Wolf hat es vor 15 Jahren geschafft, als erster innerhalb eines Jahres den gesamten amerikanischen Kontinent inkl. Kap Horn und Nordwestpassage zu umrunden. Dazu kommen zig Antarktispassagen und mehrere 100.000 sm durch die Weltmeere. Wer will, der kann…



Und so verbringen wir die Tage auf Guanaja sehr angenehm. Tagsüber gehen wir oft schnorcheln. Hier gibt es diverse Plätze, wo man sein Boot an eine Boje hängen oder an irgendwelchen alten Hütten im Wasser festbinden kann. Die Unterwasserwelt ist großartig, die Korallen haben zwar nicht mehr die Farben wie früher aber es gibt viele bunte Fische, wie im Aquarium. Wir fahren einen Mangrovenfluss entlang, der eigentlich sehr schön ist, wenn nicht die ganzen gestrandeten und abgewrackten Boote dort in den Ecken liegen würden. Das sind wahrscheinlich noch die Folgen von einem Hurrikan, der im November 2020 hier lang zog. Und abends treffen wir uns mit Marian und Bart mal an Bord oder auch mal im Restaurant.




Gearbeitet wird natürlich auch. Eines Morgens stellte der Skipper erschrocken fest, dass die Solarpanelen nichts liefern. Der Schuldige wurde aber schnell gefunden, ein Pluskabel auf dem Weg zum Solarregler hatte sich gelöst. Die Skipperin ist auch superfleißig und hat sowohl Sprayhood wie auch Bimini (Dach über dem Cockpit) mit Verstärkungen versehen. Genäht werden musste im Cockpit, weil wir den Reißverschluss vom Bimini nicht aufbekommen haben und es so an der Stange hängen blieb.



Die Planung für die nächste Etappe läuft auf Hochtouren. Das Ziel ist die Insel Providencia nördlich von Panama. Der Wind kommt hier relativ konstant aus Ost, schwenkt aber immer mal etwas nördlicher und mal etwas südlicher. Das wollen wir ausnutzen und mit den Schwankungen Richtung Nordost kreuzen. Am Sonntagnachmittag stellt sich ein angenehmer Nordostwind ein, der ausnahmsweise einige Tage bleibt. Den müssen wir erwischen und dafür erstmal ein ganzes Stück Richtung Norden kreuzen. Das nächste Problem in der Gegend ist leider die Piraterie. Man sollte soweit wie möglich von der Küste von Nicaragua wegbleiben, um das Risiko zu minimieren. Es gab in den letzten Jahren nur wenige Vorfälle, aber trotzdem werden wir in dem Bereich unsere Sendefunktion vom AIS ausstellen und die Beleuchtung nachts reduzieren. Mit den ganzen Umwegen sind es um die 500 sm, und wir rechnen mit 4–5 Tagen.



Zum Auschecken müssen wir wieder auf die kleine Insel und treffen im Immigration Office erstmal niemanden. Es gibt aber eine Nummer und es meldet sich Denilson, der gleich vorbeikommt und unsere Pässe abstempelt. Dann noch rüber zum Harbor Master die Fahrgenehmigung abholen und wir können los. Wir machen noch ein paar Einkäufe, geben die letzten Limpiras aus und fahren gut gelaunt zurück an Bord, letzte Vorbereitungen abschließen. Wir sind gespannt, auf Noforeignland wird zwischendurch immer wieder die Route und Position aktualisiert.